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Burnout vor 30 «Für mich war das ein Modebegriff, jetzt bin ich selbst so Eine»

Auch junge Menschen brennen früh im Berufsleben oder in der Ausbildung aus. Wie fühlt sich das an und wie unterscheidet sich ein Burnout von einer Depression?

«Du schwitzt extrem, dein Puls rast und du denkst die ganze Zeit: Scheisse, ich falle in Ohnmacht,» so beschreibt Fabienne ihre Panikattacken. Erst als diese kamen, merkte sie mit 22 Jahren, dass sie sich während der letzten Jahren Studium massiv übernommen hatte: «Ich habe meinen Körper getrieben, bis es nicht mehr ging», so die heute 24-jährige Studentin.

Legende: SRF

Und auch bei Romy kam mit 28 Jahren der Kollaps aus dem Nichts. Eine Panikattacke überkam sie an einem Mittag, nachdem sie über drei Jahre ein mittelgrosses Unternehmen geleitet hatte. «Ich hätte niemals gedacht, dass ich zu viel Stress hätte oder überarbeitet sein könnte. Das habe ich erst nach einem achtwöchigen Klinikaufenthalt und mit Therapie eingesehen.»

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Romy und Fabienne hatten ein Burnout, eine psychische Störung, die durch übermässigen Stress ausgelöst wird, sich ähnlich wie eine Depression anfühlen kann und mit einer ausgeprägten Erschöpfung einhergeht. Die Panikattacken waren wohl nur das letzte Warnsignal des Körpers, bevor beide lange zur Ruhe gezwungen wurden.

Typisch für junge Menschen

Junge Menschen hätten häufig besonders Mühe, diese Diagnose zu akzeptieren, denn sie seien in ihrer Selbstwahrnehmung energetisch häufig grenzenlos und dann sei ein Burnout ein noch herberer Rückschlag», sagt Barbara Hochstrasser. Die Fachärztin für Psychiatrie ist eine der führenden Burnout-Spezialistinnen der Schweiz.

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 «Burnout war für mich immer ein Modebegriff und ich konnte fast nicht glauben, dass ich jetzt auch so eine sein soll», beschreibt Romy ihre damalige Haltung zu Burnout.

Keine offizielle (Berufs)Krankheit

Burnout ist nach Barbara Hochstrasser kein Modebegriff, sondern eine ernstzunehmende psychische Störung. Obwohl Menschen deswegen Klinikaufenthalte machen müssen und über Jahre ambulante Therapie benötigen, zählt ein Burnout aber nicht offiziell als Krankheit. Im ICD-10, der offiziellen Klassifikation von Krankheiten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sucht man «Burnout» vergeblich.

Zu ähnlich ist die Symptomatik mit derjenigen einer Depression und auch die Quelle von Stress ist nicht immer klar im Arbeitsleben verortbar: Es können auch Väter & Mutter an einem Burnout leiden und genetische Faktoren beeinflussen auch, wie anfällig jemand für ein Burnout ist.

Trotzdem gute Datenlage

«Die meisten Studien gehen davon aus, dass weltweit um die 15% der Bevölkerung an einem Burnout leiden könnten» , so Hochstrasser. 2010 gaben in einer Befragung des Staatssekretariats für Wirtschaft (SECO) 4% an, chronisch erschöpft zu sein, also an einer schweren Form von Burnout zu leiden. Und auch Stress als zentraler Auslöser von Burnout ist in der Schweiz weit verbreitet: 27.1% gaben im Job-Stress-Index der Gesundheitsförderung Schweiz an, gestresst zu sein.

Zu jungen Menschen, die an Burnout leiden gibt es keine spezifischen Zahlen. Aber. Es sind definitiv nicht nur 50-jährige Manager:innen betroffen: «Es gibt zwei Spitzen: Junge bis 30 Jahre und dann Menschen, die zwischen 40 und 50 Jahre alt sind,» erklärt Barbara Hochstrasser.

Wie fühlt sich die extreme Erschöpfung an und wie schädigt Stress das Gehirn? All das gibt es in der Reportage.

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