Der Schweizer Multimedia-Künstler Olaf Breuning lebt seit Jahrzehnten in den USA. Er hat sich international einen Namen gemacht mit verschmitzten Zeichnungen, Installationen und Fotos.
Jetzt kehrt er mit einer Ausstellung an seinen Geburtsort Schaffhausen zurück. Höhlenbewohner, Urmenschen und Affen spielen darin die Hauptrolle.
Hinter der Bronzeskulptur «20 mm» liegen 300 Meter Seil im Ausstellungsraum. Sie symbolisieren die 4.5 Milliarden Jahre, die die Welt ohne Menschen existierte.
Kunst ohne lange Anleitung
Olaf Breunings Kunst veranschaulicht immer wieder, dass die Welt ohne Menschen womöglich besser dran wäre. Sie tut das mit Humor und wenig Ballast. Illustrativ, schlicht und einfach.
Künstler Olaf Breuning lacht über die Beobachtung und kontert geübt, er sei vermutlich auch ein ganz einfacher Mensch. «Mir war immer wichtig, dass meine Kunst verstanden wird.» Er hasse Ausstellungen, für die erst seitenlange Erklärungen gelesen werden müssen.
Dass sie zu simpel sei, wird der Kunst des Wahlamerikaners immer wieder vorgeworfen. Das stimmt und stimmt doch nicht. Sicher ist: Geschichten zu erzählen und zu vereinfachen, das liegt dem Künstler. Und in einer neuen Videoarbeit trifft er mit dieser Strategie ins Schwarze.
Ängste ja, aber nicht vor der KI
«Simple Human» ist eine Art Musical auf dem Handybildschirm. Ein Höhlenbewohner singt pathetisch von seinen Zweifeln. Soll er etwas tun oder nicht? Und ist das, was er tut oder nicht tut, richtig oder nicht? Olaf Breuning hat für das Video mittels KI ein Video von sich selbst überarbeitet, und auch der Song entstand mithilfe von künstlicher Intelligenz.
So kommen zu den existenziellen Zweifeln des Höhlenbewohners noch einige sehr zeitgenössische dazu: Was an diesem Werk stammt von Künstler Breuning, was «gehört» der Maschine? Und gilt das, was der KI-Breuning als Höhlenbewohner da singt, auch für uns? Was gilt menschliche Individualität, wenn die Wahrscheinlichkeitsprognosen der KI übernehmen?
Spielerisch dribbelt Olaf Breuning um die grossen Fragen der Zeit. Und schafft ganz nebenbei eine zeitgenössische Form des Selbstportraits, wie es Künstler schon Jahrhunderte vor ihm taten. KI nutzt Breuning dabei als Werkzeug im künstlerischen Prozess.
Vor der Technologie habe er als Künstler keine Angst, sagt Olaf Breuning, Kunst beruhe noch immer auf physischer Präsenz. «Wenn ich mich in Ausstellungen umsehe, glaube ich nicht, dass die KI mich als Künstler arbeitslos macht.»
Viel mehr Sorgen machen ihm die ökologische Krise und die Folgen unseres gedankenlosen Umgangs mit Ressourcen. Die legt Olaf Breuning offen dar. Manchmal simpel, manchmal schnörkellos zutreffend.