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Chaoskino Vier völlig irre Filme auf Play SRF für unangenehm viel Spass

Hollywood kollabiert, Ehen implodieren, alle trinken zu viel: Diese vier Filme sind überraschend brillant.

Es gibt Filme, die man schaut, weil die Welt kurz vor dem Zusammenbruch scheint und man wenigstens sehen möchte, wie George Clooney in einem schlecht sitzenden Römerkostüm existenzielle Krisen bekommt. Diese Liste gehört entschieden zu dieser Kategorie.

1. «Hail Ceasar!»:
Viele Entführungen und noch mehr Whisky

Die Coen-Brüder machen hier das, was sie am besten können: Sie nehmen eine glänzende amerikanische Institution und zeigen, dass sie im Grunde aus neurotischen Erwachsenen besteht, die verzweifelt versuchen, nicht öffentlich zu weinen.

George Clooney spielt einen Filmstar mit der emotionalen Stabilität eines Labradors in einem Feuerwerk. Scarlett Johansson wirkt wie Marilyn Monroe nach drei Pints und einer existenziellen Krise. Und dann ist da Josh Brolin, der aussieht, als hätte er seit 1948 nicht geschlafen.

Der Film fühlt sich an wie die letzte Runde in einem Londoner Pub: zu laut, leicht betrunken und unerwartet melancholisch. Irgendjemand hält einen Monolog über die goldene Ära Hollywoods. Ausserdem enthält der Film singende Matrosen. Was jedes Kunstwerk objektiv verbessert.

2. «Kings of Hollywood»:
Robert De Niro und der vielleicht entspannteste Nervenzusammenbruch der Filmgeschichte

«Kings of Hollywood» ist der seltene Film, der versteht, dass Hollywood hauptsächlich aus Menschen besteht, die gleichzeitig reich, verzweifelt und erstaunlich schlecht organisiert sind.

Robert De Niro spielt einen Produzenten, der so abgebrüht ist, dass man glaubt, er frühstücke Zigarren. Zach Braff wirkt daneben wie ein Mann, der versehentlich auf die falsche Party geraten ist und nun langsam merkt, dass möglicherweise mehrere Straftaten stattfinden.

Das Schöne an diesem Film ist seine völlige Erschöpfung. Niemand glaubt mehr an Kunst. Niemand glaubt an Menschen. Wahrscheinlich glaubt nicht einmal mehr jemand an Filme. Es ist ein Film über alte Männer in Panik, was, wenn wir ehrlich sind, ohnehin etwa 70 Prozent der Filmindustrie beschreibt.

3. «And Mrs – Verlobt und verstorben»:
Romantik für Leute mit sehr schlechtem Timing

Gemma und Nathan wollen heiraten. Dann stirbt Nathan unerwartet, und der Film interessiert sich weniger für romantische Auflösung als für das praktische Chaos danach: Familie, Freunde, Anreise, Trauer, alles gleichzeitig und nirgends ein Handbuch dafür.

Gemma versucht, irgendwie weiterzumachen, während um sie herum alle unterschiedlich schlecht mit dem Ganzen umgehen. Und genau in diesem Durcheinander kommt sie auf die Idee, Nathan trotzdem zu heiraten. Nicht als Gag, sondern als sehr ernst gemeinter Versuch die Liebe nicht einfach abbrechen zu müssen.

Dass niemand das versteht, ist erwartbar. Dass sie ausgerechnet in Nathans chaotischer Schwester eine Verbündete findet, ist der leise, schiefe Witz des Films.

4. «Gone Girl»:
Die romantischste Horrorgeschichte des 21. Jahrhunderts

David Finchers Meisterwerk beantwortet endlich die Frage: «Was wäre, wenn eine Ehe exakt wie ein True-Crime-Podcast wäre?»

Ben Affleck spielt einen Mann mit dem Gesichtsausdruck eines Typen, der gerade erfahren hat, dass sein WLAN nicht funktioniert und er möglicherweise des Mordes verdächtigt wird. Rosamund Pike dagegen liefert eine Performance ab, bei der man nach zehn Minuten freiwillig sämtliche Dating-Apps löscht.

Nick Dunne (Ben Affleck) steht vor dem Bild seiner vermissten Frau.
Legende: Nick Dunne (Ben Affleck) sieht aus wie ein Mann, der gerade gelernt hat, dass Ehe manchmal auch bedeutet, öffentlich neben dem eigenen Verdacht zu stehen und höflich zu nicken. 20th Century Fox

Das Geniale an «Gone Girl» ist, dass der Film Beziehungen betrachtet wie ein Naturforscher eine besonders aggressive Tierart. Jeder manipuliert jeden. Die Medien sind hysterisch. Niemand sagt die Wahrheit. Man verlässt den Film mit dem starken Wunsch, allein zu leben und nur noch Zimmerpflanzen zu vertrauen. Was vermutlich gesund ist.

Am Ende verbindet all diese Filme dieselbe beruhigende Erkenntnis: Erwachsene Menschen haben ihr Leben genauso wenig im Griff wie Teenager. Menschen treffen katastrophale Entscheidungen, reden sich um Kopf und Kragen und versuchen trotzdem verzweifelt, halb würdevoll durch den Tag zu kommen.

SRF zwei, 8.05.2026, 21:15

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