Ikkimel im Leo-Bikini, im Lila Glitzer-Bikini, im Calvin Klein-Bikini. Was die Modelle alle gemeinsam haben: «Sie sind ein bisschen zu knapp».
Das rappt die Berlinerin in ihrem Track «Bikini Grell». Im Videoclip räkelt sie sich auf Autoreifen – im Zweiteiler natürlich – lässt sich die Brüste vermessen, tänzelt im Spiegelsaal. Ihr Genre: sogenannter Fotzenrap.
Kaum ein Instagram-Post ohne Bikini. Ikkimel macht ihren Körper zur Bühne – und sorgt damit regelmässig für Streit.
Befreiungsschlag vs. Blickfang
Die Debatte ist so alt wie das kleine Kleidungsstück selbst. Ikkimel spiele mit Sexualität, statt sich von ihr definieren zu lassen, so ihre Fans.
Ikkimel bediene genau jene Blicke, die sie kritisiert, und helfe beim Verbreiten sexistischer Stereotype, so die Gegenstimmen.
Skandal: Bauchnabel
Was 1946 als zu erotisch galt, ist heute kaum vorstellbar. Als der allererste Bikini vom französischen Showgirl Micheline Bernardini vorgeführt wurde, war der entblösste Bauchnabel der Skandal. Gewohnt war man sich lange Badeanzüge – einst sogar aus Wolle.
«Der Bauchnabel steht für die Gebärfähigkeit der Frau», so Kulturwissenschaftlerin Elisabeth Bronfen. Das damalige Credo: keusche Bedecktheit.
Vom Verbot zur Ikone
Zu dieser Zeit erholten sich die Nationen von den Folgen des Zweiten Weltkriegs. Kurz zuvor verwüstete eine Atombombe Hiroshima und Nagaski. Weitere Atombombentests der US-Amerikaner folgten. Schauplatz: Das Bikini-Atoll im Pazifik. Inszeniert als fortschrittliches Medienspektakel. Der Name Bikini ist nun überall zu lesen.
Das nutzte der Erfinder Louis Réard. Er benannte seinen Entwurf so und liess ihn mit Zeitungsschlagzeilen bedrucken. Er erhoffte sich Furore, erntete zuerst aber Entsetzen und Boykott. In Italien, Spanien und Portugal wurde der Bikini gar verboten.
Klein im Format, gross im Effekt
Heute gilt der weltweit kleinste Zweiteiler als Zäsur in der Modegeschichte. Im Zuge der 68er-Bewegung kam der Bikini im Mainstream an. Wie der Minirock wurde der Bikini zum Dresscode des Aufbruchs.
Gleichzeitig galten Frauen wie Marilyn Monroe oder Ursula Andress, die den Bikini prominent trugen, «als Sexbomben» – angelehnt an die Atombombe.
Bikini im Laufe der Zeit
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Bild 1 von 5. Schon die Römerinnen kannten den Zweiteiler. Ob Sportkleidung oder Unterwäsche? Die Forschung rätselt bis heute. Bildquelle: WikiCommon.
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Bild 2 von 5. Noch um 1900 gingen Frauen in langen, schweren Kleidern schwimmen. Hier 1920 in Zürich hielt die Stadtverwaltung fest, dass Frauen die Schwimmbäder nur in Badekostümen besuchen dürfen. Bildquelle: Bildarchiv Zürcher Bäder.
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Bild 3 von 5. Sie war eine derjenigen, die den Bikini beliebt machten: Brigitte Bardot posierte 1953 am Filmfestival in Cannes für die Werbetour ihres Films «Marina, the Girl in the Bikini». Bildquelle: Getty Images / Mirrorpix.
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Bild 4 von 5. Selbstbewusst, sportlich, ikonisch: Ursula Andress prägte als erstes Bond-Girl ein neues Frauenbild. Ihr weisser Bikini gilt als der berühmteste der Filmgeschichte. Bildquelle: IMAGO / Cinema Publishers Collection.
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Bild 5 von 5. «Geh' ins Gymmie, werde skinny» und bin dann «pretty im Bikini» rappt Shirin David 2025 in ihrem Hit «Bauch, Beine, Po». Sie steht für weibliche Selbstermächtigung – aber wird auch kritisiert: Reproduziert sie sexistische Vorurteile? Bildquelle: Instagram / Shirin David.
Kaum eine Garderobe steht so stark für die Sexualisierung der Frau wie der Bikini. Für Frauen bedeutete der Bikini immer beides: Freiheit und Fremdblick, so Bronfen: «Er lässt die Frau selbstermächtigt ihren Körper zur Schau stellen, ihn geniessen. Gleichzeitig macht er sie zum Objekt, das Blicke auf sich zieht», erklärt die Kulturwissenschaftlerin.
Zwischen Selbstbestimmung und Schaulust
Während Bernardini 1946 den Bikini auf einer Misswahl präsentierte, gibt es heute eine andere Bühne für ihn: die sozialen Medien. Instagram, Tiktok und Co. kennen viele Körper – sichtbar sind meist die gleichen: straffe, junge «Bikini-Bodies» am Poolrand.
Der Bikini schafft «furchtbare neue Zwänge», so Bronfen. Das Körpergefühl? Futsch. Eine Umfrage von 2025 zeigte, dass sich jede dritte Frau hierzulande im Bikini unwohl fühlt. «Einige Hersteller setzen wieder auf lange Badeanzüge bis zu den Knien. Für manche Frauen ist das ein Gefühl von Befreiung», so Bronfen.
Für Bronfen wird am Bikini bis heute verhandelt, wie selbstbestimmt Frauen mit ihrem Körper sein können.