Einen Job mit grossem Renommee hat sie bereits: Die syrisch-amerikanische Ruba Katrib ist seit 2017 Chefkuratorin am MoMA PS1 in New York. Neu leitet sie auch die Art Unlimited in Basel. Ein Gespräch über grosse Kunst, die auch mal klein sein darf.
SRF: Sie gelten als mutige Kuratorin. Mutig sein – soll das auch die Art Unlimited unter Ihrer Leitung?
Ruba Katrib: Das hoffe ich doch! An der Art Unlimited sind Dinge möglich, die anderswo nicht möglich sind. Hier kann man grosse Werke ausstellen, die man sonst selten sehen würde. Und vor allem nicht in Kombination mit anderen grossformatigen Werken. Man kann hier ihre Kraft verstärken, sie betonen.
Art Unlimited: ausgewählte Highlights
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Bild 1 von 6. 1000 Sake-Flaschen: «A Libation in Uncertain Times» – ein Schlückchen in unsicheren Zeiten heisst das Kunstwerk des US-amerikanischen Künstlers Theaster Gaster. Bildquelle: Keystone / Georgios Kefalas.
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Bild 2 von 6. Im Käfig des Konsums? «Crate Maze White» (2025) von Rashid Al Khalifa. Bildquelle: Keystone / Georgios Kefalas.
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Bild 3 von 6. Keine Zwergenkunst: «Tree, forest, moutain» vom japanischen Künstler Yuichi Hirako. Bildquelle: Keystone / Georgios Kefalas.
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Bild 4 von 6. «Cairns» von Benoit Pieron. Ein Kunstwerk – gemacht aus Spitalbett-Laken. Bildquelle: Keystone / Georgios Kefalas.
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Bild 5 von 6. Ein Werk über die Macht der Medien: «The power of words» (1984/2021) vom chilenischen-amerikanischen Künstler Alfredo Jaar. Bildquelle: Keystone / Georgios Kefalas.
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Bild 6 von 6. Spitze Resilienz gegen Unterdrückung: «Iron Grass» (2014) von Ai Wei Wei. Bildquelle: Keystone / Georgios Kefalas.
Sie betonen in Interviews die Kraft der Kunst in Krisenzeiten. Wählen Sie bewusst Werke aus, die auf das Weltgeschehen reagieren?
Ich bin in einer Familie gross geworden, in der ständig über Politik geredet wurde. Ich reise viel, bin offen für andere Kulturen. Das prägt sicher meine Sicht als Kuratorin auf Kunst.
Künstler und Künstlerinnen reagieren immer auf den Moment, ob wir es sehen oder nicht.
Ich sehe aber das Politische auch in Arbeiten, die nicht offensichtlich so wirken oder die nicht didaktisch sind. Ich fühle mich hingezogen zu Werken, die etwas Tiefgründiges aussagen, die scharfsinnig sind, die überraschen – die sind wie trojanische Pferde. Vielschichtig eben.
Künstler und Künstlerinnen reagieren immer auf den Moment, ob wir es sehen oder nicht. Ich denke, manchmal verstehen wir im Nachhinein besser, wie ein Künstler über seine Zeit nachgedacht hat.
Haben Sie Beispiele dafür in der aktuellen Ausstellung?
Zum Beispiel Chris Burdens Uniformen des Los Angeles Police Department: Das Werk «L.A.P.D. Uniforms» entstand 1993 als Reaktion auf den Freispruch der weissen Polizisten, die den Schwarzen Rodney King verprügelten. Danach gab es Proteste und Unruhen in Los Angeles. Burden schuf dieses Werk als Reaktion auf diesen gewaltsamen Moment, der auf Video festgehalten wurde – was damals noch eine Ausnahme war. Natürlich ist die Gewalt gegen Afroamerikaner weiterhin ein Problem.
Auch die Skulptur «Blue Obelisk with Flowers» von Niki de Saint Phalle haben wir ausgestellt. Sie entstand als Reaktion auf die weltweite Aids-Pandemie. Mit ihrer Kunst wollte de Saint Phalle ein breites Publikum erreichen. Die Bedeutung hinter der Skulptur ist nicht auf den ersten Blick ersichtlich. Das mag ich.
Die Art Unlimited ist bekannt für grossformatige Kunst. Wie definieren Sie gross?
Es geht auch um Ambition, um die Grösse, die Kunst einnimmt. Ich meine damit nicht unbedingt nur die physische Grösse, sondern vielleicht auch Arbeiten, die räumlich sind, die Raum einnehmen. Kunstwerke wie zum Beispiel «I've felt everything I'm going to feel – The Unspeakable World». Es zeigt eine Maus, die viel Platz braucht. Die erst im grossen Raum ihre Wirkung entfalten kann.
Die Maus: auch eins meiner Highlights. Verraten Sie uns noch einen Liebling?
Ein Werk, das ich herausheben kann: «JPEGS: The September 11th Fotographs» von Thomas Ruff. Die Arbeit setzt sich mit den Anschlägen in New York am 11. September 2001 auseinander. Ruff war vor Ort und fotografierte die Ereignisse. Die Originalbilder gingen jedoch verloren. Deshalb rekonstruierte er sie später, indem er Bilder aus den Medien und von Amateuren aus dem Internet nutzte. Diese gefundenen JPEG-Bilder bearbeitete er digital, wodurch eine bewusst verzerrte, pixelige Ästhetik entsteht. Die Arbeiten zeigen also nicht nur das historische Ereignis selbst, sondern auch, wie sich die Bildproduktion und die Verbreitung der Bilder durch neue Technologien verändert haben.
Das Gespräch führte Danja Nüesch.