Mehr als die Hälfte der einheimischen Vögel sind in den letzten 50 Jahren aus der Bodensee-Region verschwunden. Die Dokumentation «Naturparadiese mit Zukunft – Bodensee, Rettung für die Vogelwelt» zeigt, wie Tierforscher und Umweltschützer versuchen, den Tieren ihren Lebensraum zurückzugeben.
Fliegen lernen mithilfe von Flugzeugen
Waldrappen waren seit dem 17. Jahrhundert in Mitteleuropa verschwunden. Um sie zurückzubringen, wagten Vogelkundlerinnen ein ungewöhnliches Experiment: Sie zogen 33 Jungvögel per Hand auf, damit diese sich an Menschen binden und ihnen folgen. Das ist entscheidend für das Flugtraining, durch das die Vögel ihr eigentlich natürliches Zugverhalten neu erlernen sollen. Die Forscherinnen fliegen in Ultraleichtflugzeugen voraus, während die Waldrappen hinterhergleiten.
So prägen sich die Tiere die Route über die Alpen ein, die sie ohne Anleitung nicht finden würden. Sobald sie den Weg aber einmal verinnerlicht haben, können sie ihn selbstständig zurückfliegen. Das eröffnet ihnen eine Zukunft in Mitteleuropa.
Was fehlt den Vögeln?
Ornithologe Peter Berthold richtet seine Ohren schon im Bett nach draussen. Er hört den Waldkauz um ein Uhr, den ersten Kuckuck um zwei, und wenn einmal in Jahrzehnten ein Wachtelkönig ruft, steht er senkrecht im Bett. Momente, die immer seltener werden. Die Frage: Warum verschwinden die Vögel?
In der Region gibt es viele Glashäuser, die Obst und Gemüse schützen. Gleichzeitig versiegeln sie aber die Wiesen und verdrängen Wildkräuter, Gräser und Blumen. Rund die Hälfte Baden-Württembergs ist intensiv genutzte Landwirtschaftsfläche, auf der gespritzt, gepflügt und Gülle ausgebracht wird. Damit bleibt für viele Vogelarten kaum Nahrung übrig.
Lebensräume zurückgeben
Um Lebensraum zurückzugeben, verwandelte Ornithologe Berthold eine Wiese in ein Biotop. Der grosse Weiher, der Schilfgürtel und die drei Inseln lockten seltene Arten wie Nachtigall, Drosselrohrsänger und Sumpfrohrsänger wieder an.
Ähnlich beliebt bei den Tieren sind auch Streuobstwiesen. Dort ersetzen hochstämmige Obstbäume enge Monokulturen, wobei diese den Vorteil haben, dass sie mit Maschinen einfacher zu ernten sind. Streuobstwiesen hingegen können Nahrung und Lebensraum für rund 5000 Tier- und Pflanzenarten bieten.
Ein Netzwerk für die Region
Damit die Tiere aber dauerhaft bleiben, ist gemäss Berhold ein zusammenhängendes Netz von Biotopen nötig.
In den vergangenen 15 Jahren entstanden rund um den Bodensee 36 wildtierfreundliche Biotope, die Brutplatz, Futterstelle und Heimat für zahlreiche Tierarten geworden sind. So wird dem Verschwinden der Vögel langsam entgegengewirkt.