Näher am Tennismekka als Arthur Fery ist kaum je ein Wimbledon-Teilnehmer aufgewachsen. Und so waren die Freudenschreie des Publikums am Samstag, als Fery auf Court 18 seinen Sechzehntelfinal gegen Zizou Bergs gewann, möglicherweise auch in Ferys einstiger Nachbarschaft zu hören.
Britische Medien und die Wimbledon-Veranstalter sprechen bereits von einem «Ferytale», angelehnt an «Fairytale» (Märchen). Dass Fery heuer bereits unter den Augen von Prinzessin Kate spielte, passt perfekt dazu.
Der Vorstoss des 23-Jährigen in den Achtelfinal kam unerwartet. Die Weltnummer 114 flog bisher weitgehend unter dem Radar. Zweimal an Grand-Slam-Turnieren die 1. Runde zu überstehen (Wimbledon 2025, Melbourne 2026), war bisher das höchste der Gefühle für Fery, der Nick Kyrgios als sein Vorbild bezeichnet.
33 Jahre nach Foster
Doch nun ist er nach Andrew Foster im Jahr 1993 der erst zweite britische Wildcard-Inhaber in der Geschichte, der an einem Major die Achtelfinals erreichte. «Das ist für mich eine grossartige Geschichte», sagte er, nachdem er nach dem gewonnenen Match gegen Bergs vor Glück auf den Rasen gesunken war.
Und die Chancen sind intakt, dass ihn der Weg noch weiter führt: Sein Gegner am Montag ist der Bulgare Grigor Dimitrov, ebenfalls Wildcard-Inhaber und als ATP-Nummer 146 noch 32 Plätze hinter Fery klassiert.
Für das Heimpublikum ist er auch die letzte Hoffnung in den Einzelwettbewerben. Reihenweise waren die Britinnen und Briten in der ersten Woche ausgeschieden, die Aushängeschilder Jack Draper und Emma Raducanu wegen Verletzungen gar nicht erst angetreten.
Französische Wurzeln, US-Ausbildung
Dass Fery Tennis spielen kann, hat er mit einem Turniersieg 2025 auf der Challenger-Tour schon gezeigt. Massgeblich vorwärts gebracht hat ihn nach eigenen Aussagen das Tennisprogramm an der US-Universität Stanford, wo er drei Jahre lang spielte. «Das half mir, reifer zu werden, und verschaffte mir Zeit ohne allzu grossen Druck.»
Und über einen familiären Vorteil verfügt der in Sèvres bei Paris geborene Sohn französischer Eltern auch: Seine Mutter Olivia Féry war ebenfalls Tennisprofi und trat (damals unter ihrem Mädchennamen Gravereaux) unter anderem 1991 in der Doppelkonkurrenz der French Open an.