Wer sich für moderne und zeitgenössische Kunst interessiert, pilgert dieser Tage womöglich zur Art Basel. Jener seit Jahrzehnten wichtigsten internationalen Kunstmesse, die aktuell wieder stattfindet. Art-Basel-Direktorin Maike Cruse gibt einen Einblick in die Messe, deren internationale Expansion und was eine gute Art Basel für sie ausmacht.
SRF: Wir leben in volatilen Zeiten. Kein Stein bleibt auf dem anderen. Wird das auch in der Kunst an der Art Basel sichtbar?
Maike Cruse: Ja, Kunst ist immer ein Spiegel unserer Zeit. Viele Künstlerinnen und Künstler beschäftigen sich natürlich mit politischen Themen und auch sozialen Themen. Ich denke da zum Beispiel an die Arbeit von Chris Burden mit LAPD-Uniformen, die die Unlimited-Ausstellung eröffnet. Das sind so leicht vergrösserte Polizeiuniformen aus Los Angeles. Die hat er in den 90er-Jahren gemacht, als Antwort auf Polizeigewalt nach rassistischen Übergriffen. Diese Arbeit ist natürlich sehr aktuell, obwohl sie schon 30 Jahre alt ist.
Die Art Basel expandiert seit Jahren, zuletzt nach Katar. Es gab nicht nur positive Reaktionen, sondern auch Sorgen und Ängste von hiesigen Galeristen, der Politik und der Tourismusbranche. Bleibt die Art Basel längerfristig in Basel?
Ja, die Art Basel in Basel ist unsere Muttermesse, unsere zentralste Messe. Das ist unser Zuhause. Hier kommen wir her, und von hier aus führen wir den Namen Basel und die Stadt Basel in die Welt hinaus. Die weiteren Messen vergrössern natürlich unser Netzwerk und bestätigen auch unsere Marktführerschaft. Ich kann sicher bestätigen, dass wir auf jeden Fall in Basel bleiben.
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Bild 1 von 12. Gross, grösser, «Unlimited»: Vom 18. bis zum 21. Juni zeigt die Ausstellung der Art Basel wieder Kunstwerke im Extraformat – wie das monumentale «Panorama» von Eva Jospin: Eine fantasievolle Naturlandschaft aus Pappe schickt Betrachtende in einen Wald voller Bäume. Bildquelle: Art Basel.
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Bild 2 von 12. Isa Genzken macht aus einem Symbol für Sicherheit ein Objekt der Gefahr. Ihr «Window» ist ein echtes Flugzeugfenster, doch ohne den schützenden Rumpf wirkt es plötzlich isoliert und fragil. Bildquelle: Art Basel.
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Bild 3 von 12. Ed RuschasTrio aus grossen, halbkreisförmigen Leinwände «A, B, C» spiegelt die Faszination des Künstlers für Sprache und Typografie wider. Bildquelle: Art Basel.
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Bild 4 von 12. Bruchstückartig kommt Bruce Naumans kolossale Skulptur «Dead End Tunnel Folded into Four Arms with Common Walls» daher. Ist das Architektur? Bildquelle: Art Basel.
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Bild 5 von 12. Auch raumgreifende Videoprojektionen gehören zur «Unlimited 2026». Mit «Writing A Play» entführt die britische Künstlerin Helen Marten das Publikum in eine Welt zwischen Traumlandschaft und Psychodrama. Bildquelle: Art Basel.
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Bild 6 von 12. Auch Live-Performances sind dabei. Die Mixed-Media-Installation «Exhibition M: A Re-Enactment» der polnisch-britischen Künstlerin Goshka Macuga erweckt «Skulpturen» zum Leben. Bildquelle: KEYSTONE/Georgios Kefalas.
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Bild 7 von 12. Vanessa Beecroft setzt zumindest auf ein lebendiges Tableau. In «Untitled (Izanami)» verschmelzen Performance, Skulptur und Ritual. Bildquelle: Art Basel.
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Bild 8 von 12. Mit 1000 Sake-Flaschen auf Holzregalen schafft der US-Künstlers Theaster Gates ein monumentales Stillleben wie ein Altar: «A Libation in Uncertain Times». Bildquelle: Art Basel.
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Bild 9 von 12. Flauschig und meditativ: Zahrah Alghamdis Werk «Streams Move Oceans» verbindet lackierte Webstoffe zu einer weitläufigen Landschaft. Bildquelle: KEYSTONE/Georgios Kefalas.
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Bild 10 von 12. Krankenhausbettlaken als sanfte Hügel oder putzige Monster: Das Werk «Cairns» des französischen Künstlers Benoît Piérons ist unheimlich und herzig zugleich. Bildquelle: KEYSTONE/Georgios Kefalas.
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Bild 11 von 12. Intime Begegnung auf Augenhöhe: In der monumentalen «Unlimited»-Ausstellung kommt Ryan Ganders animatronische monologisierende Maus in einem Wandloch umso mehr zur Geltung. Bildquelle: Art Basel.
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Bild 12 von 12. Natürlich zieht die «Unlimited» auch Prominenz an die Art Basel. Mit dabei: Emil Steinberger vor dem Werk «Drama» des Schweizer Künstlers Tobias Spichtig – ein Raum zwischen Hotelzimmer und privatem Salon mit mehreren Gemälden. Bildquelle: KEYSTONE/Georgios Kefalas.
Die Art Basel Paris ist gleich um die Ecke – und für Sammlerinnen und Sammler durchaus attraktiv. Wie schaffen Sie es, dass Basel das auch bleibt?
Paris ist nicht unbedingt attraktiver als Basel. Wir sehen unterschiedliche Sammlergruppen, die zu den beiden Messen gehen – und sind sehr bemüht, all unsere Messen mit einer sehr regionalen Identität auszustatten.
Wirkliche Connaisseure müssen nach Basel kommen.
Die Messe in Paris ist sehr französisch geprägt und auch sehr viel kleiner als unsere Messe in Basel. Wirkliche Connaisseure, die wissen wollen, was momentan im Kunstmarkt wichtig, relevant und diskursprägend ist – die müssen nach Basel kommen.
Wann ist eine Art Basel für Sie eine gute Messe?
Zunächst natürlich, wenn die Qualität stimmt. Wir gehen immer in den Tagen vor der Eröffnung durch die Hallen und schauen: Was bringen die Galerien mit? Dieses Mal ist es wirklich wieder besonders spektakulär – die Arbeiten und die Qualität. Die Art Basel wird oft als ein «Museum auf Zeit» bezeichnet. Das ist dieses Jahr wieder der Fall, dass hier Werke sind, die sonst wirklich nur im Museum hängen. Und hier kann man sie auch noch kaufen und betrachten. Das führt natürlich auch dazu, dass die Gäste aus aller Welt kommen.
Letztendlich ist das eine kommerzielle Veranstaltung.
Das Zweitwichtigste sind die Verkäufe. Das ist das, was wir dann seit gestern Abend und auch über die nächsten Tage genau beobachten: Wie gut laufen die Verkäufe, wie läuft es auch kommerziell für Galerien? Letztendlich ist das natürlich eine kommerzielle Veranstaltung – und so soll es natürlich auch sein und bleiben. Daran bemisst sich auch langfristig der Erfolg der Art Basel.
Das Interview führte Beatrice Kern.