Was zeigt die neue Studie? Deutlich mehr Starkniederschläge, Dürren, und Waldbrände – auch wenn die Menschheit die Klimaerwärmung auf 2 Grad begrenzt, könnten Extremereignisse in einem Mass zunehmen, die man im Schnitt erst bei 4 Grad Erderwärmung erwarten würde. Das zeigt eine neue Studie, an der die ETH Zürich beteiligt war.
Auch eine um 2 Grad erwärmte Welt ist kein ‹Safe Space›. Auch bei dieser Erwärmung können die Auswirkungen sehr gravierend sein.
Um welche Auswirkungen der Klimaerwärmung geht es? Die Forschenden konzentrierten sich auf die besonders heiklen Bereiche für die Menschheit. Sie simulierten, wie häufig Dürren in den Kornkammern dieser Welt werden dürften. Zudem schauten sie sich an, wie viele Starkniederschläge in den am dichtesten besiedelten Gebieten der Welt und wie viele Waldbrände in den grössten Wäldern zu erwarten sind. «Auch eine um 2 Grad erwärmte Welt ist kein ‹Safe Space›. Auch bei dieser Erwärmung können die Auswirkungen sehr gravierend sein,» sagt der ETH-Klimaforscher Erich Fischer, der an der Studie mitgearbeitet hat.
Wie kamen die Forschenden zu diesem Resultat? Sie berechneten für Dutzende verschiedene Klimaszenarien, welche Auswirkungen eine Erderwärmung um 2 Grad hätte. In knapp einem Viertel der Fälle fanden sie extreme Folgen, die im Schnitt erst bei einer doppelt so hohen Erderwärmung zu erwarten sind. Die verschiedenen Szenarien rühren daher, dass es eine Unsicherheit gibt, wie sehr sich bestimmte Parameter auf das Klimasystem auswirken.
Warum der Fokus auf 2 Grad Erwärmung? Es ist das Pariser Klimaziel von 2015, dass die Welt die Erderwärmung auf höchstens 2 Grad begrenzen soll. Dahinter steht die Hoffnung, dass dann die Folgen der Klimaerwärmung verkraftbar wären. Aktuell steht die Welt bei einer Erwärmung von rund 1.2 Grad im langjährigen Schnitt, wobei im Jahr 2024 bereits die Grenze von 1.5 Grad Erwärmung überschritten wurde.
Wir können nicht ausschliessen, dass sogar bei 2 Grad Erwärmung die Folgen deutlich ausgeprägter sind und mehr einem 4-Grad-Szenario entsprechen würden.
Wie schlimm wird eine um 2 Grad erwärmte Welt also? Hier gibt es eine grosse Unsicherheit. Im Mittelwert, also im wahrscheinlichsten Fall, sollten die Auswirkungen bei plus 2 Grad verkraftbar sein. An dieser Einschätzung ändert auch die neue Studie nichts. Die Forschenden geben aber zu bedenken, dass es nicht reiche, sich auf mittlere Szenarien abzustützen. In einer Risikobeurteilung müssten auch die Worst-Case-Szenarien betrachtet werden, appelliert Klimaforscher Erich Fischer. «Wir können nicht ausschliessen, dass sogar bei 2 Grad Erwärmung die Folgen deutlich ausgeprägter sind und mehr einem 4-Grad-Szenario entsprechen würden,» sagt Erich Fischer.
Könnte die Welt auch glimpflicher davonkommen? Ja, sagt die Studie. Es gibt auch viele Best-Case-Szenarien, in denen die Auswirkungen von 2 Grad Klimaerwärmung moderater wären, als im Schnitt erwartet wird. Das zeigt, dass es noch grosse Unsicherheiten in den Klimavoraussagen gibt. Klar ist aber auch: Mit jedem weiteren Zehntelgrad Erderwärmung steigt die Wahrscheinlichkeit, dass der Klimawandel extreme Folgen hat.
Was bedeuten die Erkenntnisse für die Schweiz? Die Studie macht keine direkte Aussage zur Schweiz. Der Co-Autor der Studie, Erich Fischer, gibt aber zu bedenken, dass gerade die Schweiz ein gutes Beispiel sei, dass auch eher unwahrscheinliche Szenarien eintreten können. Hier hat sich die Erderwärmung stärker ausgewirkt, als im Schnitt zu erwarten war. «Wir haben gesehen, dass die beobachtete Erwärmung in der Schweiz am obersten Rand des Modellbereichs abgelaufen ist,» so der ETH-Klimaforscher.