Endlich Zeit zum Lesen! Die SRF-Literaturredaktion empfiehlt diese sechs Bücher für die Ferien.
Liebesgeschichte: «Das Mosaik der Frauen»
In «Das Mosaik der Frauen» erzählt ein sterbender Mann sein Leben als Reihe von Begegnungen mit jenen Frauen, die ihn geprägt haben. Rafik Schami verwebt persönliche Erinnerungen an seine Heimatstadt Damaskus mit Geschichte und Exil. Das Buch berührt durch Menschlichkeit, starke Figuren und seine warme, mündliche Erzählweise. Poetisch, klug und voller Hoffnung, sodass man es nicht mehr aus der Hand legen möchte. (Annette König)
Krimi-Komödie: «Gisch was hesch»
Ewige Geldsorgen drücken auf die Stimmung von «Chläbi», «Mönele» und dem «Angere». Deshalb sind kreative und nicht zwingend legale Ideen gefragt, wie das zu ändern wäre. Beim «King» zum Beispiel, einem steinreichen Ex-Tennisprofi, müsste doch was zu holen sein. Wenn nur nicht die «Tschuggerei» ständig dazwischen käme. Eine Kleingaunerkomödie im schönsten Berndeutsch, mit liebenswerten Figuren, die sich so grandios um Kopf und Kragen reden, dass ich beim Lesen ständig zwischen guter Laune und Mitgefühl pendle. (Markus Gasser)
Schmöker: «Die Einsamkeit von Sonia und Sunny»
Die indische Booker-Preisträgerin Kiran Desai hat mit «Die Einsamkeit von Sonia und Sunny» einen 750-seitigen Schmöker geschrieben. 20 Jahre lang hat sie daran gearbeitet. Herausgekommen ist ein Epos über zwei junge Menschen, Sonia und Sunny: Als die beiden einander begegnen, funkt es sofort. Aber zu viel steht ihnen im Weg, als dass das eine einfache Sache werden könnte. So opulent wie modern ist dieser Roman. Man erfährt viel über Indien – und kann in der Story so richtig versinken. (Katja Schönherr)
Jugendbuch: «Part of the Game»
In «Part of the Game» blickt der Brite Kevin Brooks hinter die Fassade des Profifussballs. Es ist die Geschichte zweier junger Männer, die sich in Verstrickungen und Verführungen wiederfinden: Es geht um Leistungsdruck, Drogenkonsum, Korruption – und um die Liebe zu derselben Frau. Einmal mehr gelingt dem Erfolgsautor eine fesselnde Geschichte für Jugendliche ab 14 Jahren. Sie liest sich wie ein Thriller und stellt dabei die existenzielle Frage nach der Verantwortung, die man für sein Leben trägt. (Britta Spichiger)
Drama: «Casino»
Hat die Hauptfigur einen Mord begangen? Die Ungewissheit ob dieser Frage ist der Kern des Romans «Casino» des deutsch-türkischen Autors Cihan Acar. Es geht um einen Geschäftsmann mit türkischen Wurzeln in einer deutschen Provinzstadt. Für seinen Erfolg geniesst er zwar Respekt, aufgrund hartnäckiger Gerüchte bleibt er jedoch ein Aussenseiter. Der Autor verdichtet die drückende Atmosphäre zu eindringlichen Szenen. Spannung entsteht weniger durch die Handlung als durch bleierne Zweifel: Was kann man über Mitmenschen wirklich wissen? (Felix Münger)
Graphic Novel: «Persepolis»
Als Marjane Satrapis «Persepolis» Anfang der Nullerjahre erschien, machte es das Genre «Graphic Novel» einem breiten Publikum zugänglich. Mit scheinbar einfachen Schwarz-Weiss-Zeichnungen erzählt die Künstlerin von ihrer Kindheit im Iran nach der Revolution von 1979 und von ihrer Umsiedlung nach Europa. Aus dem Blick eines Kindes erfährt man beim Lesen von der politischen Erschütterung, die Satrapi erlebte. Zugleich leicht und schwer, denn Humor, Trotz und Melancholie stehen nebeneinander. «Persepolis» ist ein Klassiker. Vor wenigen Wochen ist die Künstlerin gestorben – ein Grund mehr, das Buch (wieder) zur Hand zu nehmen. (Jennifer Khakshouri)