Inmitten des urbanen Rauschens von Basel, wo Züge rattern und der Stadtalltag pulsiert, erklingen im Probelokal des Restaurants «Bundesbahn» ungewohnte Töne: 17 Frauen jodeln hier mit vollem Einsatz.
Unter der präzisen und doch herzlichen Leitung der erfahrenen Dirigentin Marianne Smug wird an jedem Ton gefeilt. «Jetzt chön mer scho glii as Fescht!», scherzt sie nach einem gelungenen Durchgang. Der Fleiss ist gross, die Detailarbeit intensiv.
Der Chor hat eine besondere Geschichte: Es ist der älteste Frauenjodelchor der Schweiz. Die Geburtsstunde des «1. Frauen-Jodel-Chörli Basel» schlägt mitten im Zweiten Weltkrieg, am 12. Februar 1942. In einer Zeit, in der die Jodelszene eine reine Männerdomäne war, fassten ein paar visionäre Frauen einen Entschluss, der die Schweizer Kulturlandschaft für immer verändern sollte: Sie gründen den ersten reinen Frauenjodelclub des Landes.
«Das war in den Kriegsjahren. Davor habe ich heute noch riesigen Respekt», bewundert die heutige Präsidentin Monika Müller den Mut der Gründerinnen. Dass sie sich erlaubt hätten, in dieser schwierigen Zeit hinzustehen und alte Traditionen aufzubrechen. Sie liessen sich nicht aufhalten und ergatterten schon 1944 den ersten Radioauftritt – damit ebneten sie den Weg für Generationen von Jodlerinnen.
Die Kraft des Zusammenhalts
Da es anfangs überhaupt keine Notenliteratur für reine Frauenchöre gab, mussten sich die Baslerinnen durchbeissen. Musikalisch unterscheidet sich der reine Frauensatz stark vom klassischen Männerchor: Ein guter Jodler hat einen viel grösseren Stimmumfang als eine Jodlerin.
In der Zwischenzeit gibt es jedoch viele gute Komponisten, die auch Stücke schreiben, die in reinen Frauenjodelchören funktionieren.
«Man schaut zueinander und trägt einander Sorge», beschreibt die Jodlerin Marlene Jauslin die einzigartige Dynamik. Dirigentin Marianne Smug leitete viele Jahre auch Männer-Jodelchöre. «Da ist schon anders», sagt sie. «In den meisten Vereinen geht es härter und rauer zu und her.»
Tradition, die aufblüht
Wenn die Frauen Ende Juni auf dem Eidgenössischen Jodlerfest auf die Bühne treten, haben sich die Sängerinnen ausserdem ein echtes Highlight einfallen lassen: Als musikalische Liebeserklärung an ihre Heimat haben sie extra für das Eidgenössische Jodlerfest die Basler Hymne «Z'Basel am mym Rhy» umgeschrieben. Ein Auftritt, der beim Heimpublikum garantiert für Gänsehaut sorgen wird.