In einem Expertenchat haben Fachpersonen Ihre Fragen rund um Lehrbeginn 2026, Stellensuche, Einstieg ins Berufsleben und Karrierechancen beantwortet. Hier die wichtigsten Erkenntnisse zusammengefasst.
Wer eine Lehre hat, findet später Arbeit
«Die Berufslehre ist und bleibt das Fundament der Schweizer Arbeitswelt. Anders als früher ist sie nicht mehr der Endpunkt», schreibt Domenica Mauch, Geschäftsführerin vom Berufsbildungsportal Yousty.
Der Arbeitsmarkt verändere sich schneller, aber das Schweizer Bildungssystem sei genial aufgebaut: Wer eine Lehre in der Tasche habe, könne sich später jederzeit weiterbilden, die Berufsmaturität nachholen, an eine Fachhochschule wechseln oder sich in eine ganz neue Richtung spezialisieren.
Thomas Bolli, Bildungs- und Arbeitsmarktökonom, geht sogar davon aus, dass die Berufslehre in Zukunft (noch) attraktiver wird. Der Grund sei, dass voraussichtlich Tätigkeiten, die einen Umgang mit Menschen erfordern, wichtiger werden. Deshalb gewinnen Sozialkompetenzen zunehmend an Bedeutung. Er stützte seine Aussage mit Auswertungen von Daten des Bundesamtes für Statistik: Personen mit einer beruflichen Grundbildung hatten eine leicht tiefere Erwerbslosenquote als Personen mit einem Hochschulabschluss.
Das «Passungsproblem»
Die Fachrunde bestätigt, dass ein grosses Paradoxon auf dem Schweizer Lehrstellenmarkt herrsche. Man nennt das in der Fachwelt «Passungsproblem». Die Puzzleteile sind zwar da, aber sie passen oft nicht zusammen. Dafür gäbe es vor allem drei Gründe:
- Der «Berufs-Mismatch» (Wunsch versus Realität)
- Geografische Hürden: Die offenen Lehrstellen sind oft nicht dort, wo die Jugendlichen wohnen
- Der «Notenfilter» der Betriebe: Viele Firmen klagen über Fachkräftemangel, setzen die Messlatte bei den Schulnoten aber immer noch sehr hoch an
Es fehle an Flexibilität auf beiden Seiten. Jugendliche müssen mutiger werden, unbekanntere Berufe zu entdecken – und Lehrbetriebe müssen mutiger werden, Jugendlichen mit schwächeren Noten eine Chance beim Schnuppern zu geben. Betriebe, die von den klassischen, starren Bewerbungsmustern abweichen und ihre menschliche Seite zeigen, haben im Werben um die Lernenden aktuell die besten Karten.
Höhere Hürden im Bewerbungsprozess
Barbara Zbinden, Berufs- und Laufbahnberaterin am BIZ Berufsberatungs- und Informationszentren des Kantons Bern, bestätigt, dass die Bewerbungsprozesse heutzutage aufwendiger seien. Die Jugendlichen lernen und leisten im Berufswahlprozess sehr viel.
Es komme stark auf die Branche, die Firma und den Beruf an. Manchmal ergibt sich bereits nach dem Schnuppern ein Lehrstellenangebot. Es sei wichtig, erwachsene Begleitpersonen zu haben, die Mut zusprechen und im Prozess eng dabei sind.
Die Zukunft der Lehre
«Die Lehrstellen der Zukunft werden vor allem von drei Bereichen geprägt: Nachhaltigkeit, IT und Handwerk», meint Domenica Mauch. Das Prestige eines Berufs hänge zukünftig davon ab, wie sinnvoll und zukunftssicher die Arbeit für unsere Gesellschaft sei. So hätten zum Beispiel Betreuungs- und Gesundheitsberufe in den vergangenen fünf Jahren immer mehr an Interesse gewonnen.