Ein Bild sagt mehr als tausend Worte – der amtierende US-Präsident Donald Trump steht mit einem verschmitzten Grinsen neben dem applaudierenden Fifa-Präsidenten Gianni Infantino. Der Grund: Trump bekam von der – laut eigenen Statuten politisch neutralen – Fifa den eigens für ihn gegründeten «Friedenspreis».
Eigentlich hätte es an diesem Abend in Washington um die Auslosung der Gruppen für die Weltmeisterschaft 2026 gehen sollen, doch der Fussball rückte neben Trump und Infantino in den Hintergrund.
Die Vergabe des Preises ohne ersichtliche Auswahlkriterien stiess auf harsche Kritik: Sowohl Organisationen wie «Sport and Rights» als auch Fussballverbände wie Norwegen warfen der Fifa eine «aktive Teilnahme am Sportswashing von Donald Trump» vor.
Obwohl sich Trump vor der Vergabe der Weltmeisterschaft 2026 kaum für Fussball interessierte, ist für den US-Politikwissenschaftler Jules Boykoff klar, was Trump nun mit diesem Grossanlass erreichen will. Boykoffs Buch «Red Card - The 2026 World Cup, Sportswashing, and the FIFA Greed Machine» handelt von Sportswashing an der Weltmeisterschaft in Nordamerika.
Sportswashing als Trumps Rettungsring?
«Je schlechter Trumps Beliebtheitswerte werden, und die sind seit seiner Wahl stark gesunken, desto mehr ist er auf das Sportswashing angewiesen, sozusagen Sport als Rettungsring», sagt Boykoff.
Trump müsse also jegliche Möglichkeiten wahrnehmen, um diese zu verbessern. «Die Weltmeisterschaft – vor allem Trumps Auftritte – sollen seine Popularität steigern.»
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Bild 1 von 2. Laut Gianni Infantino soll Donald Trump an dieser WM dem Siegerteam den Pokal überreichen. Bildquelle: Keystone/Jaquelyn Martin .
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Bild 2 von 2. Dies tat er bereits an der letztjährigen Klubweltmeisterschaft. Das Podest wollte er anschliessend nicht verlassen und ist so auf den Siegerfotos präsent. Die Spieler waren «etwas irritiert», wie sie nach der Zeremonie sagten. Bildquelle: Keystone/Jaquelyn Martin .
Durch die Weltmeisterschaft erhoffe sich Trump eine positivere Berichterstattung über ihn sowie weniger kritische Berichte über Missstände wie den Einsatz der Polizei- und Grenzschutzbehörde ICE oder die steigende Gewalt auf den Strassen. Die WM zeige, dass Sportswashing auch für Länder wie die USA spannend sei: «Infantino liefert Trump politische Augenwischerei, wann immer er sie braucht oder will.»
So beispielsweise im Rahmen der Klubweltmeisterschaft 2025 in den USA, als die Fifa Spieler des italienischen Rekordmeisters Juventus Turin hinter Trump positionierte, während er eine Pressekonferenz über den Iran-Krieg, Einwanderung und Transgender-Athleten hielt. Trump versuchte dabei gemäss Boykoff die Spieler für seine politischen Ziele zu instrumentalisieren.
Dass sportliche Grossereignisse Aufmerksamkeit auf sich ziehen, liegt in der Natur der Sache. Dass diese Ereignisse aber regelmässig genutzt werden, um das Image der austragenden Staaten zu waschen, hält Boykoff für keinen Zufall. Die jüngsten Beispiele: die WM 2018 in Russland, Katar 2022 und die Klubweltmeisterschaft 2025.
Gianni Infantino ist der grösste Förderer des Sportswashings.
Auch deshalb bezeichnet Boykoff Gianni Infantino als grössten Förderer des Sportswashings: «Kein anderer Akteur im Sportbereich hat dies so vorangetrieben wie er».
Boykoff geht davon aus, dass Szenen wie die an der Gruppenauslosung in Washington oder die der Pressekonferenz an der Klub WM auch die WM 2026 begleiten werden. Wenn es nach Trump gehe, gehe es an der WM nicht primär um Fussball, sondern um ihn selbst.