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Zürcher Film Festival: «Untouchable» die Weinstein Story
Aus 10vor10 vom 30.09.2019.
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15. Zurich Film Festival «Ich hoffe, Weinstein verklagt mich nicht»

Erschütternd und berührend: Ursula Macfarlane erzählt im Dokumentarfilm «Untouchable» vom Aufstieg und Fall des Filmproduzenten Harvey Weinstein. Von Missbrauch über Mossad bis zu #MeToo: die Regisseurin im Gespräch über das System Weinstein und die Folgen.

Ursula Macfarlane

Ursula Macfarlane

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Die Regisseurin von «Untouchable» ist eine preisgekrönte Dokumentarfilmerin und Produzentin. Die Protagonisten in ihren Filmen sind Psychiatrie-Patienten, Broadway-Stars oder Geiselnehmer. Alle porträtiert mit grosser Menschlichkeit, Witz und psychologischem Gespür. Sie sagt über ihr Schaffen: «Ich möchte einprägsame Filme machen, die zum Lachen oder Weinen anregen – am liebsten aber zu beidem».

SRF: Was war Ihre Motivation für die Doku «Untouchable», die das heikle Thema «sexueller Missbrauch» auf die Leinwand bringt?

Ursula Macfarlane: Ich kenne keine einzige Frau, die nicht eine Art MeToo-Erfahrung gemacht hat. Vielleicht keine so gravierende wie die Frauen im Film. Aber alltägliche Belästigungen oder Sexismus haben alle schon mal erlebt.

Als die Beschuldigungen gegen Harvey Weinstein in der «New York Times» und im «New Yorker» erschienen, fragte ich mich: Ist das der Wendepunkt? Ich weiss es nicht. Aber ich glaube, es ist der Beginn von Veränderung und Diskussion.

«Untouchable» – Der Film

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«Untouchable» – Der Film

«Untouchable» heisst Ursula Macfarlanes eindringliche Doku über den Aufstieg und Fall des Hollywood-Filmproduzenten Harvey Weinstein. Ihm wird vorgeworfen, jahrzehntelang Frauen sexuell belästigt oder vergewaltigt zu haben.

Der konventionell gestaltete Film lässt ehemalige Mitarbeiter, Journalisten und Missbrauchsopfer zu Wort kommen. Deren Zeugnisse erschüttern und berühren.

SRF: Was berührte, was empörte Sie beim Filmen am meisten?

Die Aussagen der Frauen berührten mich. Es war so schrecklich. Nicht nur, was Weinstein tat, sondern auch der Effekt, den er auf ihre Leben hatte.

Jedes Interview, das wir führten, war sehr emotional, schwer und bewegend. Und die Betroffenen mussten so viel Mut aufbringen, überhaupt mit uns zu sprechen.

Ärgerlich und frustrierend hingegen war, zu sehen, wie Harvey Weinstein ungestraft davonkam. Das ist so unfair. Man konnte in den Gesichtern der Frauen den Schmerz lesen, der sie Jahre oder Jahrzehnte quälte. Das ist herzzerreissend.

Ein ungepflegter dicklicher Mann schaut beschämt nach Unten.
Legende: Angeklagt wegen sexuellen Missbrauchs: Harvey Weinstein muss sich vor Gericht verantworten. KEYTSONE / AP PHOTO / MARK LENNIHAN

SRF: Warum konnte Weinstein so lange ungeschoren davonkommen?

Er hatte enorme Macht, und viele Menschen hatten Angst vor ihm. Jemand im Film sagt: Er war wie ein Gangster. Viele hatten grosse Angst, gegen ihn auszusagen – aus verschiedenen Gründen.

Er gab ihnen Arbeit, konnte ihnen zu Oscars verhelfen und grossartige Filmverträge verschaffen. Es war im Interesse vieler, das Ganze unter dem Deckel zu halten.

Weinstein links in seinem Arm Schauspielerin in schwarz.
Legende: Harvey Weinstein und sein mutmassliches Missbrauchsopfer Paz de la Huerta. ASCOT ELITE ENTERTAINMENT

SRF: Was lernten Sie selbst aus der Arbeit an «Untouchable»?

