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WM 2026 in Nordamerika Sportswashing als Trumps Rettungsring?

Sportliche Grossanlässe werden oft politisch genutzt. Donald Trump will mit der Fussball-WM sein Image aufpolieren und kritische Themen in den Hintergrund rücken. Auch die Fifa spielt dabei eine Rolle.

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte – der amtierende US-Präsident Donald Trump steht mit einem verschmitzten Grinsen neben dem applaudierenden Fifa-Präsidenten Gianni Infantino. Der Grund: Trump bekam von der – laut eigenen Statuten politisch neutralen – Fifa den eigens für ihn gegründeten «Friedenspreis».

Donald Trump und Gianni Infantino bei der Verleihung des FIFA-Friedenspreises. Trump zieht sich selbst die Medaille an.
Legende: Donald Trump bekommt von Gianni Infantino den «Friedenspreis» überreicht. Kriterien oder eine Jury dafür gab es nicht. Keystone/EPA/Willi Oliver

Eigentlich hätte es an diesem Abend in Washington um die Auslosung der Gruppen für die Weltmeisterschaft 2026 gehen sollen, doch der Fussball rückte neben Trump und Infantino in den Hintergrund.

Die Vergabe des Preises ohne ersichtliche Auswahlkriterien stiess auf harsche Kritik: Sowohl Organisationen wie «Sport and Rights» als auch Fussballverbände wie Norwegen warfen der Fifa eine «aktive Teilnahme am Sportswashing von Donald Trump» vor.

Was ist Sportswashing?

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Wenn die Politik Sport bzw. Sportereignisse ausnutzt, um von Missständen im eigenen Land abzulenken und die volle Aufmerksamkeit auf das nationale Image zu lenken, spricht man von Sportswashing. Die Schauplätze dafür waren oftmals Fussballweltmeisterschaften, wie Russland 2018, Katar 2022 und aktuell Amerika 2026.

Obwohl sich Trump vor der Vergabe der Weltmeisterschaft 2026 kaum für Fussball interessierte, ist für den US-Politikwissenschaftler Jules Boykoff klar, was Trump nun mit diesem Grossanlass erreichen will. Boykoffs Buch «Red Card - The 2026 World Cup, Sportswashing, and the FIFA Greed Machine» handelt von Sportswashing an der Weltmeisterschaft in Nordamerika.

Sportswashing als Trumps Rettungsring?

«Je schlechter Trumps Beliebtheitswerte werden, und die sind seit seiner Wahl stark gesunken, desto mehr ist er auf das Sportswashing angewiesen, sozusagen Sport als Rettungsring», sagt Boykoff.

Trump müsse also jegliche Möglichkeiten wahrnehmen, um diese zu verbessern. «Die Weltmeisterschaft – vor allem Trumps Auftritte – sollen seine Popularität steigern.»

Durch die Weltmeisterschaft erhoffe sich Trump eine positivere Berichterstattung über ihn sowie weniger kritische Berichte über Missstände wie den Einsatz der Polizei- und Grenzschutzbehörde ICE oder die steigende Gewalt auf den Strassen. Die WM zeige, dass Sportswashing auch für Länder wie die USA spannend sei: «Infantino liefert Trump politische Augenwischerei, wann immer er sie braucht oder will.»

Das sagt die Fifa zu der Thematik

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Die Fifa will sich gegenüber SRF nicht konkret zu den Sportswashing-Vorwürfen äussern. Sie verweist jedoch darauf, dass die Gastgeberländer in einem strengen und transparenten Verfahren vom Fifa-Kongress ausgewählt werden und dass es Evaluationsberichte inklusive Menschenrechtsprüfung gibt.

Weiter betont sie, dass grosse Turniere eine Chance bieten, Wandel anzustossen und Menschen und Kulturen zusammenzubringen.

So beispielsweise im Rahmen der Klubweltmeisterschaft 2025 in den USA, als die Fifa Spieler des italienischen Rekordmeisters Juventus Turin hinter Trump positionierte, während er eine Pressekonferenz über den Iran-Krieg, Einwanderung und Transgender-Athleten hielt. Trump versuchte dabei gemäss Boykoff die Spieler für seine politischen Ziele zu instrumentalisieren.

Männer um einen Schreibtisch im Raum mit Mikrofonen und Kameras.
Legende: «Könnten Frauen in Ihrem Team spielen?», fragte Trump die Spieler und Funktionäre von Juventus Turin, während er eine Tirade über Trans-Menschen abhielt. Keystone/EPA/Ken Cedeno

Dass sportliche Grossereignisse Aufmerksamkeit auf sich ziehen, liegt in der Natur der Sache. Dass diese Ereignisse aber regelmässig genutzt werden, um das Image der austragenden Staaten zu waschen, hält Boykoff für keinen Zufall. Die jüngsten Beispiele: die WM 2018 in Russland, Katar 2022 und die Klubweltmeisterschaft 2025.

Gianni Infantino ist der grösste Förderer des Sportswashings.
Autor: Jules Boykoff US-Politikwissenschaftler und Buchautor

Auch deshalb bezeichnet Boykoff Gianni Infantino als grössten Förderer des Sportswashings: «Kein anderer Akteur im Sportbereich hat dies so vorangetrieben wie er».

Boykoff geht davon aus, dass Szenen wie die an der Gruppenauslosung in Washington oder die der Pressekonferenz an der Klub WM auch die WM 2026 begleiten werden. Wenn es nach Trump gehe, gehe es an der WM nicht primär um Fussball, sondern um ihn selbst.

Diskutieren Sie mit:

SRF 3, 8.6.2026, 8:45 Uhr

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