Tsitsi Dangarembga kam erst mit Anfang 20 mit dem Wort «Feminismus» in Berührung – obwohl sie zuvor in England studiert hatte. An der Universität von Simbabwe wurde ihr kurz nach der Unabhängigkeit 1980 von der britischen Kolonialherrschaft bewusst, wie Frauenstimmen zum Schweigen gebracht wurden und dass sie dagegen ankämpfen wollte. Sie betont aber, dass es Unterschiede zwischen afrikanischem und westlichem Feminismus gibt, insbesondere im Hinblick auf das Patriarchat.
Schwarzer Feminismus und Weisser Feminismus unterscheiden sich hauptsächlich in ihrem Fokus und den Erfahrungen. Während der Feminismus allgemein die Gleichstellung der Geschlechter anstrebt, konzentriert sich der Schwarze Feminismus auf die spezifischen Diskriminierungen, denen Schwarze Frauen aufgrund ihrer Hautfarbe, ihres Geschlechts und oft auch ihrer sozialen Klasse ausgesetzt sind, der sogenannten Intersektionalität.
«Armut wurde künstlich hergestellt»
Schwarze Feministinnen haben schon früh kritisiert, dass der weisse Feminismus die Belange Schwarzer Frauen oft ausklammert und sich primär auf die Erfahrungen weisser Frauen der Mittelschicht konzentriert. In «Schwarz und Frau» schreibt Dangarembga: «Weisse wissen nicht, was sie zu Weissen macht, weil die Welt durch normative weisse Macht erschaffen wird.»
Im Bereich des Rassismus kritisiert Dangarembga den Kolonialismus als ein System, das Armut künstlich erzeugte, um Menschen zu unterjochen. Sie stellt klar: «Simbabwe war kein armes Land. Die Armut wurde künstlich hergestellt. Armut ist eine Waffe.»
Ein grosser Schock
Vor der Kolonialisierung waren die Menschen in Simbabwe autark und gesund. Erst die Kolonialmächte schufen Narrative, die die Kolonisierten als minderwertig darstellten, um ihre Ausbeutung zu rechtfertigen.
Dangarembga erlebte den systematischen Rassismus nach ihrer Rückkehr 1965 von Grossbritannien nach Rhodesien im Alter von sechs Jahren als grossen Schock. Die dortige Rassentrennung beschreibt sie als eine Art «Apartheid light».
Allerdings sieht sie die Unabhängigkeit als System der Ausbeutung Afrikas fortbestehen, wenn auch in gewandelter Form. Sie spricht von «Metakolonialisierung». Das eigentliche System der Ausbeutung Afrikas zum Vorteil anderer Teile der Welt, das durch die Kolonialisierung aufgebaut wurde, bestehe nach wie vor.
Wohlergehen aller Menschen im Mittelpunkt
Dangarembga plädiert deshalb für eine Neubetrachtung und Weiterentwicklung der Ubuntu-Philosophie für die Zukunft Afrikas: Für sie geht es mit «Ubuntu 2.0» um die Schaffung von «Wohlsein», einem Konzept, das tief in der Ubuntu-Philosophie verwurzelt ist und das gemeinsame Wohlergehen aller Menschen in den Mittelpunkt stellt.
«Nichts, was ich tue, sollte dazu führen, dass das Wohlsein einer anderen Person beeinträchtigt wird. Ich bin, weil wir sind.» Und Dangarembga weiter: «Wenn der Einzelne auf die schiefe Bahn gerät, dann trägt auch die Gesellschaft eine Mitschuld. Und wenn die Gesellschaft nicht funktioniert, dann müssen die Einzelnen einen Weg finden, die Gesellschaft wieder auf Kurs zu bringen.»