Die Barbesitzerin Johanna von Ott aus Chur weiss genau, was sie will: Einen Mann fürs Leben, mit dem sie eine Familie gründen kann. Nach unzähligen Enttäuschungen mit Dating-Apps hat sie rund 5000 Franken in einen Jahresvertrag bei einer Partnervermittlungsagentur investiert.
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Bild 1 von 6. Johanna von Ott wünscht sich einen Partner fürs Leben. Sie möchte eine Familie gründen. Dating-Apps benutzt sie keine mehr. Sie hat zu viele Enttäuschungen erlebt. Bildquelle: SRF.
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Bild 2 von 6. Johanna von Ott bespricht mit ihrer Matchmakerin, Christine Stegmann, Vortellungen und Erwartungen an einen Partner und Dealbreaker. Bildquelle: SRF.
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Bild 3 von 6. Matchmakerin Christine Stegmann hält Grösse, Haarfarbe, Wunschvorstellungen und Dealbreaker der Kundin fest und notiert, wie bisherige Beziehungen verlaufen sind. Bildquelle: SRF.
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Bild 4 von 6. Das Auftreten spiele eine wichtige Rolle im Dating, erklärt Matchmakerin Christine Stegmann. Eine Stilberatung ist bei ihr inklusive. Bildquelle: SRF.
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Bild 5 von 6. Johann von Ott führt ein aktives Leben. Sie reitet und teilt sich mit Freundinnen ein Pferd. Ihr Hund Happy ist immer an ihrer Seite. Bildquelle: SRF.
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Bild 6 von 6. Ihr Arbeitsalltag als Barbetreiberin ist intensiv. Die Bar ist sieben Tage die Woche offen. Bildquelle: SRF.
«Meine Mama hat vor 20 Jahren ihren jetzigen Mann auch so gefunden. Und da dachte ich, ich gebe dem Matchmaking eine Chance», sagt sie. Von Ott führt eine Bar, die sieben Tage die Woche geöffnet ist. Sie hat einen Hund und ein Pferd – da bleibt nicht viel Zeit, um sich auch noch um die Partnersuche zu kümmern.
Wunschkriterien und Dealbreaker
Von Ott trifft ihre Matchmakerin, Christine Stegmann, persönlich in Süddeutschland. In einem mehrstündigen Gespräch geht es zuerst darum, Wunschkriterien und Dealbreaker für den «Mr. Right» zu definieren.
Von Otts Erwartungen sind unmissverständlich: «Wenn er nicht besser ist als ich, funktioniert das nicht.» Ein Gentleman soll er sein, beruflich erfolgreich, einer, der die Initiative ergreift. Er darf nicht viel kleiner sein als sie und muss später als Vater in der Familie präsent sein.
Unrealistische Erwartungen
Für Matchmakerin Christine Stegmann sind die Erwartungen ihrer Kundinnen und Kunden an eine Partnerin oder einen Partner eine Herausforderung. Denn ein verlässliches Matching könne nur funktionieren, wenn die eigenen Ansprüche und die eigene Attraktivität auf dem Partnermarkt in einer gesunden Balance stehen. Sind die Erwartungen unrealistisch, sei es ihre Aufgabe, dies ihrer Kundschaft zu sagen: «Ich glaube, dass der Prozess des Matchmakings für die Kundinnen und Kunden auch eine Reise zu sich selbst ist.»
Männer seien generell die einfacheren Kunden, sagt Stegmann. Doch ihr falle auf, dass sich fast alle Kunden jüngere Frauen wünschen – manche sollten gar 20 oder 30 Jahre jünger sein als sie selbst. «Das geht dann auch mir zu weit», erklärt sie. «Das geht in eine falsche sexuelle Richtung.» Solche Age-Gap-Fantasien möchte sie nicht unterstützen und hat deswegen auch schon Kunden abgelehnt.
Bei den Frauen sei oft die Kinderfrage ein Thema und könne zur Hürde in der Partnervermittlung werden: Viele erfolgreiche Frauen um die 40 wollten einen ebenfalls erfolgreichen Partner ohne eigene Kinder, um dann mit ihm eine Familie zu gründen, sagt die in der Schweiz tätige Matchmakerin Elena Sachs. Das ist ihrer Meinung nach eine unrealistische Vorstellung. Solche Frauen nehme sie als Kundinnen nur an, wenn sie für Männer offen seien, die bereits Kinder hätten.
30'000 Dollar für internationalen Match
Auch der Kryptounternehmer Christophe Diserens gibt sein Liebesglück in die Hände einer Matchmakerin. Er zahlt rund 25'000 Franken für einen Vertrag bei einer global tätigen Partnervermittlungsagentur in Dubai. Zuvor habe er neben seiner Arbeit stundenlang geswiped – aber die perfekte Partnerin nicht gefunden.
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Bild 1 von 3. Christophe Diserens ist Kryptounternehmer und lebt abwechselnd in Lausanne und Dubai. Er wünscht sich eine Frau, mit der er eine Familie gründen kann. Bildquelle: SRF.
