«20 Regeln für Sylvie» auf einem Chaos-Trip durch Basel

Giacun Caduff ist ein junger Schweizer Regisseur. Jetzt kommt sein erster Spielfilm ins Kino: «20 Regeln für Sylvie» heisst die Chaoskomödie. Sie spielt in der Westschweiz und in Basel. Und bringt damit den «Hangover» in die Schweiz. Umwerfendes Genrekino.

Carlos Léal auf einem Motorad hinter einer Frau sitzend. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Carlos Léal auf einem Trip durch Basel. Dass er hinterher nichts mehr weiss, ist schade. Für ihn. Praesens Film

Der Westschweizer Star Carlos Léal spielt den vollbärtigen Seilbahnangestellten Adalbert, den überbesorgten alleinerziehenden Vater der zwanzigjährigen Sylvie. Im Hinblick auf ihr angehendes Studium an der Uni stellt er zwanzig Regeln auf und geht in Basel «undercover».

Er will sicherstellen, dass sein Töchterchen in der sündigen Weltmetropole weder Sex hat noch Motorrad fährt. Dabei trifft er allerdings auf eine verkiffte Wohngemeinschaft junger Männer, die es sich zur Aufgabe machen, den Mann all seine eigenen Regeln brechen zu lassen.

Carlos Léeal mit rotem Stirnband drei jungen Kiffern gegenüber sitzend. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Ein Vater will seine Tochter in der grossen Stadt beschützen und landet in einer Kiffer WG. Praesens Film

«Zwanzig Regeln für Sylvie» transponiert geschickt die Mechanik der populären US-Chaoskomödien wie «Hangover» oder «Bridesmaids» auf die kleineren Schweizer Verhältnisse – inklusive Röstigraben.

Filmhandwerk aus Los Angeles

Sein Handwerk als Regisseur und Produzent hat Caduff in Kalifornien erlernt. Dabei fällt vor allem seine Professionalität auf. Fünf Jahre hat Caduff an dem Projekt gearbeitet. Die Idee stammt von ihm, das Drehbuch aber von Megan Woodward, einer entsprechend ausgebildeten amerikanischen Studienkollegin, die er während seiner Ausbildung in Los Angeles kennengelernt hat. Entsprechend regelkonform und zügig entwickelt sich die Handlung, die Nebenfiguren werden professionell eingeführt und gerade so weit charakterisiert, dass sie ihre Funktion im Drehbuch erfüllen und sich klar voneinander unterscheiden.

Beeindruckende Technik und Sorgfalt im Detail

Die Technik ist beeindruckend, von der Kamera (Nausheen Dadabhoy) bis zum Schnitt (Gregor Brändli, Giacun Caduff) und die Musikauswahl trägt viel zur chaotisch-sympathischen Stimmung bei.

Vor allem aber hat Caduff auf die sogenannten Production Values geachtet, Kleinigkeiten wie zum Beispiel einen extra angefertigten erotisch-pornografischen Bong aus Glas. Wenn Carlos Léal mit seinem Alpöhi-Bart am gläsernen Fuss eines spreizbeinigen Pin-Ups saugt, ist das tatsächlich ein Bild, das sich einprägt.

Diese Sorgfalt im Detail sei wichtig, sagt Giacun Caduff. Auch wenn «Zwanzig Regeln für Sylvie» mit vergleichsweise kleinem Budget gedreht wurde, sei das Zielpublikum eben die ausstatterische Opulenz der Vorbilder wie «Hangover» gewöhnt und brauche diese Kicks im Detail. Die professionelle Bildgestaltung sei da ohnehin vorausgesetzt, auf dokumentarische Wackelbilder lasse sich dieses Publikum nicht ein.

Hangover übern Rösti-Graben

Carlos Léal und Viola von Scarpatetti Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Vater und Tochter vor der Abreise ins sündige Basel. Praesens Film

Warum aber kommen Sylvie und ihr Vater aus der Westschweiz nach Basel? Warum diese zusätzliche Hürde der Zweisprachigkeit? Das habe ganz praktische Gründe, sagt Giacun Caduff.

Im Drehbuch von Megan Woodward kommt der Vater aus Fresno und hat Mühe, den urbanen Slang in San Francisco und Berkeley zu verstehen.

Das hätte kaum funktioniert mit einem Vater aus Graubünden in Basel. Aber mit dem Westschweizer Carlos Léal und der perfekt zweisprachigen Viola von Scarpatetti (die zusammen mit Caduff das Drehbuch adaptiert hat) als Sylvie habe sich das sozusagen von selbst ergeben.

So ist «20 Regeln für Sylvie» zum – in sprachlicher Hinsicht – realistischen Röstigraben-Überwinder geworden. Und das ist nicht die einzige Überraschung für all jene, welche sich definitiv nicht mehr zum «Hangover»-Zielpublikum zählen. Denn die durchaus formelhaft aufgebaute Chaoskomödie beweist immer wieder Charakter. Wie ein Kasperlitheater balanciert der Film Klischee, Klamotte und Frische.

Genrekino für alle

Carlos Léal überrascht mit komödiantischem Timing und einer offensichtlichen Spielfreude. Mit Charme und Schalk überspielt er die eigentlich sehr klamottige Dusseligkeit seiner Figur.

Das funktioniert nicht zuletzt auch in Kombination mit Viola von Scarpatetti, welche ihre Sylvie mit schöner Zurückhaltung als «straight character», also als «ernsthafte» Figur den komischen Chargen gegenüber stellt.

«20 Regeln für Sylvie» ist wohl Genrekino für Fünfzehn- bis Dreissigjährige. Aber mit so viel Enthusiasmus und Können gemacht, dass man dem Film auch ein erwachsenes Herz nicht verweigern kann.