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Film & Serien Bitte ansehen: Der Westernheld, der Plato zitiert

In den 1950ern ritten haufenweise Cowboys durch die schwarz-weisse TV-Welt. Die meisten liegen vergessen auf dem Fernsehfriedhof. Zu unrecht. Beispiel: «Have Gun, Will Travel» – eine erstaunliche Westernserie. Sie hat den ersten und einzigen Kultur-Cowboy erfunden.

Richard Boone als «Paladin» in «Have Gun, Will Travel» mit gezogenem Colt
Legende: Richard Boone als «Paladin» in «Have Gun, Will Travel» Getty Images

Colt und Kultur: Er ist Cowboy und Sommelier, ein Gourmet, der schneller schiesst als sein Schatten. Paladin, Held der Serie «Have Gun Will Travel», ist einer der ungewöhnlichsten Westernhelden der Seriengeschichte. Einen wie ihn hat es vor ihm nicht gegeben und auch nicht danach. Dieser Westerner besitzt die Fähigkeiten und das Wissen eines Cowboys und eines Bildungsbürgers.

Hart zuschlagen und schnell schiessen kann er, das definiert ihn aber nicht. Der Mann liebt die Oper. Er vergibt Weinpreise und trägt, wenn er nicht arbeitet – sprich Menschen rettet – die neuste Mode. Paladin ist weitgereist. Der kluge Mann zitiert Plato, Miguel de Cervantes, Oscar Wilde (Letzteren rettet er sogar einmal) und viele mehr. Deshalb ist er der erste und einzige Kultur-Cowboy. Das verrät ja auch schon der Name.

Ein Name wie ein Ritter

Paladin ist das Alias des Helden. Seinen wahren Namen erfährt man nicht. Die Wahl des nom de guerre zeigt ebenfalls seinen Bildungsstand. Waren doch die Paladine in der mittelalterlichen Literatur die Gefolgsleute Karls des Grossen und damals ähnlich beliebt wie die Ritter der Tafelrunde.

Die Abenteuer von Paladin sind ein Sehvergnügen für Leute mit wenig Zeit. Aktuelle Serien sind episch angelegt, die Handlung zieht sich über mehrere Staffeln und jede Folge ist mindestens 45 Minuten lang. Anders «Have Gun Will Travel». Die Folgen sind – typisch für die 1950er – in sich abgeschlossen und nur 25 Minuten lang. Trotzdem hat man das Gefühl einen Spielfilm gesehen zu haben.

Aus der Feder der «Star Trek»-Erfinder

Die Abenteuer des Kultur-Cowboys Paladin sind komplexe und überraschende Geschichten. Nicht ohne Grund. Autoren von «Have Gun Will Travel» waren unter anderem die Erfinder der TV-Serien «Star Trek» und «Mission Impossible» . Was Paladin mit Geheimagent Jim Phelps und Raumschifff-Kapitän James T. Kirk verbindet: Sie waren in ihren Hoch-Zeiten Helden der Popkultur.

Die Serie «Have Gun Will Travel», die von 1957 bis 1963 lief, war ein multimediales Ereignis. Paladin verschoss seine Kugeln und Kultur-Bonmots nicht nur im Fernsehen, sondern auch im Radio, als Comic- und als Romanheld. Kinder konnten Taschen und Figuren des Westerners kaufen.

Auch wenn der Ruhm der Serie längst verblasst ist, sie ist nicht ganz vergessen. Immer wieder gab es in den vergangenen Jahren Gerüchte über einen Kinofilm. Sowohl Hollywoodstar John Travolta, als auch Rapper Eminem waren für die Hauptrolle im Gespräch.

«Ich leg euch um»

«Have Gun Will Travel» zeigt wie originell Serien in den 1950ern sein konnten, zeigt, wie viele Möglichkeiten im Western-Genre stecken. Ikonisch war der Held, der stets schwarz trug. Ikonisch war auch der Anfang einer jeden Folge: Zoom auf einen Holster, der Colt, eine Hand greift den Colt, zielt auf den Zuschauer und eine tiefe Stimme aus dem Off sagt einen kernigen Satz, wie «Ich bedauere, dass ich die beiden Jungs erschiessen musste, aber wenn ihr mich zwingt, zögere ich nicht, Euch auch umzulegen.»

Nur weil Paladin ein Kultur-Cowboy war, heisst das nicht, dass er nicht die Spielregeln eines klassischen Westernhelden befolgte.

DVD Hinweis

«Have Gun Will Travel» Season 1 and 2, erschienen bei Paramount Homevideo. Achtung: Nur Ländercode 1. Keine deutschen oder englischen Untertitel.

Link

Das legendäre Opening zu «Have Gun, Will Travel» auf Youtube.

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