- Die Schweiz hat erstmals 18 Benin-Bronzen offiziell an Nigeria zurückgegeben – als Zeichen der Aufarbeitung kolonialer Vergangenheit.
- Die Rückgabe kam im Rahmen der Benin-Initiative Schweiz zustande.
- Beide Länder vertiefen zukünftig ihre Zusammenarbeit in Form diverser Kulturprojekte.
Die Schweiz pflegt bereits seit geraumer Zeit Beziehungen zu Nigeria: im Bereich Gesundheit, in der Migration oder wirtschaftlich. Doch zum ersten Mal überhaupt war mit Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider eine Vorsteherin des Eidgenössischen Departements des Inneren (EDI) und damit eine Kulturministerin in dem afrikanischen Land zu Besuch – verbunden mit der offiziellen Rückgabe von 18 Benin-Bronzen.
Die Rückgabe, das wurde in den offiziellen Reden deutlich, soll auch dazu beitragen, Traumata zu heilen, die durch den Kolonialismus entstanden sind. Denn im nigerianischen Selbstverständnis beginnt die Geschichte der Völker Nigerias nicht «gestern». «We come from ancient hands» (dt. etwa: Wir kommen aus uralter Zeit), heisst es beispielsweise auf einer Inschrift im nigerianischen Nationalmuseum in Lagos. Dieser Institution wurden die Kulturgüter zurückgegeben.
Doch auch für die Schweiz ist diese Rückgabe von Bedeutung. Sie erfolgt auf Initiative von hiesigen Museen. Acht von ihnen hatten sich 2021 zur Benin-Initiative Schweiz zusammengeschlossen. Zusammen mit Partnerinnen und Partnern aus Nigeria haben sie im Rahmen dieses Projekts die Herkunft der sogenannten Benin-Bronzen in den Beständen der Museen untersucht.
Diese Forschungen haben die problematische Herkunft eben dieser nun zurückgegebenen 18 Objekte ergeben, die sich im Völkerkundemuseum der Universität Zürich, im Museum Rietberg in Zürich und im Musée d'ethnographie in Genf befunden haben. Neun weitere, ebenfalls von problematischer Herkunft, dürfen in Absprache als Leihgaben in der Schweiz bleiben.
Ein Text pro Kulturobjekt
Aus den Kontakten, die durch die gemeinsamen Forschungen entstanden sind, sollen weitere Projekte entstehen. So beispielsweise «Writing Poets»: ein Mentoring-Programm für 13 nigerianische Autorinnen und Autoren. Die Schreibenden haben für jedes zurückgegebene Kulturobjekt einen Text geschrieben. Am nächsten Literaturfestival «Zürich liest» sollen diese Texte gesammelt in einem Buch vorgestellt werden, wie Alice Hertzog, Direktorin des Völkerkundemuseums Zürich, zu Keystone-SDA sagte: «Jedes Objekt erhält damit eine eigene Begrüssung.»
Darüber hinaus haben Bundesrätin Baume-Schneider und Nigerias Kulturministerin Hannatu Musa Musawa in der nigerianischen Hafenstadt Lagos ein bilaterales Abkommen gegen den illegalen Handel mit Kulturgütern unterzeichnet. Für die Schweiz ist dieses das zweite mit einem Subsahara-Staat, nach der Elfenbeinküste im letzten Jahr. Zusätzlich übergab der Bund ein Bronzearmband und vier archäologische Monolithen aus dem nigerianischen Nigerdelta, die im Rahmen von Strafverfahren in den Kantonen Genf und Tessin eingezogen und an den Bund übergeben worden waren.