Zum Inhalt springen

Header

Video
Bruno Ganz: Engel, Alpöhi und Hitler
Aus Kultur Webvideos vom 16.03.2021.
abspielen
Inhalt

80. Geburtstag Bruno Ganz glänzte nicht nur als Hitler

Am 22. März wäre Bruno Ganz 80 geworden. Er war ohne Frage der grösste Schauspieler, den die Schweiz je hatte.

Einen Engel, Hitler oder Alpöhi: Bruno Ganz spielte jede Rolle, sofern sie ihn herausforderte. Doch wenn es nach dem Willen seiner Eltern gegangen wäre, hätte er Malermeister werden sollen.

Zum Glück setzte Ganz seinen eigenen Kopf durch. Am 22. März 1941 in Zürich geboren, interessierte er sich schon während der Schulzeit fürs Theater. Kurz vor der Matura brach er das Gymnasium ab. Er nahm Schauspielunterricht und jobbte.

Legende: Eine «patriotische Pflicht» erfüllt: Bruno Ganz als Alpöhi in «Heidi». SRF/Zodiac Pictures

Furchtlos und wandlungsfähig

1960 erhielt er mit 19 seine erste Filmrolle in der Walter-Roderer-Komödie «Der Herr mit der schwarzen Melone». 1962 gehörte Ganz zu den Mitbegründern der Berliner Schaubühne.

Schon bald darauf machte sich der Schweizer auch in Deutschland als furchtloser und wandlungsfähiger Schauspieler einen Namen. Dann kam der internationale Ruhm. Mit Hauptrollen in zwei Filmen des deutschen Regisseurs Wim Wenders.

Durchbruch als Mörder und Engel

In «Der amerikanische Freund» (1977) glänzte Ganz als ungeschickter Mörder neben Dennis Hopper, dem aus dem Hippiefilm «Easy Rider» (1969) bekannten Hollywood-Star.

Legende: Auf der Siegessäule in «Der Himmel über Berlin» . Keystone/AP

In «Der Himmel über Berlin» (1987) verkörperte der Zürcher einen Engel, der aus Liebe zu den Menschen auf seine Unsterblichkeit verzichtet. Diesmal an der Seite von Peter Falk, bekannt als Fernseh-Detektiv Columbo.

Weltweit gefragt

Es folgten zahlreiche Bühnen- und Filmrollen, Ehrungen und Auszeichnungen. Bruno Ganz war eindeutig zu einem der gefragtesten Charakterdarsteller der Welt avanciert.

Ganz als Comicfigur

Box aufklappen Box zuklappen
Legende: Dargaud/Enki Bilal

Was viele nicht wissen: Bruno Ganz ist auch eine Comicfigur. 1980 gab Zeichner Enki Bilal seinem Antihelden Nikopol dessen Gesichtszüge. «Bruno Ganz ist ein absoluter Ausnahmeschauspieler. Er sprengt jegliche Norm», meinte Bilal dazu. «Und ich habe gehört, er soll die Comic-Ehre gut aufgenommen haben.» Das dreibändige Sciencefiction-Abenteuer «Alexander Nikopol» spielt in einem postapokalyptischen Paris.

Die namhaftesten Filmregisseure wollten mit dem Schweizer arbeiten. Silvio Soldini in «Pane e tulipani» (2000) etwa, Francis Ford Coppola in «Youth Without Youth» (2007) oder Bille August in «Nachtzug nach Lissabon» (2013).

Glanzleistung als Hitler

Legende: Verstörend: Ganz als Hitler in «Der Untergang». Imago Images/Everett Collection

Ein aussergewöhnliches Highlight setzte Ganz in «Der Untergang» (2004). In dem Kriegsdrama verkörperte er Adolf Hitler so verstörend, dass die Kritiker sich gegenseitig mit Lob überboten.

Trotz seines Ruhms liess es sich Bruno Ganz nicht nehmen, zwischendurch auch immer wieder in Schweizer Filmen mitzuwirken – von Kurt Gloors «Der Erfinder» (1980) bis zu Fredi M. Murers «Vitus» (2006).

Patriotische Pflicht

In der Neuverfilmung von «Heidi» (2015) verkörperte der Schauspieler den brummigen Alpöhi.

Er habe die Rolle als patriotische Pflicht empfunden, sagte Ganz in einem Interview mit SRF. Diese Rolle abzulehnen, fand er, wäre der Schweiz gegenüber nicht fair gewesen.

Legende: «Winterreise»: Bruno Ganz als Jude, der aus Nazi-Deutschland in die USA geflüchtet ist. Real Fiction

Vier Jahre später, am 16. Februar 2019, starb Bruno Ganz in Wädenswil im Alter von 77 Jahren an Darmkrebs.

Die Uraufführungen seiner letzten beiden Filme, Terrence Malicks «A Hidden Life» und Anders Østegaards «Winterreise», erlebte Ganz nicht mehr.

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

6 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Alex Schneider  (Alex Schneider)
    Die Hitler-Darstellung von Ganz ist wirklich Spitzenklasse!
  • Kommentar von Daniel Häberlin  (Svensk)
    Schade, dass Bruno Ganz meistens auf seine Rollen in "Der Untergang" und in der Neuverfilmung von "Heidi" reduziert wird. An dieser Stelle ein Hinweis auf zwei seiner Rollen, die zwar weniger bekannt, aber genauso eindrucksvoll und emotional mitreissend sind: Zum einen ist dies der Obdachlose Bombadil in der Folge "Schattenwelt" des Münchner Tatorts, zum anderen der italienische Journalist Tiziano Terzani im Film "Das Ende ist mein Anfang", der die letzten Tage von Terzanis Leben porträtiert.
  • Kommentar von Hans Hegetschweiler  (hansicomment)
    Bruno Ganz war ein ganz grosser Schauspieler. Das hat Josef Meinrad richtig erklannt, als er ihm den Ifflandring vermachte. "ohne Zweifel der grösste Schauspieler, den die Schweiz je hatte", ist dummes Journalistengeschwätz. Wer so schreibt, gehört als grösster Simpel, den die SRF je hatte in die Sportredaktion, da kann er über Rodgeur National schreiben.
    1. Antwort von Daniel Häberlin  (Svensk)
      Zum einen gebe ich Ihnen Recht: Man sollte mit Superlativen vorsichtig umgehen, zumal schauspielerische Grösse (aus meiner Sicht) nicht unbedingt mit der Bekanntheit eines Schauspielers zusammenhängt. Viele grosse Schweizer Schauspieler wie zum Beispiel Heinrich Gretler, Schaggi Streuli oder Emil Hegetschweiler waren nie international tätig. Zum anderen muss ich doch den Kopf darüber schütteln, dass man mittlerweile auch schon solche Artikel zum Anlass nimmt, um gegen Roger Federer zu wettern.
    2. Antwort von Ueli Feuz  („Üeu“)
      Absolut mit Ihnen einverstanden - immer diese unsinnigen Superlativen. Wenn schon wären da noch:
      - Maximilian Schell (Oscarpreisträger)
      - Liselotte Pulver
      - Stefan Kurt
      - Mathias Gnädinger
      - Walo Lüönd
      etc. etc etc.