Das war 2016 Die fünf Hinhörer 2016

2016 war ein gutes Musikjahr. Diese fünf Neuveröffentlichungen sind Musikredaktor Roman Hosek geblieben.

    • 1.
      Frightnrs – «All my tears»

      Nostalgie. In Zeiten von Dolby Surround und High Definition macht die Reggae-Band «The Frightnrs» ein mumpfig-klingendes Album in Monophonie, also nicht mal in Stereo. Und die Band zeigt, dass gute Musik vor allem eines braucht: Viel Herz!

      Die Dringlichkeit, mit welcher Sänger Dan Klein auf dem Album «Nothing more to say» singt, ist absolut echt. Er war nämlich während der Aufnahmen bereits todkrank und hat die Veröffentlichung der Platte nicht einmal mehr miterlebt. Somit ist das Debütalbum «Nothing more to say» gleichzeitig das Letzte.

    • 2.
      Frank Ocean – «Solo»

      Nach dem Riesenerfolg seines ersten Albums im Jahr 2012, hat der R’n’B-Sänger und Musiker Frank Ocean Fans und Journalisten monatelang an der Nase rumgeführt. Ein neues Album sei unterwegs – nein, doch nicht – es kommt etwas, doch es ist kein Album, sondern ein Video. Und dann kam trotzdem ein Album.

      «Blonde» wird den hohen Erwartungen gerecht. Die Produktion ist minimalistisch, aber konzentriert auf den Punkt gebracht. Die phantasievollen Songs können für sich stehen – beim genauen hinhören merkt man aber, dass die Tracks inhaltlich ineinandergreifen.

    • 3.
      Sarda – «Bill»

      Angefangen hat die Schweizer Band Sarda mit poppigem Italo-Jazz. Doch ihr Sound hat sich verändert; wurde mit jedem Album unkonventioneller und erhielt mehr Tiefe. Diese Entwicklung hört man deutlich auf ihrem letzten Album «Bill», das wie ein Soundtrack zu einem imaginären Film klingt.

      Das stimmungsvolle Album «Bill» ist ein musikalischer Höhepunkt – vorläufig aber auch ein Schlusspunkt. Denn die Band gönnt sich nach fast fünfzehn Jahren und vier Alben eine Pause. Hoffentlich kommt Sarda aber mit mehr Musik zurück!

    • 4.
      Joey Dosik – «Game Winner»

      Singt er nun von der Liebe oder vom Basketballspielen? Die Antwort ist: Von beidem. Denn für den Soul-Singersongwriter Joey Dosik aus Los Angeles ist Sport eine Metapher für das Leben. Im Leben ist der Spielstand manchmal ausgeglichen und man muss zum alles entscheidenden Wurf ansetzen. Davon handeln der Song und die EP «Game Winner».

      Dabei sieht Joey Dosik überhaupt nicht aus wie ein grossgewachsener Basketballspieler – eher wie ein unsportlicher Streber. Dafür kann er texten, singen, Instrumente spielen und Musik produzieren.

    • 5.
      Paul Simon – «Wristband»

      Der Sänger und Musiker Paul Simon muss eigentlich niemandem mehr beweisen, dass er gute Songs schreiben kann. Trotzdem tut er es. Und auf seinem aktuellen Album «Stranger To Stranger» entwickelt er seinen Sound noch weiter, indem er feine Elektronik dazu mischt.

      Der Song «Wristband» erzählt die Geschichte, wie er sich am Hintereingang zur Bühne selber aussperrt – ohne ein Eintrittsarmband. Im Verlauf des Songs wird aber klar: Paul Simon kritisiert eigentlich das Establishment: Wenn man nicht zum Club gehört, kommt man nicht rein.