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Bild 2 von 3. Diserens will keine kostbare Zeit auf Dating-Apps verlieren. Das tägliche Swipen und Schreiben sei quasi ein Vollzeitjob, sagt er. Bildquelle: SRF.
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Bild 3 von 3. Der Krypto- und Kunstkenner hat einen Vertrag über 30'000 Dollar mit einer Matchmakerin in Dubai abgeschlossen. Sie filtert potenzielle Partnerinnen für ihn und organisiert jeweils das erste Date. Bildquelle: SRF.
Eine erfolgreiche Suche mit Dating-Apps wäre für ihn ein Vollzeitjob, ist der Startup-Gründer überzeugt. Das lohne sich nicht: «Ich verdiene deutlich mehr als 200, 300 Franken pro Stunde.» So gerechnet, verdiene er sein Investment in die Matchmakerin schnell wieder zurück. «Wenn ich 15 Stunden pro Woche für die Partnersuche aufwende, kostet es mich mindestens 5'000 Franken pro Woche.»
«Man wird nicht verarscht»
Seine Matchmakerin filtert potenzielle Matches, schlägt ihm handverlesene Frauen vor und bucht sogar den Tisch im Restaurant fürs erste Date. Christophe Diserens muss nur noch erscheinen. «Ich weiss dann, dass die Frau da sein wird, dass sie auch Interesse an einer Beziehung hat und es keine Verarschung ist.» Er muss also nicht wie bei den Apps lange hin- und herschreiben, sondern kann direkt beim persönlichen Treffen entscheiden, ob es funkt oder nicht.
Bei einer möglichen Partnerin, die ihm schon vermittelt worden sei, habe eigentlich alles gepasst. Sie hätten sich sehr gut verstanden, doch sei sie mit etwas mehr als 40 Jahren zu alt für ihn gewesen. Er wolle noch eine Familie gründen, so der Unternehmer.
Hohe Verbindlichkeit
Persönliches Matchmaking bietet einen entscheidenden psychologischen Vorteil gegenüber Apps: Da zumindest eine Partei viel Geld investiere, sei die Verbindlichkeit höher, so die Begründung von Matchmakerinnen. Das Phänomen des «Ghostings» – das plötzliche, kommentarlose Abtauchen – gibt es praktisch nicht.
Nach jedem Date holen professionelle Partnervermittler Feedback von beiden Seiten ein. Passt es nicht, wird analysiert, woran es lag, und der Prozess geht von vorn los. Für die Kundschaft fühlt sich die Suche dadurch behüteter, respektvoller und deutlich würdevoller an.
Falsche Versprechungen
Wo viel Hoffnung und Geld im Spiel sind, ist die Gefahr, enttäuscht zu werden, entsprechend gross. Auf dem internationalen Markt können Vermittlungsverträge bis zu einer halben Million Dollar kosten. Christine Stegmann warnt vor unseriösen Praktiken in ihrer Branche und berichtet von verzweifelten Singles, die Zehntausende Euro an dubiose Agenturen im Ausland verlieren, die ihnen das Blaue vom Himmel versprechen.
So werben Matchmakerinnen gerne mit beeindruckenden Erfolgsquoten. Elena Sachs spricht von einer rund 90-prozentigen Wahrscheinlichkeit auf Erfolg, während Christine Stegmann diese auf etwa 60 Prozent beziffert.
Wer genauer hinsieht, merkt schnell, dass der Begriff «Erfolg» dehnbar ist. Oft gilt ein Match bereits als erfolgreich, wenn zwei Personen ein paar Wochen lang regelmässig Dates haben. Ob daraus die Liebe des Lebens wird, weiss niemand. Mit Vertragsende enden meistens auch die Beziehungen zwischen Matchmakerinnen und ihren Kundinnen und Kunden.
Liebe kann man nicht kaufen
Ist Matchmaking also Abzocke? Nein, zumindest nicht, wenn man an eine seriöse Agentur gerät, die das Handwerk mit Transparenz und ehrlicher Beratung ausübt. Für gestresste, beruflich stark eingespannte Singles oder jene, die unter einem akuten Dating-App-Burn-out leiden, kann es eine komfortable und nervenschonende Alternative sein.
Trotzdem bleibt das Investment mit Risiko verbunden. Man bezahlt für die Dienstleistung, die Organisation und den Zugang zu einem möglicherweise exklusiven Netzwerk – nicht für eine Garantie auf die Traumhochzeit. Dating ist ein menschliches Abenteuer. Ob es beim ersten physischen Treffen knistert, kann auch die beste und teuerste Matchmakerin nicht garantieren.
So verlief auch Johanna von Otts Treffen mit einem erfolgreichen Geschäftsmann aus Nürnberg im Sande: Zwar stimmte die Harmonie, doch der entscheidende romantische Funke fehlte. Die Suche beginnt von vorn.