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Neues Krebs-Medikament Revolutionärer Durchbruch bei einer der tödlichsten Krebsarten

Pankreaskrebs – also Krebs an der Bauchspeicheldrüse – gehört zu den tödlichsten Krebsarten. In der Schweiz erkranken jährlich 1800 Menschen an der Krankheit. Jetzt gibt es Grund zur Hoffnung. Bei einer wichtigen Fachkonferenz wurde ein neues Medikament vorgestellt, das die Überlebenszeit verdoppelt. 

Irène Dietschi

Wissenschaftsredaktorin

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Irène Dietschi ist langjährige, mehrfach ausgezeichnete Wissenschaftsjournalistin. Seit 2017 arbeitet sie als Redaktorin bei der SRF-Fachredaktion Wissenschaft.

Warum sind die Onkologinnen und Onkologen so begeistert? 

Bei Bauchspeicheldrüsen- oder Pankreaskrebs suchen Forschende seit Jahrzehnten nach einem neuen Ansatz, da dieser Krebs sehr schwer behandelbar ist. Und jetzt hat man ihn gefunden, mit einer gezielten molekularen Therapie: Das Medikament Daraxonrasib hemmt ein bestimmtes Protein, das sogenannte KRAS-Protein. Dieses Protein kann mutieren. So kommt es zu unkontrollierter Zellteilung, es entsteht ein Tumor. Dass es gelungen ist, bei KRAS anzusetzen und das Protein zu blockieren, ist wirklich bahnbrechend, denn in der Krebsforschung hat man das schon lange versucht. Am amerikanischen Onkologie-Kongress ASCO in Chicago gab es bei der Präsentation Standing Ovations. 

Die Studie

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Im Rahmen einer internationalen Phase-III-Studie überlebten Bauchspeicheldrüsenkrebs-Erkrankte mit dem neuen Medikament Daraxonrasib doppelt so lange im Vergleich zu Patientinnen und Patienten, die stattdessen mit einer Chemotherapie behandelt wurden. 500 Frauen und Männer aus mehreren Ländern nahmen an der Studie teil. Die eine Hälfte wurde mit Chemotherapie behandelt, die andere Hälfte mit Daraxonrasib. Die Studienergebnisse wurden am jährlichen Meeting der American Society of Clinical Oncology (ASCO) vorgestellt und zugleich im Fachjournal «New England Journal of Medicine» veröffentlicht.

Ist diese Begeisterung gerechtfertigt? 

Ich denke ja, das zeigen die Studienresultate:  Daraxonrasib hat die Überlebenszeit von Erkrankten, die schon eine Chemotherapie hinter sich haben, mehr als verdoppelt, von sechs auf 13 Monate. Das tönt nach wenig, kann aber für Betroffene einen grossen Unterschied bedeuten – um sich letzte Wünsche zu erfüllen, seine Sachen zu regeln und in Würde Abschied zu nehmen. 

Was auch Grund zur Hoffnung gibt: Das KRAS-Protein ist kein seltenes Molekül, sondern es ist der zentrale Treiber von 90 Prozent aller Pankreas-Krebsarten. 

Wie ist dieser Durchbruch in der Forschung gelungen? 

Hinter dem Durchbruch steht das kalifornische Startup Revolution Medicines. Das Unternehmen hat sich auf «Targeted Therapies», auf zielgerichtete Therapien in der Onkologie spezialisiert, dabei fokussieren sie speziell auf sogenannte RAS-Inhibitoren; das erwähnte KRAS ist eine Untergruppe der RAS-Proteine. RAS sind sogenannte Protoonkogene, die, wenn sie mutiert sind, das Wachstum von Tumorzellen begünstigen. Von RAS-Inhibitoren dürfte man künftig noch viel hören. 

Was ändert sich jetzt für Betroffene? 

Die Forscher hoffen natürlich, dass sie auf den Erkenntnissen aufbauen und weitere Fortschritte erzielen werden. Ein Problem ist, dass das KRAS-Protein mit der Zeit resistent wird gegen seinen Inhibitor. Man wird also daran arbeiten, diese Resistenz-Entwicklung zu verhindern oder zumindest hinauszuzögern, um die Wirkung des Medikaments zu verlängern.

Der Ansatz könnte auch bei anderen Krebsarten funktionieren, sagen Forschende. Was ist da dran?

Theoretisch wirkt Daraxonrasib auch bei anderen Tumoren, vor allem beim kleinzelligen Lungenkrebs und bei Dickdarmkrebs. Auch diese Krebsarten sind von RAS-Mutationen getrieben, also von ähnlichen molekularen Mechanismen wie Bauchspeicheldrüsenkrebs. Aber die Resultate aus der jetzt vorliegenden Studie sind nicht einfach übertragbar. Für jede Indikation braucht es eine neue Studie, um die Wirkung sauber zu untersuchen. 

Wann können Patientinnen und Patienten in Europa und der Schweiz mit dem Medikament rechnen? 

In den USA gibt es schon eine Notfallzulassung, das Medikament ist begrenzt verfügbar. Entscheidend wird sein, wie schnell Daraxonrasib in den USA und dann in Europa formell zugelassen wird. Das könnte auch den Zulassungsprozess in der Schweiz beschleunigen, hier ist Swissmedic zuständig. Aber es wird sicher viele Monate noch dauern.

SRF 4 News 2.6.2026, 16:00 Uhr ; 

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