Wenn man in Wimbledon als Zuschauer durch Gate 5 auf die Anlage schlendert, sticht einem zuerst der majestätische Centre Court ins Auge. Das durch die Pflanzen in grün gekleidete Stadion, die lila Blumen, vielleicht fällt einem auch noch der Wimbledon Shop im Erdgeschoss auf.
Was aber sicher niemand bemerkt, ist das kleine und unscheinbare Häuschen gleich links neben dem Eingang. Erst wer genauer hinschaut, entdeckt die Zahl «8» – auf einem Schild, in Form einer Pflanze.
Hier befindet sich der sogenannte «Last 8 Club». Es ist ein unspektakulärer Raum, die Gästeliste ist aber umso illustrer. Zugang erhält hier nur, wer in Wimbledon seine Spuren hinterlassen hat. «Alle Spieler, die hier einmal im Einzel den Viertelfinal, im Doppel den Halbfinal oder im Mixed den Final erreicht haben, werden hier automatisch Mitglied», erklärt John Feaver, der Manager des exklusiven Klubs.
Nur die Sieger zählen? Nicht in Wimbledon!
Dieser feiert heuer sein 40-jähriges Bestehen. Die Gründung geht auf Buzzer Hadingham zurück. Dem ehemaligen Vorsitzenden des All England Lawn Tennis and Croquet Club war es ein Dorn im Auge, dass bei Grand-Slam-Turnieren stets nur die Sieger in Erinnerung blieben. So dürfen nun auch jene auf die Anlage, die zwar erfolgreich gespielt haben, die Trophäe am Schluss aber nicht nach Hause nehmen konnten.
820 Mitglieder zählt der «Last 8 Club» mittlerweile, darunter 7 Schweizerinnen und Schweizer. Seit ihrem Viertelfinaleinzug vor 5 Jahren gehört auch Viktorija Golubic dazu. «Ich bin sehr, sehr stolz darauf, hier in einer Form verewigt zu sein. Ich habe damals einen offiziellen Brief nach Hause geschickt bekommen, ich habe mich sehr royal gefühlt», erzählt die Zürcherin in Wimbledon lachend.
Im kleinen, aber schmucken Klubhaus treffen sich ehemalige und aktive Tennisgrössen. Es wird über alles mögliche geplaudert – nur das (Preis-)Geld, das spiele hier keine Rolle, sagt Klubmanager Feaver. Beliebt sei auch die Happy Hour, die täglich um 18 Uhr stattfindet. «Spätestens nach zwei, drei Gläsern Wein werden die guten, alten Geschichten ausgepackt», lacht der ehemalige Tennisprofi, der selbst als Spieler in Wimbledon teilnahm.
Ticket-Verlosung um die Mittagszeit
Als Mitglied erhält man für sich und einen Gast einen sogenannten «Groundspass», mit dem man sich frei auf der Anlage bewegen und die Spiele auf den Aussenplätzen verfolgen kann. Für den Centre Court und Court 1 gelten diese Pässe nicht. Doch auch bei diesem Problem schafft der «Last 8 Club» Abhilfe – zumindest für einige Mitglieder.
Ich werde sicher davon Gebrauch machen und ein bisschen Prosecco trinken und Tennis schauen.
«Wir verlosen jeden Tag um 12 Uhr je 6 Tickets für die beiden grossen Plätze. Die Members müssen sich persönlich einschreiben, ich ziehe die Gewinner dann mittels Chips aus einem Hut. Es ist jedes Mal spannend zu sehen, wer ein Ticket erhält und wer nicht.» Die Meriten der jeweiligen Teilnehmer spielen dabei keine Rolle.
Auch Golubic freut sich jetzt schon darauf, hierher zurückzukehren. Dann, wenn sie nicht mehr als Spielerin, sondern als Fan nach Wimbledon reisen wird. «Ich werde sicher davon Gebrauch machen und ein bisschen Prosecco trinken und Tennis schauen», lacht die 33-Jährige. Der «Last 8 Club» macht's möglich.