«August: Osage County»: Im trauten Kreis des Familienterrors

Auf den ersten Blick muss ein Film wie «August: Osage County» gelingen. Er basiert auf einem erfolgreichen Broadwaystück, in dessen Mittelpunkt eine Familie im Ausnahmezustand steht. Meryl Streep und Julia Roberts schlagen sich verbal die Köpfe ein. Und doch verlässt man das Kino frustriert.

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Filmbesprechung zu «August: Osage County»

2:44 min, vom 12.3.2014

Hundstage im Indianerland: Berverly Weston, alt und versoffen, besorgt seiner krebskranken Frau Violet noch eine Altenpflegerin und bringt sich dann um. Sein plötzlicher Tod ruft die Töchter Barbara, Karen und Ivy samt Ehemännern, Liebhabern und Kindern zurück in das sonnenverbrannte Oklahoma, um Mutter Violet zur Seite zu stehen. Die allerdings ist nicht hilflos, sondern verbittert und unflätig. Der Leichenschmaus gerät zum Familienterror.

Ich will einen Oscar!

Drei Frauen sitzen am Tisch, eine raucht, die zwei anderen essen. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Familienterror: Barbara (Julia Roberts), Mutter Violet (Meryl Streep) und Karen (Juliette Lewis). Ascot Elite

Das Pulitzer-Preis-gekrönte Theaterstück von Tracy Letts dient Regisseur John Wells als Vorlage für einen Familienkrieg, in dem sich Hollywoodstars genussvoll gegenseitig zerfleischen. Meryl Streep spielt das weibliche Pendant zu Tennessee Williams’ Big Daddy in «Die Katze auf dem heissen Blechdach». Leider ist die Figur der Matriarchin nur banal. Meryl Streep inszeniert sich in der Rolle von Violet als unflätig zeternde Menschenhasserin, deren lautstarke Ausbrüche unverhohlen nach «Ich will sofort einen Oscar!» tönen – und von Julia Roberts als Tochter Barbara mit «Ich auch!» zurückhallen. Der Ruf, wie wir wissen, ist ungehört verhallt – den Oscar erhielten andere.

Kein Fest

Im trauten Familienkreis der Westons wird von Abhängigkeiten, Seitensprüngen und Versagen schwadroniert – den Zuschauer lässt das kalt. Alles wirkt aufgesetzt und ist gänzlich frei von Humor. Hier verpufft die Dramatik in der Belanglosigkeit des Vulgären. Den bösen Witz und den emotionalen Tiefgang von Vinterbergs Enthüllungsschmaus «Festen» sucht man in Wells Film vergeblich.

Fazit

John Wells scheitert an der vorzüglichen Besetzung, die er gewähren lässt ohne einzugreifen, ohne seinen Job zu machen. Er vergisst, Wende- und Höhepunkte zu inszenieren. Die Konsequenz: Langeweile. Nach zwei Stunden Tortur verlässt man deprimiert, frustriert und entnervt das Kino und erinnert sich an die alte Weisheit, dass gute Schauspieler allein, noch keinen guten Film machen.