Die SRF‑Kulturredaktion hat Ausstellungen und Kunst-Highlights ausgewählt, die 2026 herausstechen: vom radikalen Blick Cézannes über KI‑Experimente bis hin zu überraschenden Sammlungsfragen.
Paul Cézanne in der Fondation Beyeler
Cézanne war ein Pionier der modernen Malerei: Fast 80 Mal malte er denselben Berg. In der «Montagne Sainte-Victoire» entdeckte Paul Cézanne immer wieder etwas Neues und hielt es fest. Oder: er versuchte, es festzuhalten. Denn seinem eigenen Können gegenüber blieb der Maler skeptisch. Erst nach seinem Tod 1906 wurde er als Vaterfigur der modernen Kunst verehrt, weil er nicht die Illusion ins Zentrum seines Werks stellte, sondern die Analyse des Gesehenen in Formen, Flächen und Strukturen. (Ellinor Landmann)
Künstliche Kreativität im Aargauer Kunsthaus
Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit. Was wäre, wenn Künstliche Intelligenz (KI) die Kunst macht? Könnte das mehr Leichtigkeit, mehr Raum für Experimente bedeuten? Oder bringt das nur mehr Konformität und weniger Relevanz? Das Kunsthaus Aargau hat sich mit dem Haus der Elektronischen Künste in Basel-Münchenstein zusammengetan und geht der Frage nach, wie kreativ KI sein kann – und stellt zeitgenössische Kunst vor, die in Mensch-Maschine-Kooperationen entstanden ist. (Alice Henkes)
Carte Blanche an John Armleder im Musée d’Art et d’Histoire Genf
Venus-Statuetten in der Duschkabine oder ein ausgestopftes Zebra zwischen Kunstobjekten – im Musée d’Art et d’Histoire in Genf gilt: Sammlungspräsentationen dürfen alles – ausser langweilig sein. Jedes Jahr darf ein Gast mit Objekten aus den Depots eine grosse Ausstellung mit neuen An- und Einsichten gestalten. Zur Disposition stehen neben Gemälden, Grafiken und Skulpturen auch Möbel, Schmuck, Waffen und Uhren. In diesem Jahr gestaltet der Schweizer Konzept- und Performancekünstler John Armleder – bekannt für Möbelskulpturen und raumfüllende Installationen – die Schau. (Alice Henkes)
Olaf Breuning im Museum zu Allerheiligen
Olaf Breuning mag’s skurril und ironisch. Er bemalte nackte Models im Stil bekannter Kunstschaffender, gestaltet Skulpturen, die aussehen wie farbenfrohe Monster oder steckt ansonsten nackte Skifahrerinnen und Skifahrer in Unterhosen mit der Aufschrift «SAVE THE CLIMAT». Diese Kombi aus Umweltbewusstsein und guter Laune hat ihn international bekannt gemacht. Jetzt ist Breuning erstmals seit 25 Jahren wieder in einer grossen Ausstellung in seiner Geburtsstadt Schaffhausen zu sehen. (Alice Henkes)
John Giorno in Genf
Bei Anruf Poesie: In den ehrwürdigen Bains des Pâquis veranstaltet das Mamco Genf ein Event zu Ehren John Giornos, das zwischen Ausstellung und literarischem Happening oszilliert. Der US-amerikanische Performance-Künstler und Poet gilt als Erfinder des Poesie-Telefons. Daran erinnert eine in der Badeanstalt aufgestellte Telefonzelle, in der man Texte von Autoren und Autorinnen aus allen Schweizer Sprachregionen hören kann. Auf den Badestegen gibt’s dazu eine Ausstellung über John Giorno und die Beat Generation. (Alice Henkes)
Das grosse Wiedersehen
Auch Museen brauchen ab und zu ein wenig Renovation. Im Frühjahr feiern gleich drei Ausstellungshäuser Wiedereröffnung, darunter zwei mit Schwerpunkt Impressionismus: Die Langmatt in Baden und die Sammlung Oskar Reinhart am Römerholz in Winterthur, beide unter anderem mit verbesserter Barrierefreiheit. Das Kunstmuseum Basel Gegenwart feiert seine Wiedereröffnung mit einer Soloschau der chinesischen Künstlerin Cao Fei. (Alice Henkes)