Damit Ihnen über die Feiertage die Lektüre nicht ausgeht, gibt’s hier fünf Buchtipps fürs Osternest: vom Spionageroman über eine Liebesbetrachtung bis hin zum Bilderbuch.
1. Psychologischer Roman: «Hellere Tage»
Ostern ist das Fest der Auferstehung – und lädt dazu ein, sich selbst zu befragen, wie man aus Krisen zurück ins Leben findet. Inspirierende Lektüre dazu bietet der Roman «Hellere Tage» des deutschen Autors Ulrich Woelk. Es geht um eine Mittfünfzigerin, die gleich mit einer multiplen Krise konfrontiert ist: Angst vor Jobverlust, Ehekrise, unterkühlte Beziehung zur Ziehtochter, Weltschmerz… Ulrich Woelk durchdringt seine Figur mit psychologischem Feinsinn, löst bei Leserinnen und Lesern viel Empathie aus und regt dadurch an, eine neue – zuversichtliche – Perspektive auf eigene Bedrängnisse zu entwickeln. (Felix Münger)
2. Spionageroman: «Die Reise ans Ende der Geschichte»
Kristof Magnussons neuer Roman spielt in der Aufbruchsstimmung nach dem Fall der Mauer und dem Ende des Kalten Krieges. Er beginnt mit einer Gartenparty in der Botschaft der russischen Föderation in Rom. Es gibt Krimsekt, Häppchen und Smalltalk, alle sind in Feierlaune, ausser einem Doppelagenten, der bald arbeitslos ist. Dieser trifft auf einen Dichter. Gemeinsam brechen sie zu einer Mission nach Kasachstan auf. Nichts läuft wie geplant. Kein klassischer Page-Turner-Agentenroman, aber man liest weiter, lacht, staunt und ist bestens unterhalten. (Jennifer Khakshouri)
3. Liebesbetrachtung: «Tanzende Frau, blauer Hahn»
Ein kleiner Ort in den rumänischen Bergen. Dort verbringt Roxana die Sommerferien ihrer Kindheit – und trifft ihren Freund Camil. Zusammen beobachten sie Paare im Ort und ergründen die Liebe: die Anwältin aus Bukarest, die ihren Mann pflegt, bis in ihrem Haus ein Baum wächst, die schöne Frau, die der Heldin einer Telenovela gleicht, und viele mehr. Aus heutiger Sicht erzählt Roxana, die unterdessen Schriftstellerin und auf Lesereise durch Deutschland ist, von der Liebe im ersten freien Jahrzehnt nach der Diktatur. (Michael Luisier)
4. Jugendgeschichte ganz ohne Cringe-Faktor: «Salto»
Trotz Top-Abitur wird nichts aus Markos Studium. Seine Beziehung mit Claire bröselt, der frühe Tod seiner Mutter lastet auf ihm und seinem Vater. Marko dümpelt zwischen Tiktok und Zukunftsangst im Wohnblock – bis er sich aufrafft, in Ungarn zu studieren. Weit weg von allem findet er neue Wege. Ein berührender Roman, der sich süffig liest und tröstlich ist trotz all der familiären, körperlichen und psychischen Krisen, die Marko durchlebt. Endlich wieder mal ein Autor, dem man seine Jugendgeschichten voll abnimmt. (Simon Leuthold)
5. Bilderbuch: «Obacht!»
«Obacht!» ist ein Bilderbuch, das man nicht ausschliesslich kleinen Kindern ins Osternestli legen kann. Die gut zugängliche Geschichte macht allen Mut, auf Neues oder Unbekanntes offen zuzugehen: Vor einer kleinen Stadt liegt plötzlich ein riesiges Wesen und versperrt alle Eingänge. Die Bewohnerinnen und Bewohner bauen eine Brücke und sogar eine Strasse, um das Wesen zu umgehen – bis die kleinste Bewohnerin die beste Idee hat: Man könnte mit diesem Wesen doch einfach sprechen! Die schlichten, grossflächigen Illustrationen mit liebevollen Details laden ein zum Verweilen und zum Austausch. (Britta Spichiger)