In der Beiz, im Büro, im ÖV – es surrt überall. Der Handventilator ist aktuell das angesagteste Gadget überhaupt. Kein Wunder: In seiner schmucken E-Zigaretten-Ästhetik hält er locker mit dem Design der Glimmstängel mit und bläst auch Luft umher. Und ohnehin: Wer will bei diesen Temperaturen noch rauchen? Es glüht doch eh schon alles. Her also mit dem «Coolmaxxing», dem Maximum an Style und Komfort bei extremer Hitze.
Binnen kürzester Zeit ist der elektrobetriebene Handventilator zur Klimaanlage des kleinen Mannes aufgestiegen. Die Welt ist einfach noch nicht an die neuen Klimaverhältnisse angepasst, und die Installation eines Air-Conditionings teuer und langwierig. Da sind die paar Franken Instant-Abkühlung ein cleveres Investment. Und auch im voll klimatisierten Zug imitiert nichts den Fahrtwind besser als diese übermotorisierten Miniventilatoren. Wie, ausser mit viel Power, will man auch sonst gegen die Klimakrise ankommen?
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Bild 1 von 3. Schon immer ein Vorreiter: Bei Bill Kaulitz harmoniert der Handventilator mit der Gucci-Tasche. Bildquelle: Imago / Sven Simon.
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Bild 2 von 3. In der Hitze von Wimbledon trumpften die Handventilatoren gross auf. Bildquelle: Imago / Hasenkopf.
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Bild 3 von 3. Statt über die Klimakrise zu jammern, muss man bloss wissen, wie man mit ihr umgeht. Bildquelle: Imago / Wolfgang Maria Weber.
Dumm nur: Der «Soundtrack» dieser Klima-Individuallösung ist stets für alle hörbar. Zu laut im vollen Zug: cringe! Und im Theater: unerhört! Für andere hingegen ist der Handventilator perfekt zum Flexen. Am besten laut wie ein Laubbläser und mit eingebauten Features wie Wasserspritzfunktion, Nebelkanone oder Staubsauger. Die gibt's alle tatsächlich.
Fächer vs. Fortschritt
Der Fächer, mit dem eher klassischen Stil einer Zigarette statt der Taschenlampen-Optik eines Vapes, wäre hier die deutlich elegantere Lösung. Einen gehobenen sozialen Status lieferte der Fächer gleich mit, von China bis Versailles. Und er diente auch zur Anbandlung zwischen zwei Personen, eine Art Versteckspiel.
Der Fächer hat auch noch treue Fans: Der französische Journalist Thomas Clerc beschreibt ihn in «Le Monde» als «ein Meisterwerk des Handwerks und menschlicher Erfindungsgabe – er verbindet Körper und Geist, Geheimnis und Enthüllung, in einer Geste, die zugleich nützlich und poetisch ist». Der Handventilator sei hingegen «das idiotischste Objekt der Gegenwart», ein Produkt einer «post-humanen Vorstellungskraft», ein modischer Albtraum aus Plastik mit einem «leicht phallischen Griff». Doch alles hat eben seine Zeit.
E-Bike, E-Zigarette, E-Fächer – hier sind wir nun. Convenience ist King. Besonders Findige dürften auch schon die neueste Errungenschaft entdeckt haben: den Nackenventilator. An alle anderen: Nein, das ist kein futuristischer Kopfhörer. Auch nicht die Star-Trek-Brille von Geordi La Forge, die man heute verkehrt herumträgt. Es ist eine neue Form der Coolness.
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Bild 1 von 3. Ein unbeschreibliches Gefühl: Kanadas Premierminister Mark Carney legt einen Nackenventilator um – allerdings verkehrt herum. Das Gadget ist auch noch neu. Bildquelle: Keystone / Justin Tang / The Canadian Press via AP.
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Bild 2 von 3. Nein, auch das ist kein Kopfhörer. Bildquelle: Getty Images / Steven Paston – PA Images.
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Bild 3 von 3. Als Brille hat sich das Modell von Star Treks Geordi La Forge (LeVar Burton) nie durchgesetzt. Doch als Nackenventilator wäre das Design genau richtig. Bildquelle: Imago / Everett Collection.
Vorsicht: Feuer!
Geladen werden all die Geräte per USB-C – natürlich. Es ist jedoch ironisch, sofern man nicht seine eigene Energie auf dem Dach erzeugt, dass der dafür benötigte Strom aus demselben Netz stammt, das zu jenen Emissionen beiträgt, derentwegen es überhaupt so heiss ist. Generell haben die Geräte ein handfestes Nachhaltigkeitsproblem. Laut «Guardian» werden allein die Briten dieses Jahr 8 Millionen von ihnen kaufen – von denen die Hälfte innert eines Jahrs im Müll landet.
Das Cambridgeshire County Council warnt seine Schulen indes, dass die verwendeten Lithium-Ionen-Batterien bei grosser Hitze Feuer fangen könnten. Ein Gerät gegen die Hitze, das bei Hitze explodiert.
Wie so vielen Dingen, die Spass machen, soll den Handventilatoren nun womöglich ein Riegel vorgeschoben werden. Unabsichtlich dürfte dies ihr Ritterschlag gewesen sein.