Wo einst die Autobahn ein Quartier teilte und der Lärm des vorbeirauschenden Verkehrs dominierte, zieht heute der Ueberlandpark die Aufmerksamkeit auf sich.
«Es ist eine komplette Kehrtwende», so Lena Wunderlin, Projektleiterin des Binding Preises für Biodiversität bei der Sophie und Karl Binding Stiftung.
Vom Lärm zur Lebensqualität
Der Ueberlandpark im Zürcher Stadtkreis Schwamendingen ist ein ungewöhnlicher Stadtpark. Das begrünte Autobahndach ist rund einen Kilometer lang und etwa 30 bis 40 Meter breit. Insgesamt schafft es dadurch gut 30’000 Quadratmeter neuen Freiraum für Mensch und Natur.
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Bild 1 von 3. Rampen führen auf das Dach der Einhausung des Autobahnabschnitts A1L zwischen der Verzweigung Aubrugg und dem Schöneichtunnel. Bildquelle: Keystone/Gaetan Bally.
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Bild 2 von 3. Die eigentliche Bauzeit der Einhausung der A1 in Zürich‑Schwamendingen betrug rund fünfeinhalb Jahre. Der Spatenstich war im April 2019. Bildquelle: Keystone/Gaetan Bally.
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Bild 3 von 3. Blick auf den Autobahnabschnitt A1L zwischen der Anschlussstelle Aubrugg und dem Schöneichtunnel in Schwamendingen im Februar 2019. Auf der Autobahn A1 fahren durchschnittlich täglich etwa 120'000 Fahrzeuge durch Schwamendingen. Bildquelle: Keystone/Gaetan Bally.
Die Überdachung hat den Lärm vertrieben und zwei Quartierteile wieder zusammengeführt. Wo früher Verkehr trennte, verbindet heute eine grüne Oase.
Ein Experimentierfeld für die Natur
Der Park ist auch ein wichtiges Projekt für die städtische Biodiversität. Auf dem Tunneldach herrschen extreme Bedingungen: Hitze, Wind und eine nur dünne Erdschicht. Für Pflanzen ist das eine grosse Herausforderung.
Die Landschaftsarchitekten und Grün Stadt Zürich machten im Vorfeld verschiedene Experimente, um herauszufinden, welche Pflanzen unter diesen Bedingungen überleben können. Ein Fauna-Monitoring soll aufzeigen, welche Arten sich langfristig behaupten können.
Von der neuen Grünfläche profitiert neben den Menschen auch die Insektenwelt. Der Park dient als wichtiger Lebensraum und als Korridor. So wird es etwa Wildbienen ermöglicht, sich zwischen verschiedenen Grünflächen zu bewegen. «Der Ueberlandpark ist eine Verbindung zwischen dem Zürichberg bis hinunter zum Glattraum», sagt Lena Wunderlin.
Ein Jahr nach der Eröffnung zeichnet die Binding Stiftung das Projekt von Grün Stadt Zürich und den Landschaftsarchitekten Krebs und Herde nun mit ihrem Preis für Biodiversität aus.
Projekte als Inspirationsquelle für andere
Die Stiftung möchte mit der Preisvergabe aufzeigen, was im urbanen Raum möglich ist.
Lena Wunderlin von der Binding Stiftung ist überzeugt: Auch wenn ein Projekt wie der Ueberlandpark kaum eins zu eins zu kopieren sei – einzelne Elemente wie Trockenmauern oder spezielle Bepflanzungen könnten in vielen anderen Projekten umgesetzt werden und so einen wertvollen Beitrag gegen die Biodiversitätskrise leisten.
Solche Inspiration von prämierten Projekten für ähnliche Umsetzungen sei wichtig, denn: «Nicht nur im Siedlungsraum, auch ausserhalb ist die Biodiversität durch die verschiedensten Aktivitäten des Menschen bedroht.»