Es ist bereits nach Mitternacht Schweizer Zeit, als Rubén Vargas in Vancouver für die Fussball-Nati im Achtelfinal gegen Kolumbien den entscheidenden Penalty verwandelt. Der 27-jährige Adligenswiler ahnt nicht, was er damit über 8000 Kilometer entfernt in Gündelhart im Kanton Thurgau auslöst.
Susanne Blaser ist am nächsten Morgen Kandidatin im Radio-SRF1-Morgenspiel «Morgenstund hat Gold im Mund». «Ich ging gestern früh schlafen und verzichtete auf das Nati-Spiel, damit ich für das Radio-Quiz am Morgen fit bin», erzählt sie. «Als ich ins Bett ging, hörte ich zwar noch komische Geräusche von einer Kuh auf der Weide. Ich bin dann aber trotzdem eingeschlafen.»
Normalerweise bekommen Stierkälbli keine Namen
Während Susanne Blaser bereits schläft, verfolgen ihr Mann und zwei ihrer insgesamt vier Söhne die Partie bis zum Schluss. Auch nach dem Schlusspfiff macht die Kuh weiterhin lautstark auf sich aufmerksam. Deshalb gehen die drei Männer auf die Weide und machen eine überraschende Entdeckung: Während des Spiels hat die Kuh «Calla» ein Kalb zur Welt gebracht.
Am nächsten Morgen erfährt die Bäuerin vom Sieg der Nati und von der Geburt: «Es war ein Stierkalb», erzählt Blaser. «Der älteste Sohn hatte die Idee, das Kalb Rubén zu nennen – nach Rubén Vargas, der die Nati gerade in den Viertelfinal geschossen hatte.»
Normalerweise erhalten die männlichen Tiere auf dem Hof der Blasers keine Namen. Die Familie betreibt einen Milchbetrieb. Die Stierkälber werden nach einigen Wochen an einen Mastbetrieb weitergegeben.
Für Rubén macht die Familie jedoch eine Ausnahme. «Er ist gesund und gefrässig. Die Mutterkuh bleibt auf der Weide. Rubén befindet sich nun in der Kalberbox mit zwei Kollegen», erzählt Blaser.
Der Name ist hoffentlich ein gutes Omen für den Viertelfinal.
Nur wenige Stunden nach der Geburt von Rubén verpasst Susanne Blaser im Radio-Quiz «Morgenstund hat Gold im Mund» den Hauptpreis von 1000 Franken denkbar knapp. In der dritten Runde beantwortet sie die letzte Frage falsch. Sie bekommt immerhin einen Gutschein im Wert von 450 Franken.
Rubén hat Susanne Blaser im Quiz kein Glück gebracht. Vielleicht hilft das Kälbli aber der Fussball-Nati. «Der Name ist hoffentlich ein gutes Omen für den Viertelfinal», so die Thurgauerin. Vielleicht heisst nach dem Viertelfinal ein Kälbli dann «Granit», «Manuel» oder «Johan». Der Anpfiff des Viertelfinals zwischen der Schweiz und Argentinien ist in der Nacht auf Sonntag um 3.00 Uhr.