Kane Parsons ist 17 Jahre alt als das Filmstudio A24 anklopft und den Content-Creator fragt, ob er aus seiner Horror-Webserie «Backrooms» einen Langfilm machen möchte.
Während der Pandemie bringt sich der mittlerweile 21-Jährige die Grundlagen des Filmemachens mit dem PC-Programm Blender selbst bei. Inspiriert von einem Meme-Foto erschafft Parsons auf Youtube eine Welt voller labyrinthischer Hinterzimmer, in denen hinter jeder Ecke etwas Unheimliches wartet.
Doch wer mit Parsons spricht, merkt: Der Sprung von Youtube-Eigenregie zum 10-Millionen-Dollar-Kinofilm scheint ihn nicht aus der Ruhe gebracht zu haben. Auch nicht, als seine «Backrooms» plötzlich als echte Sets vor ihm standen. «Es war surreal, in Räumen zu stehen, an denen ich so lange digital gearbeitet hatte. Aber am Filmemachen selbst hat sich wenig verändert», betont er.
Besonders spannend: «Backrooms» unterläuft viele Erwartungen, die man an einen Regisseur haben könnte, der mit Youtube gross wird. Keine hektische Tiktok-Hyperaktivität, keine verzweifelten Versuche, das Publikum in den ersten drei Sekunden zu packen. Seine Kamera bewegt sich langsam durch die gelbtapezierten Räume, während die brodelnde Filmmusik – ebenfalls von Parsons mitkomponiert – für David-Lynch-artiges Unbehagen sorgt. Ein klassischer Horrorfilm, entstanden auf höchst unklassischem Weg.
Die neue Filmschule
Auch «Obsession», der andere Horror-Überraschungshit der Stunde, erzählt eine ähnliche Geschichte. Dahinter steckt der 26-jährige Curry Barker, der ebenfalls nicht den klassischen Weg nach Hollywood nimmt.
Sein Ursprungspunkt: Tiktok, wo seine Comedy-Sketches Millionen von Klicks sammeln – beim Schritt zum ersten Langfilm ein wichtiges Puzzleteil. Die Comedy-Erfahrung habe ihm geholfen, Menschen zu studieren, erzählt Barker. Beobachtungen, die nicht nur für Humor funktionieren: «Horror und Comedy erzählen beide viel über menschliches Verhalten.»
Bei «Obsession» steht der vermeintlich nette Bear im Mittelpunkt, der sich mithilfe eines magischen Objekts den Wunsch erfüllt, seine grosse Liebe für sich zu gewinnen. Doch die Sache hat einen Haken. Denn Bear verwechselt Liebe immer mehr mit Besitzanspruch – und ignoriert dabei die Grenzen seines Gegenübers. Nur Ja heisst Ja? Nicht in Bears Welt.
Keine neue Prämisse, aber stark umgesetzt – mit vielen Filmtricks, die auch hier nicht den Social-Media-Regeln unterstellt sind, sondern aus dem klassischen Kino stammen.
Nur an einem Punkt wird Barkers Herangehensweise ausgebremst: Nach der Festivalpremiere muss eine Szene entschärft werden, um die gewünschte Altersfreigabe zu erreichen. Stören tut ihn das nicht: «Ein paar zusätzliche Momente entscheiden nicht darüber, ob ein Film funktioniert», sagt Barker.
Hollywoods Lernresistenz
Was nimmt Hollywood aus diesen beiden Erfolgsgeschichten mit? Mehr jungen Filmemachenden ein überschaubares Budget geben und ihren Ideen vertrauen? Fehlanzeige.
Viel eher beginnt nun das Wettrennen, wer auf Plattformen wie Reddit oder 4chan am schnellsten das nächste Copyright-freie Internetphänomen findet, das sich möglichst rasch zu einem Film ausbauen lässt.
Kinostart: 18.6.2026 («Backrooms») & 25.6.2026 («Obsession»)