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Büchervorschau 2026 Diese Neuerscheinungen bringt der Bücherfrühling

Einblicke in die Armutssorgen einer Mutter, Neurodiversität als Chance, eine kapitalistische Apokalypse aus Tierperspektive und eine Nebenfigur, die zur Hauptfigur mutiert: Der Bücherfrühling 2026 hat einiges zu bieten. Fünf Tipps aus der SRF-Literaturredaktion:

Lukas Bärfuss: «Königin der Nacht»

Schwarz-weiss Porträt eines Mannes mit Jacke.
Legende: Lukas Bärfuss erzählt in «Königin der Nacht» die Geschichte seiner Mutter – und damit auch von seiner Herkunft und dem Leben in prekären Verhältnissen. SRF/Lukas Mäder

Sind wir unseres Glückes Schmied? Oder hängt ein gelingendes Leben von den Umständen ab, von unserer Herkunft und Prägung? Fragen wie diese treiben Lukas Bärfuss um. Auch in seinem neuesten Buch. Es erkundet die Geschichte seiner Mutter. Sie war bettelarm, musste sich mit prekären Jobs durchschlagen und konnte ihren Sohn nicht davor bewahren, auf der Strasse zu landen. Im Alter musste sie ins «günstigere» Ausland migrieren, weil das Leben in der Schweiz zu teuer war. Was erwartet uns von diesem Mutter-Buch – der für Lukas Bärfuss typische Mix von literarischer Brillanz, zeitkritischer Analyse und bewegendem persönlichem Engagement? (Felix Münger)

Buchhinweis

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Lukas Bärfuss: «Königin der Nacht». Rowohlt, 2026. Erscheint am 15. Mai

Birgit Birnbacher: «Sie wollen uns erzählen»

Person mit langen Haaren in pink gestreiftem Hemd lächelt leicht.
Legende: Birgit Birnbacher ist bekannt für ihre gegenwärtige Sprache und ihren eigenwilligen Sound. In ihrem neuen Roman widmet sie sich abermals einem zeitgeistigen Thema: der Neurodivergenz. C.Stadler/Bwag

Birgit Birnbacher trifft die Themen unserer Zeit. Nachdem sich die Salzburger Schriftstellerin und Bachmannpreisträgerin in «Wovon wir leben» mit Armut und Abgehängt-Sein auf dem Lande auseinandergesetzt hat, dreht sich ihr neuer Roman ums Thema Neurodiversität. Dabei geht sie der Frage nach, ob ein «Wildwuchs im Denken» nicht auch eine Chance ist. Und ob die, die sich nicht anpassen können, unserer überreizten Natur und Umwelt etwas entgegenzusetzen haben. Ein weiteres starkes Buch einer engagierten Erzählerin, auf das man sich freuen kann. (Michael Luisier)

Buchhinweis

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Birgit Birnbacher: «Sie wollen uns erzählen». Zsolnay, 2026.
Erscheint am 17. März

Elfriede Jelinek: «Unter Tieren»

Frau in grünem Oberteil in einem transparenten Stuhl.
Legende: Dramatikerin, Schriftstellerin, Dystopin?! Elfriede Jelinek gehört zu den bedeutendsten Autorinnen der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur – und liefert mit «Unter Tieren» ihren neuesten Wurf. REUTERS/Leonhard Foeger

In der Literaturbranche waren es die Fake-News des vergangenen Jahres: Elfriede Jelinek sei gestorben. Unsinn, wie ihr Verlag rasch klarstellte: Die Nobelpreisträgerin ist wohlauf und schreibt weiter. Im Juni erscheint ihr neues Buch «Unter Tieren», in dem sie den Weg des Geldes in die Abgründe der kapitalistischen Apokalypse verfolgt. Erzählt wird aus der Perspektive von Tieren, die den Menschen beim Untergang zusehen. Das klingt voll und ganz nach der radikalen und streitbaren Skandalautorin. Ein Muss für alle Fans der provokanten Literatur. Totgesagte schreiben eben länger. (Tim Felchlin) 

Buchhinweis

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Elfriede Jelinek. «Unter Tieren». Rowohlt, 2026.
Erscheint am 19. Juni

Leïla Slimani: «Trag das Feuer weiter»

Frau mit lockigem Haar schaut aus einem Fenster.
Legende: Die Prix-Goncourt-Preisträgerin Leïla Slimani schliesst 2026 ihre Romantrilogie ab, die auf ihrer eigenen Familiengeschichte basiert. Nach «Das Land der Anderen» und «Schaut, wie wir tanzen» erscheint nun der dritte Band mit dem Titel «Trag das Feuer weiter». Keystone/EPA/CHRISTOPHE PETIT TESSON

Mit «Trag das Feuer weiter» vollendet Leïla Slimani ihre Familiensaga. Sie erzählt von Mia, geboren 1974 in Marokko, die zwischen Tradition und Globalisierung ihren Weg sucht und in Paris eine zweite Heimat findet. Slimani baut Brücken zwischen Orient und Okzident und zeigt am Beispiel der eigenen Familiengeschichte, wie Politik ins Private wirkt. Multiperspektivisch, lebendig, nah an der Realität. Ein kraftvolles Finale, das man in einem Zug liest. (Annette König)

Buchhinweis

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Leïla Slimani: «Trag das Feuer weiter». Luchterhand, 2026.
Erscheint am 14. Januar

Julia Weber: «Weil ich Ruth bin»

Person in roter Kleidung hockt auf Asphaltboden.
Legende: Julia Webers Debüt «Immer ist alles schön» (2017) wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Im Frühling 2026 erscheint ihr dritter Roman «Weil ich Ruth bin». Ruth kann Menschen in Tiere verwandeln – etwa in eine Qualle, einen Hund oder einen Vogel. Limmat Verlag/Ayse Yavas

Nach ihrem fulminanten Mutterschaftsroman «Die Vermengung» (2022) widmet Julia Weber nun einer magisch angehauchten, zentralen Nebenfigur jenes Romans noch ein ganzes, eigenes Buch. Mit einem Fell zur Welt gekommen, übt Ruth auf die anderen Menschen eine faszinierende Anziehung aus – nicht zuletzt, weil sie sie für einige Zeit in Tiere verwandeln kann und so ein Entkommen aus dem «normalen» Leben ermöglicht. Der Verlag kündigt das Buch als «grossen Roman über Körper, Liebe und Selbstermächtigung» an, auf den man nur schon wegen Julia Webers besonderer Sprache bestimmt sehr gespannt sein darf. (Simon Leuthold)

Buchhinweis

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Julia Weber: «Weil ich Ruth bin». Limmat, 2026.
Erscheint im Februar

Radio SRF 3, 8.1.2026, 16:10 Uhr ; 

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