Schwer atmende Rinder stehen in der prallen Sonne bei hohen Temperaturen. Schattenplätze gibt es in ihrem Feedlot in Uruguay keine. Das zeigen aktuelle Aufnahmen des Tierschutzbunds Zürich, die «Kassensturz» vorliegen. Spuren führen bis in Schweizer Fleischregale.
Rasche Gewichtszunahme
Feedlots sind intensive Mastanlagen für Rinder, wo diese zwar draussen sind – aber nicht auf einer Wiese, sondern auf Erde. Hier werden die Rinder die letzten 100 bis 200 Tage ihres Lebens mit viel Kraftfutter gemästet. Das Ziel: eine rasche Gewichtszunahme und eine bestimmte Fettmarmorierung im Fleisch.
Knietief im Fäkalschlamm
Sabrina Gurtner vom Tierschutzbund Zürich hat die Zustände in 16 Feedlots in Uruguay und Argentinien dokumentiert. Es handle sich nicht um Einzelfälle, betont die Tierschützerin: «Wir haben die Feedlots rein zufällig ausgewählt und bei jedem Einzelnen gravierende Missstände festgestellt.»
Die dokumentierten Zustände lägen zudem «weit unter Schweizer und europäischen Tierschutzanforderungen». Besonders schockiert habe sie, dass die Rinder nach Regenfällen «knietief im Fäkalschlamm stehen und sich kaum fortbewegen können».
Entzündungserscheinungen und Abszesse
Dazu komme eine Fütterung mit meist 70 Prozent Kraftfutteranteil oder mehr. Auch das kritisiert Sabrina Gurtner als nicht artgerecht. So viel Kraftfutter sei aus tiermedizinischer Sicht problematisch, bestätigt auch Judith Peter-Egli, Veterinärin und Leiterin Rindergesundheit Schweiz.
Rinder müssten wiederkäuen können, damit der Magen und das ganze Tier gesund bleibe: «Sie brauchen Futter, das Fasern enthält.» Sonst könne es Entzündungserscheinungen und Abszesse geben. In der Schweizer Rindermast sei ein solch hoher Kraftfutteranteil deshalb nicht üblich.
Auch der fehlende Witterungsschutz bei höheren Temperaturen, kombiniert mit verschmutztem und unzureichendem Trinkwasser, sei gemäss Veterinärin Judith Peter-Egli «wirklich ein Tierwohlproblem». Hitzestress könne bei Rindern bereits unter 20 Grad beginnen.
Import vorerst gestoppt
«Kassensturz» liegen auch Aufnahmen aus dem Feedlot-Betrieb Il Teamkonto aus Uruguay vor. Von diesem gelangt über einen Schlachthof auch Fleisch in die Schweiz. Aufnahmen zeigen: Auch hier stehen die Tiere im Fäkalschlamm, die Wassertröge sind verschmutzt und halb leer, und der Witterungsschutz – wenn überhaupt vorhanden – ist beschädigt.
Der Schweizer Importeur A+C Delikatessen, der Detailhändler mit Feedlotfleisch von diesem Schlachthof beliefert, schreibt «Kassensturz»: Il Tramonto werde einer unabhängigen Überprüfung unterzogen, und: «Bis zum erfolgreichen Abschluss dieses Verfahrens wird ab sofort kein Fleisch aus dem Feedlot Il Tramonto in die Schweiz geliefert.»
Nur kleine Import-Menge
Alle angefragten Detailhändler betonen, das Tierwohl sei ihnen wichtig und alle gesetzlichen Vorgaben würden eingehalten. Diejenigen Detailhändler, die Feedlotfleisch verkaufen, halten gegenüber «Kassensturz» fest, dass sie vor allem Fleisch aus Weidehaltung importieren würden und Feedlotfleisch nur in sehr kleinen Mengen (siehe Box «Das sagen Detailhändler»).
Eine Deklarationspflicht für Feedlotfleisch gibt es trotz Forderungen von Tierschützerinnen und Tierschützern nach wie vor nicht.