«Auf dass das Leben spielerisch sei!»: zum Tod von Alain Resnais

Über 50 Jahre lang hat Alain Resnais Filme gedreht und dabei sich und sein Kino immer wieder neu erfunden: «Hiroshima, mon amour» war 1959 sein erster Spielfilm. Sein letzter Film feierte vor zweieinhalb Wochen Premiere in Berlin, «Aimer, Boire et Chanter». Nun ist er 91-jährig in Paris gestorben.

Alain Resnais bei den Dreharbeiten zu seinem Film «L'année dernière a Marienbad». Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Alain Resnais bei den Dreharbeiten zu seinem Film «L'année dernière a Marienbad». Keystone

Nein, er betrachte sich überhaupt nicht als Autorenfilmer, er sei ein Realisator, sagte Alain Resnais einmal. Er sei der Tradition des Kinos verbunden.

Alain Resnais hat sich nie als Neuerer des Kinos verstanden, hat sich deshalb auch nie der Nouvelle Vague zugezählt, auch wenn seine ersten Filme in diese Zeit fallen – lieber verschrieb er sich der Tradition eines Kinos der Vergangenheit.

Bekannt geworden ist Resnais 1959 mit «Hiroshima, mon amour», seinem ersten Spielfilm, mit dem er am Festival von Cannes Kritik und Jury wegen des sensiblen Themas, dem der Atombombe, spaltete. Danach verblüffte und verwirrte er das Publikum mit seinem experimentellen Film «L'année dernière à Marienbad». Mit diesem Film war der Franzose endgültig im internationalen Kino angekommen – zeitgleich mit der Nouvelle Vague.

Zusammenarbeit mit Autoren

Ob Nouvelle Vague oder Traditionalist, das Kino des Alain Resnais entzieht sich eigentlich jeglicher Zuschreibung und Schubladisierung. Er arbeitete gerne mit Autoren zusammen, mit Marguerite Duras für seinen ersten Spielfilm «Hiroshima mon amour» oder mit Alain Robbe-Grillet für «L'année dernière à Marienbad». Dann aber, und das macht das Kino des Alain Resnais so besonders, dann bastelte er. Von «L'anée dernière à Marienbad» sagte er einmal, man hätte wohl jede Szene mit jeder beliebig anderen kombinieren können.

Die Lust an der Überraschung, am Spiel mit dem Medium Kino blieb. Hinzu kam in den späteren Jahren auch immer mehr Leichtigkeit, die ihm auch manchmal zu Unrecht als Oberflächlichkeit ausgelegt wurde. Resnais wählte für sein späteres Kino mit Vorliebe Stoffe, die sich immer auf der Grenze von Boulevard und Gesellschaftskritik bewegten. Der Bastler setzte sie auf ureigene Weise in Szene: Er mischte Zeichnung und Film wie im wunderbaren langen Werk «Smoking, No Smoking», oder er legte seinen Protagonisten französische Chansons in den Mund in «On connait la chanson».

Seine Frau in den Hauptrollen

Dabei zählte er immer auf ein bewährtes Schauspielerensemble, André Dussollier war immer mit dabei und vor allem seine Ehefrau Sabine Azéma, die seit den 80er-Jahren seine Hauptrollen spielte. Noch vor gut zwei Wochen präsentierte sie anstelle ihres Mannes die Premiere von «Aimer, Boire et Chanter», Resnais' jüngstes und letztes Werk an den Berliner Filmfestspielen. Ihr Mann, so Sabine Azéma im Interview, liebe die Überraschung, liebe es, Dinge zu machen, die man so noch nicht gesehen habe.

Er liebe das Experiment. Alain Resnais Kino sei, so Ehefrau und Schauspielerin Azéma, sehr, sehr spielerisch. «Que la vie soit ludique le plus possible!» – «Auf dass das Leben so spielerisch wie nur möglich sei», sagte Azéma über ihr Leben und ihr Kino mit Alain Resnais.

Ausgerechnet er, der von sich behauptete, kein Neuerer zu sein, feierte in seinem Kino immer und immer wieder das Neue, das Überraschende. Und wurde dafür noch unmittelbar vor seinem Tod ausgezeichnet: Sein Film gewann in Berlin den Alfred Bauer-Preis für «neue Perspektiven im Kino».

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