Weisse Tennisbekleidung, volle Tribünen und Erdbeeren mit Rahm: Wimbledon ist dieser Tage wieder das Zentrum der Tenniswelt.
Mittendrin ist auch Martina Hingis, gemeinsam mit ihrer Tochter. Kaum ein Ort ist für die ehemalige Weltranglistenerste mit so vielen Erinnerungen verbunden wie Wimbledon.
Denn genau hier schrieb die Rheintalerin vor 30 Jahren Tennisgeschichte: Gemeinsam mit der Tschechin Helena Suková gewann die damals 15-Jährige das Doppel und wurde zur jüngsten Wimbledon-Titelgewinnerin des 20. Jahrhunderts.
«Es fühlt sich fast ein wenig wie ein anderes Leben an», sagt Hingis heute. Dass ihre Tochter Lia heute jedes Jahr mit nach Wimbledon reist, bedeutet ihr viel. «Gestern liefen wir über das Gelände und ich konnte ihr die Bilder von mir zeigen.»
Finalsieg unter schwierigen Umständen
An das Finale von 1996 erinnert sich die 45-Jährige aber auch ohne Bilder noch bestens. Die Partie zog sich über zwei Tage: Beim Stand von 4:1 im dritten Satz musste das Spiel wegen des Regens unterbrochen werden: «Über Nacht hatten wir fast ein wenig zu viel Zeit, um über die letzten beiden Games nachzudenken.»
Hingis und Suková holen den Sieg im Doppel
Doch am nächsten Tag zeigten Hingis und Suková starke Nerven. Das Duo konnte innerhalb kürzester Zeit «den Sack zumachen». Aufgrund des Spielunterbruchs mussten die zwei Siegerinnen auf eine Ehrung verzichten. Für Hingis war der Erfolg ohnehin erst ein Vorgeschmack auf eine steile Karriere.
«Das war sicher eine Etappe, ein Puzzlestück zum Erfolg», meint Hingis rückblickend. Im Jahr darauf gewann die Rheintalerin gleich drei Grand-Slam-Einzeltitel und stieg zur jüngsten Weltnummer 1 der Geschichte auf.
Von da an ging es Schlag auf Schlag: Die heute 45-Jährige legte eine Karriere mit 25 Grand-Slam-Titeln hin und gilt heute als eine der grössten Tennisspielerinnen ihrer Generation.
Ein Wimbledon-Titel fehlt Hingis noch
Ganz losgelassen hat Martina Hingis Wimbledon nie: Auch heute kehrt sie regelmässig auf den heiligen Rasen zurück – bei den Invitationals, dem Turnier für ehemalige Tennisgrössen.
«Ich spiele dieses Jahr erstmals im Mixed-Doppel mit Tommy Haas. Das ist immer noch der Titel, den ich bisher nicht habe, und hoffentlich können wir ihn dieses Jahr holen», sagt Hingis.
Wer weiss: Vielleicht erlebt ihre Tochter ihre Mutter dieser Tage mit einem Pokal in der Hand auf dem Wimbledon-Rasen. «Der Standard ist ziemlich hoch: Sie kennt jetzt Roland Garros und Wimbledon und denkt, die Tenniswelt besteht nur daraus.»
Heisst das, dass die 7-jährige Tochter schon bald in die Fussstapfen ihrer berühmten Mutter tritt? «Das ist noch ein sehr weiter Weg, aber ich versuche, ihr die Freude am Tennis zu vermitteln.»