Hollywood-Ikone Bewundert und gefürchtet – 100 Jahre Susan Hayward

Der Hollywoodstar lieferte gute Gründe, um zugleich geliebt und gehasst zu werden: Umwerfende Schönheit in Kombination mit einem ungezügelten Temperament und einer Kämpferseele.

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100 Jahre Susan Hayward

2:05 min, vom 28.6.2017

Das Wichtigste in Kürze:

  • Heute wäre Susan Hayward 100 Jahre alt geworden. Der Filmstar verstarb aber schon mit 57 Jahren an Krebs.
  • Hayward war berühmt-berüchtigt für ihren starken Willen. Und dafür, dass sie kein Blatt vor den Mund nahm.
  • Ihr früher Tod wurde später mit einem nuklear verstrahlten Drehort in Verbindung gebracht. Neben Hayward erkrankten 90 weitere Crewmitglieder an Krebs.

Susan Hayward wusste immer, was sie wollte. Daran lässt sie in ihrer Biographie keinen Zweifel: «Ich habe schon sehr früh gelernt, dass das Leben ein Kampf ist. Meine Familie und meine Nachbarschaft waren arm. Der einzige Weg, dem als Kind zu entfliehen, war der Film. Damals entschied ich mich, reich zu werden.»

Mangelnde Zielstrebigkeit konnte man Hayward wahrlich nie vorwerfen. Die Tochter eines Iren und einer Schwedin lernte schon in der Highschool, aus ihrem roten Haar und der porzellangleichen Haut Kapital zu schlagen. Sie modelte für Zeitschriften, um die meist leere Haushaltskasse ihrer Eltern wenigstens etwas zu füllen.

Die tickende Sexbombe

Als Hayward 18 war, wurde ein Agent von Warner Brothers auf sie aufmerksam. Er lud sie zu einem Casting für die Hauptrolle in «Gone with the Wind» ein. Hayward, die zu diesem Zeitpunkt keinerlei schauspielerische Erfahrung vorweisen konnte, packte kurzerhand ihre sieben Sachen und machte sich auf nach Kalifornien.

Junge Susan Hayward im Abendkleid Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Haywards Reize sorgten bereits in den frühen 40ern für viel Aufsehen. Getty Images

Das Vorsprechen war ein Desaster. Der Produzent attestierte ihr null Schauspieltalent. Er legte ihr nahe, nach New York zurückzukehren und sich weiter als Model zu versuchen. Doch Hayward entgegnete: «Ich glaube ich bleibe. Ich mag die Orangen.»

So blieb sie in Hollywood und kämpfte sich langsam über kleinere Nebenrollen nach oben. Aber sie hatte Mühe, sich anzupassen. Während ihre Schönheit unbestritten war, stiess sich besonders die Teppichetage Hollywoods an ihren fehlenden Manieren.

Nach dem Wechsel zu Paramount Pictures ging es Hayward 1939 beispielsweise zu langsam voran. Also schnappte sie sich an einem Spendenanlass spontan das Mikrofon und konfrontierte Studioboss Frank Freeman direkt vor versammeltem Publikum: «Ich wurde heute oft gefragt, warum ich nicht in mehr Paramount-Filmen vorkomme. Also, Mr. Freeman, kriege ich meinen Durchbruch oder nicht?». Ein Skandal.

Eine anspruchsvolle Dame

Fakt ist: Susan Hayward übte eine unglaubliche Faszination auf Zuschauer und Filmschaffende aus. Frauen bewunderten ihre Stärke: Wie sie im männerdominierten Hollywood die Ellbogen ausfuhr. Männer zog ihr wildes Temperament an: Sie versuchten, sie zu zähmen.

Hayward mit Gewehr und entschlossenen Gesichtsausdruck Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Hayward konnte unzimperlich sein, wie hier in «Rawhide» (1951). IMDB

Zu Haywards komplexer Persönlichkeit passen die schwierigen Rollen, in denen sie jeweils aufblühte. Bereits in den 1940er-Jahren wurde sie zweimal für einen Oscar nominiert – beide Male für die Darstellung einer Alkoholikerin.

Wenig später unterschrieb sie bei 20th Century Fox und wurde dort zum Aushängeschild. Ihre Filmpartner hiessen John Wayne, Gregory Peck und Gary Cooper.

Vier Anläufe für einen Oscar

Die Bombe aus Brooklyn («The Brooklyn Bombshell»), so ihr wenig schmeichelhafter Spitzname, war voll eingeschlagen. Nur etwas fehlte ihr noch: der Oscar. Viermal war sie schon für den Academy Award nominiert gewesen, ohne je zu triumphieren.

1959 war es endlich soweit. Im Direktduell mit der grossen Elizabeth Taylor gewann sie das begehrte Goldmännchen. Ihre Rolle in: In «I Want to Live» spielt sie eine zum Tode verurteilte Prostituierte, die um ihr Leben kämpft. Typisch Susan Hayward!

Der Vorhang fällt

Nach dem Gewinn des Oscars zog sich Hayward immer mehr zurück. Ihr Produzent Walter Wagner sagte damals: «Dem Himmel sei Dank, endlich können wir es langsamer angehen. Susie jagte dem Oscar 20 Jahre hinterher.»

Auch private Probleme machten ihr zu schaffen. Mitte der 1960er-Jahre starb ihr Ehemann Floyd Eaton Chalkley. Hayward spielte nur noch in Filmen, wenn sie Geld brauchte; kämpfte mit Depressionen und dem Alkohol.

Ende 1972 wurde bei ihr ein unheilbarer Gehirntumor festgestellt. Plötzlich ging alles ganz schnell. 1974 war Susan Hayward bereits halbseitig gelähmt, bevor sie im März 1975 die Bühne des Lebens für immer verliess.

Posthume Aufregung

Selbst Jahre nach ihrem Ableben sorgte Susan Hayward weiter für Schlagzeilen. Im Zentrum des Interesses stand nun ihre Todesursache.

Die Frage lautete: Steht Haywards Krebsleiden in Verbindung zu den Dreharbeiten von «The Conquerer»? Besagter Film wurde 1955 in Utah an der Stätte der ersten amerikanischen Kernwaffen-Versuche gedreht.

John Wayne trägt Susan Hayward auf Händen. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Hayward, unbeeindruckt von John Waynes merkwürdigem Schnauzbart. RKO Pictures

Als Grundlage für die vermutete Korrelation diente eine Häufung von Krebstoden unter den Mitwirkenden. Darunter befanden sich viele Prominente wie John Wayne, Agnes Moorehead, John Hoyt, Pedro Armendáriz und Regisseur Dick Powell. Von insgesamt 220 Crew-Mitgliedern erkrankten sage und schreibe 91 an Krebs. Ein ursächlicher Zusammenhang konnte jedoch trotz starker Indizien nie bewiesen werden.