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20 Millionen Exponate Grossbrand verwüstet Nationalmuseum Brasiliens in Rio de Janeiro

  • Ein Grossbrand hat am Sonntag das Nationalmuseum in Rio de Janeiro verwüstet.
  • Es ist das grösste Natur- und Völkerkundemuseum Lateinamerikas.
  • Die Flammen griffen auf fast alle Teile des historischen Gebäudes über.
Legende: Video Brasilianisches Nationalmuseum in Rio von Feuer zerstört abspielen. Laufzeit 01:34 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 03.09.2018.

Erst nach fünf Stunden brachte die Feuerwehr den Brand grösstenteils unter Kontrolle. Auf Luftaufnahmen war sehen, wie sich das Feuer binnen Stunden durch hunderte Ausstellungsräume frass und alles auf seinem Weg vernichtete.

Angaben über Opfer liegen vorerst nicht vor. Örtliche Medien berichteten, das Feuer sei gegen 19.30 Uhr (Ortszeit, 00.30 Uhr MESZ) ausgebrochen, die Ursache sei noch unklar. Zu diesem Zeitpunkt war das im Norden von Rio nahe dem Maracana-Fussballstadion gelegene Museum für Besucher bereits geschlossen.

«Heute ist ein tragischer Tag für Brasilien», erklärte der konservative Staatschef Michel Temer. «200 Jahre Arbeit und Forschung und Wissen sind verloren.» Der Verlust der Museumssammlung sei «unermesslich».

Paulo Knauss, Direktor des Museums für Nationalgeschichte in Rio, zeigte sich im Fernsehen entsetzt. Der Brand sei eine «Tragödie für die Kultur», sagte er dem Sender TV Globo.

20 Millionen Exponate

Das Nationalmuseum in Rio de Janeiro ist eines der ältesten Museen in Brasilien. Der König von Portugal und Brasilien, João VI., gründete es 1818 zur Förderung von Wissenschaft und Forschung. Der königlichen portugiesischen Familie diente es als Residenz. Insgesamt erstreckte es sich über eine Fläche von 13'000 Quadratmetern. Es zählte mehr als 20 Millionen Exponate, von denen nun der grösste Teil zerstört oder beschädigt sein dürfte.

Das Nationalmuseum beherbergte griechisch-römische, ägyptische und brasilianische Kunstschätze. Zu den Publikumsmagneten gehörte das älteste in Brasilien gefundene menschliche Fossil mit Namen «Luzia». Weitere Highlights waren das Skelett eines im Bundesstaat Minas Gerais entdeckten Dinosauriers und der grösste in Brasilien gefundene Meteorit namens «Bendego» mit einem Gewicht von 5,3 Tonnen.

Bin «zutiefst entmutigt»

Die anderen Ausstellungsstücke decken einen Zeitraum von fast vier Jahrhunderte ab – von der Ankunft der portugiesischen Kolonisatoren auf dem Territorium des heutigen Brasiliens im Jahr 1500 bis zur Ausrufung der Republik 1889.

Der Vizedirektor des Museums, Luiz Fernando Dias Duarte, fühlte sich nach eigenen Angaben «zutiefst entmutigt», aber zugleich «enorm wütend». Das gesamte historische Archiv sei zerstört. Den brasilianischen Behörden warf er vor, das Museum sträflich vernachlässigt zu haben. Eine Regierung nach der anderen habe sich geweigert, die für den Erhalt des Gebäudes dringend erforderlichen Mittel bereitzustellen.

Proteste angekündigt

Senator Lindbergh Faris von der Arbeiterpartei (PT) beklagte die im Zuge der Kürzungspolitik verfügte Streichung von Fördermitteln für das Museum. Die ehemalige Umweltministerin Marina Silva, die bei der Präsidentschaftswahl im Oktober antritt, nannte den Grossbrand eine «Katastrophe».

Diese komme einem «tiefen Schnitt in die brasilianische Erinnerung» gleich. Von der Museumskollektion, die zur «nationalen Identität» beitrug, sei jetzt nur noch «Asche» übrig.

Protestkundgebung vor Gebäude

Der seit Juli 2017 amtierende Kulturminister Sérgio Sá Leitão räumte später ein, dass die «Tragödie hätte vermieden werden können». Die Probleme hätten sich im Lauf der Zeit angehäuft. Unter der Staatschefin Dilma Rousseff von der linken Arbeiterpartei sei das Museum 2015 «mangels Mitteln zu seinem Unterhalt» geschlossen worden.

Bei vielen Brasilianern mischte sich in die Trauer über den Verlust zahlreicher unwiederbringlicher Kulturgüter Zorn über das schlechte Management. Lehrkräfte und Studierende der Bundesuniversität von Rio de Janeiro (UFRJ), die mit dem Museum verbunden ist, riefen für Montag zu einer Protestkundgebung vor dem zerstörten Gebäude auf.

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7 Kommentare

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  • Kommentar von Simon Weber (Weberson)
    Die meisten Brasilianer, mal abgesehen von einigen Politikern und einigen wenigen Reichen, leben in einer ziemlich deprimierender Gegenwart und auch die Zukunft will nichts gutes verheißen. Jetzt wird auch noch die Vergangenheit zerstört, während rings um das Land Finanz- und Wirtschaftskrisen herrschen. Das dieses Land je auf einen grünen Zweig kommt, halte ich immer für unwahrscheinlicher. Somit wird auch der Amazonas immer mehr abgeholzt und die Gewässer immer mehr verschmutzt werden.
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  • Kommentar von elize naude (elize)
    "Sammelt euch nicht Schätze auf der Erde, wo Motte und Fraß zerstören und wo Diebe durchgraben und stehlen. Denn wo dein Schatz ist, da wird auch dein Herz sein…"
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    1. Antwort von James Klausner (Harder11)
      Selten sah man einen Bibelspruch schlechter angewendet. Völlig deplaziert.
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  • Kommentar von James Klausner (Harder11)
    Wenn man das Gebaren der Regierung Temer so betrachtet, drängt sich mir immer der Impuls auf, Vergleiche zu einem Mafia-Clan zu ziehen. Es würde mich überhaupt nicht wundern, wenn dieser Brand planmässig gelegt wurde und die Artefakte über die nächsten Monate und Jahre hin auf dem Schwarzmarkt auftauchten. Warum bin ich mir fast sicher, dass die ganzen Bestandsverzeichnisse zuerst verbrannt sind?
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