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Nach Auftritt in Asien Top-Offizier reagiert auf Pete Hegseths Nato-Kritik

Der US-Verteidigungsminister hat in Singapur verbal ausgeteilt. Im Interview verteidigt der oberste Nato-Offizier das Bündnis.

Die Spannungen innerhalb der Nato werden nicht mehr nur in Brüssel, Washington oder in den europäischen Hauptstädten ausgetragen. Sie sind auch in Singapur beim Shangri-La-Gipfel wieder aufgetaucht, dem wichtigsten sicherheitspolitischen Treffen Asiens.

Drei Männer in Anzügen und Uniformen bei einer Podiumsdiskussion.
Legende: Die Nato sei politisch und militärisch einzigartig, sagt Admiral Cavo Dragone, hier an einer Diskussion am Shangri-La-Gipfel in Singapur. Keystone / EPA / How Hwee Young

US-Verteidigungsminister Pete Hegseth bekräftigte bei seinem Auftritt in Singapur eine Linie, die mittlerweile zentral für die Trump-Regierung ist: Die Verbündeten sollen mehr für ihre Verteidigung ausgeben, mehr Verantwortung übernehmen und die Abhängigkeit vom amerikanischen Militärschutz verringern. Er meinte damit nicht nur die asiatischen Länder, sondern griff einmal mehr die europäischen und die Nato-Partner an.

Der oberste Nato-General zur Hegseth-Kritik:

Europa solle sich die asiatischen US-Verbündeten zum Vorbild nehmen, die – so Hegseth in Singapur – schneller ihre Verteidigung stärken.

Admiral Giuseppe Cavo Dragone, Vorsitzender des Nato-Militärausschusses, der höchsten militärischen Instanz des Bündnisses, bekräftigt im Interview mit dem Radio und Fernsehen der italienischen Schweiz (RSI) den Zusammenhalt der Allianz. Und räumt zugleich ein, dass ein tiefgreifender Wandel nötig sei.

Cavo Dragone, der früher Generalstabschef der italienischen Armee war, dreht die Perspektive um. Es stimme, dass die europäischen Verbündeten ihre Rolle neu definieren, aber das sei nichts Neues. Die US-Forderung nach mehr europäischem Engagement sei «eine alte Geschichte», die nun dringlicher geworden sei.

Lektionen über die Organisation der Allianz habe man aber nicht nötig, sagt der Admiral. Im Gegenteil, behauptet er, könnten die asiatischen Partner von der Nato lernen: «Wir sind 32 Nationen, die in Harmonie zusammenarbeiten, ohne in 76 Jahren auch nur einen Millimeter NATO-Territorium an irgendeinen Feind abzugeben», so Cavo Dragone. Das sei politisch und militärisch einzigartig.

Die Stärke der Allianz liegt laut Cavo Dragone gerade in der Fähigkeit, Entscheidungen im Konsens zu treffen, auch zwischen Ländern mit unterschiedlichen Interessen und Sensibilitäten. Es bleibt die grundlegende Frage, ob Europa militärisch autonomer von den Vereinigten Staaten werden kann oder muss. Die Antwort des Admirals ist deutlich: «Das sollte es.» Nicht um das transatlantische Verhältnis aufzubrechen, sondern um es neu auszubalancieren.

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RSI, Seidisera, 31.5.2026, 18 Uhr; wilh

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