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Schweiz Wie lockt man Jugendliche an die Urne?

Die Jugend muss besser an die Politik herangeführt werden. Das ist das Ziel der heute lancierten Plattform «Campus für Demokratie». Aber braucht es wirklich mehr Engagement für die Jugend – oder war es nicht schon immer so, dass junge Erwachsene weniger häufig zur Urne gehen?

Legende: Video Bildungsprojekt «Campus für Demokratie» lanciert abspielen. Laufzeit 2:10 Minuten.
Aus Tagesschau vom 21.03.2015.

Eine Plattform, getragen von Bund und Kantonen, die ohne grossen finanziellen Aufwand die politische Bildung in der Schweiz verbessern will: Im Kursaal Bern ist feierlich der sogenannte «Campus für Demokratie» lanciert worden.

Bestehende Projekte sollen mit dieser Plattform besser vernetzt werden, damit das, was funktioniert, sich schweizweit durchsetzen kann. Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga unterstützt das Projekt: «Was heute unterzeichnet wurde, ist wichtig, denn für die politische Bildung können und müssen wir mehr tun».

Die Unterstützung ist breit. Auch Jean-François Rime, Freiburger SVP-Nationalrat und Präsident des Gewerbeverbandes, findet das sehr wichtig: «Mir tut es leid, wenn ich an einer Abstimmung nur eine 40-Prozent-Stimmbeteiligung sehe. Wir müssen informieren über die Demokratie.»

Wir haben in der Schweiz die beste Demokratie
Autor: Jean-Francois RimeSVP-Nationalrat

Dazu brauche es mehr Unterstützung vom Bund, findet Rime. Nicht viel Geld zwar, aber Unterstützung für Veranstaltungen wie etwa das Projekt «Jugend debattiert».

Die Besten von 7000 Jugendlichen haben sich am Samstagnachmittag in der Kunst der politischen Debatte im Kursaal gemessen. Vier Wochen konnten sie sich in ein Thema einarbeiten. Welche Position sie in der Debatte vertreten müssen, haben die 14- bis 15-Jährigen erst eine halbe Stunde vorher erfahren.

Politologe Lukas Golder vom Forschungsinstitut gfs.bern findet dieses Debattier-Projekt eine gute Sache. «Man muss aber darauf achten, junge Menschen zu erreichen, die sich nur wenig motivieren lassen und nur so halb mitkriegen, was in der Politik geschieht.»

Um die sowieso schon politisch interessierten Gymnasiasten muss man sich keine Sorgen machen.
Autor: Lukas GolderPolitologe gfs.bern

Schwieriger sei es bei den Berufsschülern. Junge Erwachsene bis 25 Jahre stimmen nur halb so häufig ab verglichen mit Älteren und würden so fast immer überstimmt, sagt Golder. «Das sind schon sehr deutliche Unterschiede, die aber nicht neu sind, es ist immer etwa so, dass sich einige junge Menschen erst mit der Zeit und immer stärker erst mit zunehmendem Alter für Politik interessieren.»

Wer sesshaft wird, mehr verdient, mehr Steuern zahlen muss, wer vielleicht ein Haus kauft, Kinder hat und sich für Schulthemen zu interessieren beginnt – wer also älter wird, der oder die hat immer mehr persönliche Gründe, auch abstimmen und wählen zu gehen.

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37 Kommentare

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  • Kommentar von Alex Schneider, 5024 Küttigen
    Stimmabstinenz der Jungen ist erklärbar! Die Komplexität von Abstimmungsvorlagen lässt sich oft nicht reduzieren. Wer sich nicht täglich mit dem politischen Geschehen befasst, hat kaum eine Chance, sich über politische Fragen eine eigene Meinung zu bilden. Berufliche Anforderungen in der Jugendzeit, Freizeitaktivitäten und unpolitische Eltern sind kein guter Boden für politische Bildung. Zudem ist die staatspolitische Bildung in der Schule minimal. Politik ist eine eher trockene Materie.
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  • Kommentar von m.mitulla, wil
    Alle Bemühungen Junge zur Teilhabe am politischen leben zu bewegen sind sinnvoll. Selbst die Parteilichkeit gehört dazu, schliesslich sind wir alle parteiisch und die eigene Meinung bildet sich durch das Leben. Die mangelnde Lust der 18- jährigen an den Urnengängen halte ich für ganz normal. Schliesslich sind die meisten in diesem Alter noch in der Ausbildung und haben deshalb ganz andere Interessen und Sorgen. Es ist deshalb auch ein Unsinn eine weitere Senkung des Abstimmungsalters zu erwägen.
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  • Kommentar von Dieter Lodigo, Bern
    Am meisten würde bewirken, wenn die Jungen sehen, dass das Volk tatsächlich was zu sagen hat. Das Problem bei den Wahlen: Wir haben keine Kandidaten zur Wahl, die die Interessen des Volkes vertreten, nur diejenigen der Elite. Und bei Abstimmungen wird der Volkswille manipuliert mit Hirnwaschkampagnen. Wenn dann das Volk trotzdem hin und wieder mal falsch, kurzsichtig und dumm entscheidet, wird die Umsetzung einfach verwässert, vertrödelt, vereitelt und verweigert oder das Resultat ignoriert.
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