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Kuratorin der Art Unlimited «Ich mag Kunst, die wie ein trojanisches Pferd ist»

Einen Job mit grossem Renommee hat sie bereits: Die syrisch-amerikanische Ruba Katrib ist seit 2017 Chefkuratorin am MoMA PS1 in New York. Neu leitet sie auch die Art Unlimited in Basel. Ein Gespräch über grosse Kunst, die auch mal klein sein darf.

Ruba Katrib

Kuratorin und Leiterin der Art Unlimited

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Ruba Katrib ist Chefkuratorin und Direktorin für kuratorische Angelegenheiten am MoMA PS1 und leitet den Unlimited-Sektor an der Art Basel 2026. Von 2012 bis 2017 war sie Kuratorin am Sculpture Center in New York.

Foto: John Kim

SRF: Sie gelten als mutige Kuratorin. Mutig sein – soll das auch die Art Unlimited unter Ihrer Leitung?

Ruba Katrib: Das hoffe ich doch! An der Art Unlimited sind Dinge möglich, die anderswo nicht möglich sind. Hier kann man grosse Werke ausstellen, die man sonst selten sehen würde. Und vor allem nicht in Kombination mit anderen grossformatigen Werken. Man kann hier ihre Kraft verstärken, sie betonen.

Art Unlimited: ausgewählte Highlights

Sie betonen in Interviews die Kraft der Kunst in Krisenzeiten. Wählen Sie bewusst Werke aus, die auf das Weltgeschehen reagieren?

Ich bin in einer Familie gross geworden, in der ständig über Politik geredet wurde. Ich reise viel, bin offen für andere Kulturen. Das prägt sicher meine Sicht als Kuratorin auf Kunst.

Künstler und Künstlerinnen reagieren immer auf den Moment, ob wir es sehen oder nicht.

Ich sehe aber das Politische auch in Arbeiten, die nicht offensichtlich so wirken oder die nicht didaktisch sind. Ich fühle mich hingezogen zu Werken, die etwas Tiefgründiges aussagen, die scharfsinnig sind, die überraschen – die sind wie trojanische Pferde. Vielschichtig eben.

Künstler und Künstlerinnen reagieren immer auf den Moment, ob wir es sehen oder nicht. Ich denke, manchmal verstehen wir im Nachhinein besser, wie ein Künstler über seine Zeit nachgedacht hat.

Haben Sie Beispiele dafür in der aktuellen Ausstellung?

Zum Beispiel Chris Burdens Uniformen des Los Angeles Police Department: Das Werk «L.A.P.D. Uniforms» entstand 1993 als Reaktion auf den Freispruch der weissen Polizisten, die den Schwarzen Rodney King verprügelten. Danach gab es Proteste und Unruhen in Los Angeles. Burden schuf dieses Werk als Reaktion auf diesen gewaltsamen Moment, der auf Video festgehalten wurde – was damals noch eine Ausnahme war. Natürlich ist die Gewalt gegen Afroamerikaner weiterhin ein Problem.

Mann in Anzug filmt Polizeiuniformen, die an einer Wand hängen.
Legende: Uniformen, die an ein gewaltvolles Ereignis erinnern: «L.A.P.D. Uniforms» (1993) von Chris Burden. Keystone / Georgios Kefalas

Auch die Skulptur «Blue Obelisk with Flowers» von Niki de Saint Phalle haben wir ausgestellt. Sie entstand als Reaktion auf die weltweite Aids-Pandemie. Mit ihrer Kunst wollte de Saint Phalle ein breites Publikum erreichen. Die Bedeutung hinter der Skulptur ist nicht auf den ersten Blick ersichtlich. Das mag ich.

Farbige Skulptur in einer Galerie mit Menschen im Hintergrund.
Legende: «Blue Obelisk with Flowers» von Niki de Saint-Phalle. Keystone / Georgios Kefalas

Die Art Unlimited ist bekannt für grossformatige Kunst. Wie definieren Sie gross?

Es geht auch um Ambition, um die Grösse, die Kunst einnimmt. Ich meine damit nicht unbedingt nur die physische Grösse, sondern vielleicht auch Arbeiten, die räumlich sind, die Raum einnehmen. Kunstwerke wie zum Beispiel «I've felt everything I'm going to feel – The Unspeakable World». Es zeigt eine Maus, die viel Platz braucht. Die erst im grossen Raum ihre Wirkung entfalten kann.

Die Maus: auch eins meiner Highlights. Verraten Sie uns noch einen Liebling?

Ein Werk, das ich herausheben kann: «JPEGS: The September 11th Fotographs» von Thomas Ruff. Die Arbeit setzt sich mit den Anschlägen in New York am 11. September 2001 auseinander. Ruff war vor Ort und fotografierte die Ereignisse. Die Originalbilder gingen jedoch verloren. Deshalb rekonstruierte er sie später, indem er Bilder aus den Medien und von Amateuren aus dem Internet nutzte. Diese gefundenen JPEG-Bilder bearbeitete er digital, wodurch eine bewusst verzerrte, pixelige Ästhetik entsteht. Die Arbeiten zeigen also nicht nur das historische Ereignis selbst, sondern auch, wie sich die Bildproduktion und die Verbreitung der Bilder durch neue Technologien verändert haben.

Zwei Personen betrachten grosse gerahmte Fotos an einer Ausstellungswand.
Legende: «JPEGS: The September 11th Photographs» (2004–2007) von Thomas Ruff. Keystone / Georgios Kefalas

Das Gespräch führte Danja Nüesch.

SRF 1, Tagesschau, 18.6.2026, 19:30 Uhr

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