Eine ehemalige Angestellte zeigte uns eine Geheimhaltungs-Vereinbarung, die schockierend ist. Es heisst darin, dass sie mit niemandem über Weinsteins Machenschaften sprechen darf. Nicht einmal mit einem Therapeuten.

Und wenn doch, muss auch der eine Geheimhaltungsvereinbarung unterzeichnen. Mich erstaunte, wie viel Geld Weinstein für Spione ausgab. Ehemalige Mitglieder des Mossad, welche die Frauen bespitzelten. Es war verrückt, wie in einem Thriller.

SRF: Was sollen die Leute aus Ihrem Film mitnehmen?

Ich möchte, dass die Menschen die Frauen im Film ansehen und begreifen, was Missbrauch bedeutet. Und dass sie sich vielleicht überlegen, was das für ihr eigenes Leben heisst. Ich will, dass die Leute über Mitschuld nachdenken.

Wir alle waren schon in Situationen, in denen wir Mobbing oder Belästigung erlebten. Ich will, dass die Menschen sich fragen: Sollte ich mutiger sein? Vielleicht kann auch ich meine Meinung sagen.

SRF: Harvey Weinstein gilt als brutaler Angstmacher. Fürchten auch Sie sich vor ihm?

Ich hoffe, er verklagt mich nicht. Aber ich denke, er ist zu beschäftigt. Schliesslich hat er ein Gerichtsverfahren vor sich. Ich hoffe, dass ihm schlicht die Zeit fehlen wird, irgendwen zu verklagen.

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Die fetten Jahre sind vorbei
Aus SRF Kultur vom 02.10.2019.
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6 Kommentare

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  • Kommentar von Kurt Wirz  (kuwi)
    Diese Me Too-Bewegung hat dem Umgang zwischen den Geschlechtern stark zugesetzt. Aufmerksamkeit, Freundlichkeit und echtes Interesse aneinander sind out. Vorsicht, Zurückhaltung und die Angst, etwas Falsches zu tun wird die Interaktion zwischen Mann und Frau stark beeinträchtigen und die Gesamtzahl der Singles deutlich nach oben schnellen lassen. Dieser Film wurde nur wegen des Geldes gemacht. Sehe ich mir ganz bestimmt nicht an.
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    1. Antwort von Xaver Meier  (MeierX)
      Ich las ihren Kommentar und erst zum Schluss ihren Namen. Ich war mir sicher, dass Sie ein Mann sein müssen. Konnte mir einfach nicht vorstellen, dass Sie eine Frau sind. Darum denke ich auch, dass Sie diesen Kommentar hätten bleiben lassen sollen.
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  • Kommentar von Beni Fuchs  (Beni Fuchs)
    'Er gab ihnen Arbeit, konnte ihnen zu Oscars verhelfen und grossartige Filmverträge verschaffen. Es war im Interesse vieler, das Ganze unter dem Deckel zu halten.' -sagt vieles aus zum Thema. Erstmal 'Karrieregeil' - Opfer ist man dann später, wenns sich lohnt, oder was? Dieser Mann soll für jede Vergewaltugung , die er begangen hat, zur Rechenschaft gezogen werden, definitiv. Aber dieses verlogene 'Jahre, Jahrzehnte später', ich weiss nicht, werd mir diesen Film sicher nicht zu 'Gemüte' führen.
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  • Kommentar von M. Keller  (mkel)
    Was sie sich davon erhofft? Geld. Einnahmen kann man aus jeder noch so hässlichen Geschichte generieren. Und wenn man den Skandal noch selbst schürt erst recht.
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    1. Antwort von Martin Degen  (made)
      Und nicht wenige erhoffen sich hier im Forum eine gewisse Aufmerksamkeit.
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    2. Antwort von Xaver Meier  (MeierX)
      Aber mit dem thematisieren und aufzeigen der Einzelheiten, kann man vielleicht etwas dafür tun, dass es „nicht wieder“ (oder weniger) geschieht. Vor allem aber, dass die Betroffenen dabei unterstützt werden sich künftig schneller zu melden, da wir männlichen Ignoranten es nicht mehr leugnen oder für unmöglich abtun können. Welcher Mann war sich ohne die #metoo Bewegung im Klaren, dass wohl jede Frau schon mal belästigt wurde. Als Vater freut esmich, dass nun zu wissen. Und es erschreckte mich!
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