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Landwirtschaft im Wasserstress Wenn die Wiese braun wird: Bauern rüsten sich für den Klimawandel

Mal fehlt es, mal ist es zu viel: Wasser wird für die Landwirtschaft zur immer grösseren Herausforderung. Mit alten und neuen Ansätzen versuchen Landwirtinnen und Landwirte darum vermehrt Wasser zurückzuhalten und zu verteilen.

Aktuell ist es in weiten Teilen der Schweiz extrem trocken. Auch bei Landwirt Urs Burri im luzernischen Napfgebiet. Auf seinem Hof Elbach bewirtschaftet er hauptsächlich Grasland für seine Kühe. Doch genug Heu für den Winter herzustellen, wird mit dem Klimawandel immer herausfordernder.

«Der Regen ist heute viel schlechter verteilt», sagt Burri, «wir haben in kurzer Zeit sehr viel Wasser, dann lange nichts». Scheint die Sonne, ist es sofort extrem heiss. Kombiniert mit dem warmen Wind, trocknet der Boden rasch aus, so wie jetzt.

Als Landwirt bekommt er das 1:1 zu spüren. Sein Einkommen hängt davon ab, wie das Jahr verläuft, ob er Futter zukaufen muss oder nicht. Darum hat Urs Burri vor zweieinhalb Jahren gehandelt. Er hat die ersten Versickerungsgräben angelegt. Diese, auch Keylines genannten Gräben, befinden sich weiter oben an den Hängen. Regnet es, füllen sie sich rasch mit Wasser. Das puffert starke Niederschläge ab und verringert die Erosion. Zudem versickert das Wasser im Graben langsam im Boden.

Wasser halten statt verlieren

Diesen Frühling dann legte Urs Burri einen Rückhalteteich, ein Reservoir und spezielle Drainageleitungen an. Auch sie sollen Wasser auffangen, für Trockenzeiten speichern und verteilen. Funktionieren tut das so: An das Reservoir und den Teich angeschlossen sind Rohre mit Löchern. Wenn nötig, kann Urs Burri diese öffnen und so die Hänge unterhalb der Rohre bewässern, damit das Gras nicht braun wird.

Forschung mit an Bord

Die Massnahmen auf Urs Burris Hof sind Teil des Projekts «Slow Water» des Bundesamts für Landwirtschaft. Insgesamt beteiligen sich 110 Betriebe in den Kantonen Luzern, Basel-Stadt und Basel-Landschaft daran. Sie alle setzen verschiedene Massnahmen um, von Versickerungsmulden über Zwischensaaten bis zu Bäumen und Hecken.

Wissenschaftlich begleitet wird all das von den beiden Hydrogeologen Oliver Schilling und Paul Southard von der Universität Basel. Sie sollen herausfinden, wie viel jede einzelne Massnahme bringt. Also um wie viel sich die Bodenfeuchte erhöht und sich Abflussspitzen verringern.

Wo liegen die Betriebe, die mitmachen?

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Es sind Gebiete mit Karstgestein im Jura oder Nagelfluh im Napfgebiet, wo Wasser rasch versickert. Wo es darum an vielen Stellen auch kein Grundwasser gibt und wo Quellen schnell versiegen, wenn es trocken ist.

Zudem gibt es keine grösseren Gewässer, die man anzapfen kann. Aus den kleineren Fliessgewässern darf bei Trockenheit kein Wasser mehr entnommen werden. Es gibt also keine Alternativen an Wasser zu kommen, wenn der Niederschlag im Sommer fehlt. Darum ist es dort besonders wichtig, Wasser zurückzuhalten und im Boden zu speichern.

Dafür haben sie dutzende Sensoren installiert, die Niederschlag, Bodenfeuchte, Pegelstände und Abflüsse messen. Und sie rechnen mit Modellen, um die Ergebnisse auf andere Gebiete zu übertragen. «Unser Ziel ist, schweizweit für Landwirtschaftszonen eine Karte zu erstellen, um abzuschätzen, wie wichtig eine Massnahme sein kann», sagt Oliver Schilling. Denn der Effekt unterscheidet sich je nach Gestein, Boden, Hydrologie, Neigung und Exposition.

Andrang und Not sind gross

«Das Interesse an diesen Informationen ist gross», sagt der Hydrogeologe Schilling. Viele Betriebe und Kantone wollen wegen der zunehmenden Trockenheit und häufigeren Starkniederschlägen Massnahmen umsetzen. Einige seien auch bereits aktiv. Schilling selbst betreut ein weiteres Projekt im Seeland: Dort soll die Nutzung von Grundwasser besser organisiert werden, um die Bewässerung für den intensiven Gemüseanbau zu sichern.

Wasserverbrauch der Landwirtschaft nimmt zu

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Mit zunehmender Erwärmung steigt der Bewässerungsbedarf der Landwirtschaft. Um wie viel genau, sei jedoch schwierig abzuschätzen, sagt die Hydrologin Petra Schmocker-Fackel vom Bundesamt für Umwelt. Mit ein Grund ist, dass man gar nicht wisse, wie viel Wasser heute für die Bewässerung genutzt werde. Es gibt lediglich Schätzungen, aus Befragungen und von Modellen, doch genau wisse man es nicht.

Bisher war das im Wasserschloss Schweiz nicht wichtig, heute ist das anders. Darum laufen beim Bundesamt für Umwelt derzeit verschiedene Projekte und Abklärungen, um diese Datenlücke zu schliessen. Auch für die Industrie, wo man die genauen Zahlen ebenfalls nicht kennt. Wichtig ist das für mögliche Wasserknappheit im Sommer, sagt Schmocker-Fackel: «Wenn ich weiss, wie viel die Landwirtschaft, die Industrie, die Kraftwerke und die Trinkwasserversorgung brauchen, dann kann ich entscheiden oder priorisieren, wer wie viel Wasser bekommt.»

Landwirt Urs Burri denkt derweil bereits über den nächsten Schritt nach: Er will Regenwasser vom Dach sammeln. Und so noch besser auf sehr trockene Perioden, wie gerade jetzt, vorbereitet zu sein.

Echo der Zeit, 22.06.2026, 18:00 Uhr

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