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Bischof im Zwielicht: Vitus Huonder und die Piusbrüder
Aus Rundschau vom 10.04.2019.
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Huonder und die Piusbrüder Vatikan widerspricht Bistum Chur

Der Churer Bischof Vitus Huonder will sich in ein Internat der Piusbrüder zurückziehen. Er habe einen Auftrag, den Kontakt mit der Piusbruderschaft zu pflegen. Der Vatikan widerspricht.

Ein katholischer Bischof bei den abtrünnigen Piusbrüdern? Vitus Huonders Ankündigung, als Pensionär ins Knaben-Internat «Sancta Maria» der Piusbrüder nach Wangs (SG) zu ziehen, sorgt für Diskussionen.

Sein Sprecher Giuseppe Gracia erklärte im Januar, dieser Schritt stehe im Zusammenhang mit einem Auftrag der Glaubenskongregation in Rom. Bischof Huonder solle den Kontakt mit der Piusbruderschaft aufrechterhalten.

Generalvikar Martin Grichting hatte ebenfalls im Januar per Rundschreiben mitgeteilt: Die Glaubenskongregation habe Huonders Auftrag 2016 bestätigt. Der Auftrag sei «nicht an das Amt des Diözesanbischofs gebunden» und sei «zeitlich nicht beschränkt».

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Jesuiten-Provinzial Rutishauser: «Es steht Aussage gegen Aussage, ich vertraue dem Vatikan»
Aus News-Clip vom 09.04.2019.
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Vatikan: «Kein offizieller Auftrag»

Nun widerspricht der Vatikan. Auf Anfrage der «Rundschau» teilt Rom mit: «Der Pressestelle ​​des Heiligen Stuhls ist kein offizieller Auftrag der Glaubenskongregation an Bischof Vitus Huonder bekannt, um den Kontakt mit der Priesterbruderschaft St. Pius X. zu halten.» Die Stellungnahme des Vatikans will das Bistum Chur nicht kommentieren.

«Jetzt steht Aussage gegen Aussage», sagt der Schweizer Jesuit Christian Rutishauser. «Die Quelle, der ich letztlich vertraue, ist der Vatikan.» Der Leiter der Schweizer Jesuiten vermutet: Huonder habe wohl versucht, mit Verweis auf Rom seinen Umzug zu den Piusbrüdern zu legitimieren.

Vorwurf: Fundamentalismus und Antijudaismus

Das Internat in Wangs befindet sich im Bistum St. Gallen. Dessen Kanzler Claudius Luterbacher findet das Dementi des Vatikans «nicht ganz erstaunlich». «Das Bistum St. Gallen ist nie darüber informiert worden, dass aktuell so ein Auftrag bestehen würde.»

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Kanzler Claudius Luterbacher: «Bistum St.Gallen weiss nichts von einem solchen Auftrag»
Aus News-Clip vom 09.04.2019.
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Problematisch ist Huonders Schritt für Luterbacher auch, weil er damit die Piusbruderschaft unterstützen könnte.

Laut Christian Rutishauser stehen die Piusbrüder für «Fundamentalismus» und «Revisionismus». «Sie versuchen, das Rad der Geschichte zurückzudrehen», sagt Rutishauser. Er findet: «Die Piusbruderschaft ist eindeutig antijudaistisch. Sie sehen die Juden als Gottesmörder. Ihre Liturgie hat ein sehr negatives Judenbild.»

Auch der Rabbiner von St. Gallen, Tovia Ben-Chorin, kritisiert Huonders Umzug. Dieser beschädige «den Dialog zwischen Juden und Christen». Dies stimme ihn «traurig».

Huonders Umzug verzögert sich

Pfarrer Ugo Rossi, Dekan der Innerschwyz, verteidigt hingegen Huonders Schritt: «Es ist kein Geheimnis, dass er die alte Liturgie liebt.» Als Pensionär sei Huonder «ein freier Mensch, der das entscheiden kann. Das sollte man ihm auch erlauben, ohne dass man ein Riesending daraus macht.» Der Umzug sei eine «Möglichkeit zum Dialog» mit den Piusbrüdern.

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Dekan Ugo Rossi: «Huonder ist doch ein freier Mensch»
Aus News-Clip vom 09.04.2019.
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Laut Recherchen der «Rundschau» verzögert sich Huonders Umzug. Seine Ankunft in Wangs werde «auf einen späteren Zeitpunkt verschoben, der noch unbestimmt ist», teilte das Generalhaus der Piusbrüder in Menzingen (ZG) mit. Den Grund nannte es nicht.

Das Bistum Chur und die Piusbrüder waren gegenüber SRF trotz mehrmaliger Anfragen zu keiner Stellungnahme bereit.

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21 Kommentare

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  • Kommentar von Roland Gadient  (Roland Gadient)
    Der Vatikan interessiert mich nicht, ist in der heutigen Zeit die Brutstätte des Bösen und der Menschenverachtung, aber wegen dem komme nicht auf die Idee aus der Kirche auszutreten. Nicht der Vatikan ist für mich die Kirche, sonder wir Gläubige, die Kirche schaue ich nach dem Prinzip an, sie wird viele Stürme erleben, aber sie auch überleben.
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  • Kommentar von Roland Gadient  (Roland Gadient)
    Was soll nun wieder dieses ganze Theater, es doch egal wo Hr. Huonder seinen Lebensabend verbringt, oder will man ihm das auch noch diktieren. Diese Sendungen vom Mittwochabend waren so zwei richtige Luftsendendungen grosses Tam, Tam und nichts kam raus. Was die Sache mit der Pressestelle des Vatikans anbetrifft, kann ich mir gut vorstellen, das die nichts wussten, denn beim Vatikan geht nicht alles an die Presse. Das Gespräche zwischen der Piusbruderschaft stattfindet, weiss man seit Jahren.
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  • Kommentar von Bruno Bär  (Wahrheitssucher)
    Schlimm, wenn Bischof Huonder sich einer Lüge bedient. Wie soll das Volk das Gebot "Du sollst nicht lügen" einhalten, wenn es Bischöfe nicht tun?
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    1. Antwort von James Klausner  (Harder11)
      Gebote und Verbote der Bibel gelten nur für Laien, sind Instrumente der Machtausübung. Für Sitte und Moral hält man sich besser an die Gesetzte des Rechtsstaates. Wertvolle Einsichten zur Ethik sucht man besser ausserhalb dieser Kirche, z.B. bei Seneca, Epiktet, Marcus Aurelius oder einer humanistischen Philosophenschule Ihrer Wahl.
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