Aktuell ist es in weiten Teilen der Schweiz extrem trocken. Auch bei Landwirt Urs Burri im luzernischen Napfgebiet. Auf seinem Hof Elbach bewirtschaftet er hauptsächlich Grasland für seine Kühe. Doch genug Heu für den Winter herzustellen, wird mit dem Klimawandel immer herausfordernder.
«Der Regen ist heute viel schlechter verteilt», sagt Burri, «wir haben in kurzer Zeit sehr viel Wasser, dann lange nichts». Scheint die Sonne, ist es sofort extrem heiss. Kombiniert mit dem warmen Wind, trocknet der Boden rasch aus, so wie jetzt.
Als Landwirt bekommt er das 1:1 zu spüren. Sein Einkommen hängt davon ab, wie das Jahr verläuft, ob er Futter zukaufen muss oder nicht. Darum hat Urs Burri vor zweieinhalb Jahren gehandelt. Er hat die ersten Versickerungsgräben angelegt. Diese, auch Keylines genannten Gräben, befinden sich weiter oben an den Hängen. Regnet es, füllen sie sich rasch mit Wasser. Das puffert starke Niederschläge ab und verringert die Erosion. Zudem versickert das Wasser im Graben langsam im Boden.
Wasser halten statt verlieren
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Bild 1 von 4. Keyline. Eine Keyline ist ein rund 40 Zentimeter tiefer Graben, in dem sich Regenwasser sammelt. Diese hier läuft auf beiden Seiten des Hügels entlang und führt das Wasser von links und rechts zum Rücken. Bildquelle: Paul Southard.
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Bild 2 von 4. Rückhalteteich. Der Rückhalteteich soll den Hof unter anderem vor Überschwemmungen schützen. Denn schon zweimal stand der Keller von Urs Burri nach Starkniederschlägen unter Wasser. Bildquelle: SRF / Felicitas Erzinger.
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Bild 3 von 4. Reservoir. Das Reservoir wird von zwei Quellen gespiesen und fasst 1500 Liter. Dieses Wasser kann gezielt in Rohre mit Löchern geleitet werden, um den Hang zu bewässern. Bildquelle: SRF / Felicitas Erzinger.
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Bild 4 von 4. Rohre. Erst kürzlich hat Urs Burri die neuen Drainagerohre mit den Löchern im Boden verlegt. Sie liegen unter der Erde, entlang des Streifens, wo kein Gras wächst. Bildquelle: SRF / Felicitas Erzinger.
Diesen Frühling dann legte Urs Burri einen Rückhalteteich, ein Reservoir und spezielle Drainageleitungen an. Auch sie sollen Wasser auffangen, für Trockenzeiten speichern und verteilen. Funktionieren tut das so: An das Reservoir und den Teich angeschlossen sind Rohre mit Löchern. Wenn nötig, kann Urs Burri diese öffnen und so die Hänge unterhalb der Rohre bewässern, damit das Gras nicht braun wird.
Forschung mit an Bord
Die Massnahmen auf Urs Burris Hof sind Teil des Projekts «Slow Water» des Bundesamts für Landwirtschaft. Insgesamt beteiligen sich 110 Betriebe in den Kantonen Luzern, Basel-Stadt und Basel-Landschaft daran. Sie alle setzen verschiedene Massnahmen um, von Versickerungsmulden über Zwischensaaten bis zu Bäumen und Hecken.
Wissenschaftlich begleitet wird all das von den beiden Hydrogeologen Oliver Schilling und Paul Southard von der Universität Basel. Sie sollen herausfinden, wie viel jede einzelne Massnahme bringt. Also um wie viel sich die Bodenfeuchte erhöht und sich Abflussspitzen verringern.
Dafür haben sie dutzende Sensoren installiert, die Niederschlag, Bodenfeuchte, Pegelstände und Abflüsse messen. Und sie rechnen mit Modellen, um die Ergebnisse auf andere Gebiete zu übertragen. «Unser Ziel ist, schweizweit für Landwirtschaftszonen eine Karte zu erstellen, um abzuschätzen, wie wichtig eine Massnahme sein kann», sagt Oliver Schilling. Denn der Effekt unterscheidet sich je nach Gestein, Boden, Hydrologie, Neigung und Exposition.
Andrang und Not sind gross
«Das Interesse an diesen Informationen ist gross», sagt der Hydrogeologe Schilling. Viele Betriebe und Kantone wollen wegen der zunehmenden Trockenheit und häufigeren Starkniederschlägen Massnahmen umsetzen. Einige seien auch bereits aktiv. Schilling selbst betreut ein weiteres Projekt im Seeland: Dort soll die Nutzung von Grundwasser besser organisiert werden, um die Bewässerung für den intensiven Gemüseanbau zu sichern.
Landwirt Urs Burri denkt derweil bereits über den nächsten Schritt nach: Er will Regenwasser vom Dach sammeln. Und so noch besser auf sehr trockene Perioden, wie gerade jetzt, vorbereitet zu sein.