Princes Filmkarriere folgt derselben Logik wie seine Musik: Sie ist ein Unikat.
Im Gegensatz zu anderen Popstars, die sich mit der Schauspielkarriere ein weiteres Standbein aufbauen wollen, war Prince nie Nebendarsteller. Prince-Filme mussten um Prince herum gebaut werden – was ihm nach anfänglichem Erfolg zum Verhängnis wurde und ihn zum Lehrstück für Popstars macht, die zukünftig ihr Glück auf der Leinwand suchen.
Zu Beginn: das Meisterwerk
Dabei beginnt Princes Flirt mit der Kinokarriere hervorragend. Im Leinwanddebüt «Purple Rain» kämpft er als «The Kid» um die Vormacht des «First Avenue»-Clubs seiner Heimatstadt Minneapolis und um seine Herzensdame Apollonia. Dazu gesellen sich haufenweise Looks, für die das Wort «ikonisch» eigentlich neu erfunden werden müsste – allen voran sein lila Overall – und einige der besten Schnauzer und Sonnenbrillen der Filmgeschichte. Princes erster Film schreibt Popgeschichte auf Zelluloid. Auch kommerziell.
Der Film wird zum Kassenschlager – vor allem auch, weil das Soundtrack-Album zu den besten aller Zeiten zählt. Dröhnen «Purple Rain» und «When Doves Cry» aus den Kinolautsprechern, fällt die nicht immer überzeugende Schauspielerei ebenso wenig ins Gewicht wie das aus heutiger Sicht irritierende Frauenbild, das von häuslicher Gewalt geprägt ist. Backgroundsängerinnen werden hier wortwörtlich in die Mülltonne geworfen, trotzdem wird in der nächsten Szene zum nächsten Prince-Meisterstück gegroovt.
Megaflop unter dem Kirschmond
Doch die Lektion, die The Kid am Ende von «Purple Rain» lernt – dass es gut sein kann, nicht immer alles alleine machen zu wollen – kommt beim Autor nicht an. Kontrollfreak Prince fällt mit seinem nächsten Film «Under the Cherry Moon» mächtig auf die Nase. Noch während den Dreharbeiten überwirft er sich mit Regisseurin Mary Lambert und übernimmt die Regie stattdessen selbst.
Zwar ist die Hommage an die goldene Ära Hollywoods nicht ohne Charme, trotzdem geht das Projekt als totale Selbstüberschätzung in die Annalen ein.
Fehlt ein Kontrollorgan, das weiss, wie man Prince akkurat in Szene setzt, gerät alles aus der Balance. Seine schauspielerischen Limitationen und die unerklärliche Entscheidung, nach dem neongetränkten «Purple Rain» einen Schwarzweissfilm zu drehen, machen Princes Zweitling zu einem Desaster, das mit fünf Goldenen Himbeeren abgestraft wird. Immerhin wirft das begleitende Album «Parade» den Megahit «Kiss» ab.
Auch seinem letzten Film «Graffiti Bridge» wird das gleiche Schicksal Teil. Vier Jahre nach «Under the Cherry Moon» als direkte Fortsetzung zu «Purple Rain» geplant, bleibt der Film nicht mehr als eine Fussnote. Erneut übernimmt Prince die Regie und orientiert sich dieses Mal wieder näher beim Musikfilm – aber auch hier das gleiche Spiel: schlechte schauspielerische Leistungen, Flop an den Kinokassen, goldene Himbeeren.
Die Rolle, die es nie gab
So bleibt Prince' zweitspannendste Filmrolle eine, die es gar nie gab. Im Abspann des Kulthits «Fargo» wird Prince – damals als Symbol unterwegs – als «Victim in Field» aufgelistet. Jahrelang wurde gerätselt: War das tatsächlich Prince?
Mittlerweile wissen wir: Nein. Die Nennung ist eine Hommage des ebenfalls aus Minnesota stammenden Coen-Regieduos. In Wirklichkeit wurde dieser kleine Part von einem Storyboard-Artist gespielt.