Tiefblaues Meer und dann fünf Reihen mit Schirmen und Liegestühlen – in Reih und Glied, feinsäuberlich ausgerichtet. Eine Frau im altmodischen Badekleid schmiert ihrem Mann den Rücken mit Sonnencreme ein.
Der «Tibidabo Beach» ist ein gepflegtes Strandbad in Tarquinia, eine gute Autostunde nördlich von Rom. Dieser Strand mit Restaurant und 180 Sonnenschirmen ist schon lange in den Händen der Familie von Marzia Marzoli: «Meine Familie hat diesen Strand schon vor 35 Jahren übernommen und seither viel investiert.»
Ich investiere jedes Jahr ungefähr 90'000 Euro, etwa um ein leckes Dach abzudichten, Duschen zu reparieren oder um neue Liegestühle anzuschaffen.
Dem italienischen Staat, dem gemäss Gesetz alle Stände gehören, bezahlt Marzoli jedes Jahr eine Gebühr. Wie hoch sie ist, verrät sie nicht, erklärt aber, dass der Unterhalt viel teurer sei als die Pachtgebühr: «Ich investiere jedes Jahr ungefähr 90'000 Euro, etwa um ein leckes Dach abzudichten, Duschen zu reparieren oder um neue Liegestühle anzuschaffen.»
Grosse Investitionen, hohe Preise
Um diese Ausgaben zu decken, verlangt Marzoli pro Sonnenschirm mit zwei Liegen 25 Euro pro Tag in der Vorsaison und bis zu 40 Euro im Hochsommer.
Doch bald ändert sich viel: Bis Mitte des nächsten Jahres soll Italien die rund 30'000 Strandbäder neu und vor allem EU-weit ausgeschrieben haben. Viele hoffen, das führe zu mehr Konkurrenz und für tieferen Eintrittspreise.
Die Ausschreibungen sind eine Falle, denn jede Gemeinde hat andere Kriterien für die Ausschreibung der Strandlizenzen.
Nur seien die Regeln für diese Ausschreibungen völlig unklar, klagt Marzia Marzoli: «Das ist eine Falle, denn jede Gemeinde hat andere Kriterien für die Ausschreibung der Strandlizenzen.» Kurz: es herrsche Chaos.
Die offene Frage der Entschädigung
Natürlich geht es um viel Geld, denn mit den Ombrelloni und Lettini, also mit den Sonnenschirmen und Liegestühlen, lässt sich gut Kasse machen. Ob Marzia Mazoli, wenn sie denn bei der öffentlichen Ausschreibung den Kürzeren ziehen und ihre Konzession an einen Konkurrenten verlieren würde, Anspruch auf eine Entschädigung für all das hätte, was sie in den vielen Jahren in den Strand investiert hat, sei völlig unklar, so Marzoli. Sie fügt an: «Hier, an diesem Strand, steckt die Arbeit meines Lebens.»
Marzoli weiss noch immer nicht, was mit ihrem Strandbad passiert. Aber sie habe Kollegen, die ihre Konzession von einem Tag auf den anderen verloren: «Schlimm ist das», klagt sie unter Tränen.
Mauern und Maschendrahtzäune
Neben Marzolis Strandbad liegt die Spiaggia libera, also der freie Strand. Hier kann man sein Badetuch ausbreiten, ohne zu bezahlen. Allerdings hat man keine Dusche, um nach dem Baden Sand und Salz abzuspülen. Solch freie Strände gibt es nicht überall. Und oft sind sie abgelegen oder verschmutzt.
Danilo Ruggeri lebt nicht in Tarquinia, sondern am Stadtstrand der Römerinnen und Römer, in Ostia.
Leider zementieren die von Brüssel geforderten Ausschreibungen die bestehenden Zustände.
Hier fordert er seit Jahren den Abbau der Zahlschranken, den freien Zugang zum Meer. Bisher vergeblich. «Leider zementieren die von Brüssel geforderten Ausschreibungen die bestehenden Zustände.» Das heisst: Der Grossteil der Strände werde einfach an neue Pächterinnen und Pächter vergeben. Ob die Preise sinken, sei vollkommen ungewiss.
Ändert sich am Schluss nur wenig?
In Ostia ist fast der ganze Strand abgesperrt, hinter Mauern und Maschendrahtzäunen. Daran werde sich leider rein gar nichts ändern, meint Ruggeri. Italiens Strände stehen vor der grossen Wende. Doch wirklich zufrieden ist man damit in Italien nicht.