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Afrikanische Visionärin Diese «Schwarze Feministin» will die Gesellschaft wachrütteln

Tsitsi Dangarembga war die erste schwarze Frau in Simbabwe, die Romane veröffentlicht und Filme gedreht hat. Heute zählt sie zu den einflussreichsten Stimmen Afrikas. Ihre gesellschaftskritischen Bücher und Filme kreisen um die Themen Hautfarbe, Klasse und Geschlecht.

Tsitsi Dangarembga kam erst mit Anfang 20 mit dem Wort «Feminismus» in Berührung – obwohl sie zuvor in England studiert hatte. An der Universität von Simbabwe wurde ihr kurz nach der Unabhängigkeit 1980 von der britischen Kolonialherrschaft bewusst, wie Frauenstimmen zum Schweigen gebracht wurden und dass sie dagegen ankämpfen wollte. Sie betont aber, dass es Unterschiede zwischen afrikanischem und westlichem Feminismus gibt, insbesondere im Hinblick auf das Patriarchat.

Tsitsi Dangarembga

Simbabwische Autorin und Filmemacherin

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Tsitsi Dangarembga (1959) ist Schriftstellerin, Dramatikerin und Filmemacherin. Sie zählt zu den wichtigsten Stimmen des afrikanischen Kontinents. Ihre Arbeit wurde u.a. 2021 mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels, dem PEN Pinter Prize und dem PEN International Award for Freedom of Expression ausgezeichnet. Ihr Debütroman «Aufbrechen» wurde von der BBC in die Liste der 100 wichtigsten Bücher, die die Welt geprägt haben, aufgenommen.

Seit 2000 lebt Dangarembga mit ihrem deutschen Mann, dem Filmeditor Olaf Koschke, und den drei gemeinsamen Kindern überwiegend in Simbabwe. 2020 wurde Dangarembga verhaftet, weil sie bei einem friedlichen Protest gegen Korruption und wirtschaftliche Probleme demonstrierte. Die Behörden warfen ihr vor, sie habe zur «öffentlichen Gewalt angestiftet». 2022 wurde sie schuldig gesprochen, 2023 wurde das Urteil wieder aufgehoben.

Foto: Keystone/EPA/Aaron Ufumeli

Schwarzer Feminismus und Weisser Feminismus unterscheiden sich hauptsächlich in ihrem Fokus und den Erfahrungen. Während der Feminismus allgemein die Gleichstellung der Geschlechter anstrebt, konzentriert sich der Schwarze Feminismus auf die spezifischen Diskriminierungen, denen Schwarze Frauen aufgrund ihrer Hautfarbe, ihres Geschlechts und oft auch ihrer sozialen Klasse ausgesetzt sind, der sogenannten Intersektionalität.

«Armut wurde künstlich hergestellt»

Schwarze Feministinnen haben schon früh kritisiert, dass der weisse Feminismus die Belange Schwarzer Frauen oft ausklammert und sich primär auf die Erfahrungen weisser Frauen der Mittelschicht konzentriert. In «Schwarz und Frau» schreibt Dangarembga: «Weisse wissen nicht, was sie zu Weissen macht, weil die Welt durch normative weisse Macht erschaffen wird.»

Kapitalismus zerstört Status der «Patriarchin»

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Während es auch in afrikanischen Kulturen patriarchalische Strukturen gab, basierten diese jedoch nicht auf Privateigentum, sagt Tsitsi Dangarembga. Die Vorstellung, dass eine Person der Besitz eines Menschen sein könnte, sei «absolut unverständlich» gewesen.

In bantusprachigen Gesellschaften hatten ältere Frauen einen besonderen Status als «Patriarchin» und konnten Land besitzen, das sie sogar an ihre Töchter vererben konnten. Der Kapitalismus habe diese traditionelle Struktur jedoch zerstört. Er habe eine Form des Patriarchats eingeführt, die auf Eigentum basiert und zum Beispiel die Ehefrau als Besitz ansähe.

Im Bereich des Rassismus kritisiert Dangarembga den Kolonialismus als ein System, das Armut künstlich erzeugte, um Menschen zu unterjochen. Sie stellt klar: «Simbabwe war kein armes Land. Die Armut wurde künstlich hergestellt. Armut ist eine Waffe.»

Ein grosser Schock

Vor der Kolonialisierung waren die Menschen in Simbabwe autark und gesund. Erst die Kolonialmächte schufen Narrative, die die Kolonisierten als minderwertig darstellten, um ihre Ausbeutung zu rechtfertigen.

Dangarembga erlebte den systematischen Rassismus nach ihrer Rückkehr 1965 von Grossbritannien nach Rhodesien im Alter von sechs Jahren als grossen Schock. Die dortige Rassentrennung beschreibt sie als eine Art «Apartheid light».

Allerdings sieht sie die Unabhängigkeit als System der Ausbeutung Afrikas fortbestehen, wenn auch in gewandelter Form. Sie spricht von «Metakolonialisierung». Das eigentliche System der Ausbeutung Afrikas zum Vorteil anderer Teile der Welt, das durch die Kolonialisierung aufgebaut wurde, bestehe nach wie vor.

Wohlergehen aller Menschen im Mittelpunkt

Dangarembga plädiert deshalb für eine Neubetrachtung und Weiterentwicklung der Ubuntu-Philosophie für die Zukunft Afrikas: Für sie geht es mit «Ubuntu 2.0» um die Schaffung von «Wohlsein», einem Konzept, das tief in der Ubuntu-Philosophie verwurzelt ist und das gemeinsame Wohlergehen aller Menschen in den Mittelpunkt stellt.

«Nichts, was ich tue, sollte dazu führen, dass das Wohlsein einer anderen Person beeinträchtigt wird. Ich bin, weil wir sind.» Und Dangarembga weiter: «Wenn der Einzelne auf die schiefe Bahn gerät, dann trägt auch die Gesellschaft eine Mitschuld. Und wenn die Gesellschaft nicht funktioniert, dann müssen die Einzelnen einen Weg finden, die Gesellschaft wieder auf Kurs zu bringen.»

Buchhinweise

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Bücher von Tsitsi Dangarembga, die auf deutsch erschienen sind:

«Aufbrechen». Verlag Orlanda, 2019.

«Verleugnen». Fischer Verlag, 2023.

«Überleben». Fischer Verlag 2025.

«Schwarz und Frau – Gedanken zur postkolonialen Gesellschaft». Verlag Quadriga, 2023.

SRF 1, Sternstunde Philosophie, 21.6.2026, 11:00 Uhr

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