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Nach Bischofsweihe in Ecône VS Piusbrüdern droht der Ausschluss aus der katholischen Kirche

Piusbrüder vs. Papst Leo XIV.: Der Streit eskaliert – denn im Wallis haben die Traditionalisten eigene Bischöfe geweiht.

Worum geht es im Streit zwischen der Piusbruderschaft und dem Papst? Die Piusbrüder sind eine Priestervereinigung katholischer Traditionalisten. Sie betrachten sich als Bestandteil der römisch-katholischen Kirche, lehnen aber viele ihrer Lehren und Reformen aus dem Zweiten Vatikanischen Konzil ab. Die Zerrüttung mit dem Vatikan beruht auf einem fundamentalen Bruch mit der Moderne und der päpstlichen Autorität, der bereits in den 1960er- und 1970er-Jahren begann.

Was ist jetzt im Unterwallis passiert? Am Mittwoch ist der Streit innerhalb der römisch-katholischen Kirche auf einen Höhepunkt zugelaufen: In Ecône im Wallis haben die Piusbrüder vor Tausenden von Gläubigen Bischöfe geweiht: einen Schweizer, einen US-Amerikaner und zwei Franzosen – und das gegen den expliziten Willen des Papstes. Nach Auffassung des Vatikans begeben sich die Puisbrüder in eine schismatische Situation – den Bruch mit Rom. Die Priesterbruderschaft begründete ihr Vorgehen mit dem Bedarf an Seelsorgern für das «Überleben der Tradition». Vor den Weihen verfügte die Gemeinschaft nur noch über zwei Bischöfe.

Mehrere Personen in weissen und goldenen Gewändern stehen nebeneinander.
Legende: Die vier Priester wurden am 1. Juli 2026 in Ecône im Rahmen einer von der Priesterbruderschaft veranstalteten Pontifikalmesse zum Bischof geweiht. KEYSTONE/Cyril Zingaro

Was sind mögliche Folgen? In der römisch-katholischen Kirche ist es nicht möglich, und sogar verboten, ohne Erlaubnis des Vatikans jemanden zu einem Bischof zu weihen, erläutert SRF-Religionsredaktor Norbert Bischofberger. Im Vorfeld hatte Papst Leo XIV. gewarnt: «Kehrt um!» Was die Puisbrüder planten, sei eine Sünde von äusserster Schwere. Es drohe die Exkommunikation, der Rauswurf aus der Kirche. Mit der Weihe haben sich die beteiligten Priester und Bischöfe selber automatisch exkommuniziert, so hält es das Kirchenrecht fest, so Bischofberger weiter. «In der römisch-katholischen Kirche ist es klar geregelt: Die beiden bisherigen Bischöfe der Piusbruderschaft und die vier neuen Bischöfe sind laut Kirchenrecht als Beteiligte direkt exkommuniziert.»

Was genau ist die Piusbruderschaft? Bei der Priesterbruderschaft St. Pius X. handelt es sich um eine konservative und traditionalistische Gemeinschaft mit Zentrum in der Schweiz. Die Vereinigung erkennt die Öffnung der römisch-katholischen Kirche seit den 1960er-Jahren nicht an. Sie lehnt den Dialog mit anderen christlichen Kirchen oder Weltreligionen oder die Religionsfreiheit ab und hält an der lateinischen Messe fest. Aus der Sicht der Piusbrüder ist der Glaube gefährdet, die Bruderschaft möchte zum «ursprünglichen Glauben» zurückkehren. Die Vereinigung hat ungefähr eine halbe Million Anhänger, um die 720 Priester und 250 Ordensfrauen. Im Vergleich zu den etwa 1.4 Milliarden Katholiken weltweit ist es eine kleine, überschaubare Gemeinschaft.

Grosse Menschenmenge bei einer Veranstaltung in einem Tal mit Zelten und Bergen im Hintergrund.
Legende: Bischofsweihe in Ecône: An der Zeremonie am 1. Juni nahmen nach Angaben der Puisbruderschaft rund 15'000 Gläubige teil. KEYSTONE/Cyril Zingaro

Ist eine Einigung möglich? Die Wogen gesichtswahrend zu glätten, erscheint schwierig. Denn Papst Leo XIV. bezeichnet die Öffnung der Kirche mit dem Zweiten Vatikanische Konzil als Leitstern. Darunter fallen etwa das Gespräch mit anderen Kirchen oder Weltreligionen, die Glaubensfreiheit oder das Feiern der Messe in der jeweiligen Landessprache. Hinter diese Reformen möchte der Papst nicht zurück – und genau diese Neuerungen lehnt die Piusbruderschaft ab. Es wird daher schwierig für Papst Leo XIV., eine Einigung zu erzielen. «Ich rechne damit, dass diese Gemeinschaft eher am Rand oder ausserhalb der römisch-katholischen Kirche weiter bestehen wird», resümiert Norbert Bischofberger.

Radio SRF 1, Rendez-vous, 1.7.2026, 12:30 Uhr. ; 

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