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Zum 65. Geburtstag von Sharon Stone: Filmschatz «Basic Instinct»
Aus Kultur Webvideos vom 24.02.2023.
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Comeback des Erotikthrillers Hollywood hat wieder Bock auf Sex

Erotikthriller wie «Basic Instinct» waren einst Kassenschlager. Warum sie verschwanden und heute zurückkehren.

Mitte der 1990er-Jahre knisterte es im Kino. Filme wie «Fatal Attraction» oder «Basic Instinct» lockten mit grossen Stars, nackter Haut und Sex.

Nicht nur im Kinosaal waren diese Filme beliebt. Auch auf VHS-Kassette waren sie im Verkauf und bei Verleihern ein Renner.

Flaute nach Flops

Ende der 1990er-Jahre hatte der Hollywood-Erotikthriller seinen Zenit überschritten. Mit «Showgirls» und «Jade» waren zwei Grossproduktionen gefloppt.

Mögliche Gründe für den Niedergang des Genres: Die Filme glichen sich, und die wenigen gelungenen Filme gingen in einer Flut von billigen Direct-To-Video-Streifen unter. Vielleicht hatte auch die Internetpornografie der Leinwanderotik den Rang abgelaufen.

Mann und Frau küssen sich nackt auf einem Bett.
Legende: Michael Douglas und Sharon Stone zählten in den 1990er-Jahren zu den Aushängeschildern des Erotikthrillers. IMAGO / Allstar

Nun erlebt das Genre einen zweiten Frühling. Derzeit befindet sich eine erstaunlich hohe Anzahl von Neuauflagen bekannter Erotikthriller aus den 1980er- und 1990er-Jahren in Entwicklung.

Diese Erotikthriller erhalten eine Neuauflage

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Legende: Alyssa Jirrels in der Serie «Fatal Attraction», die ab 30. April bei Paramount+ zu sehen ist. Paramount Television Studios
  • Die TV-Serie «American Gigolo» erzählt die Geschichte von Paul Schraders gleichnamigem Film von 1980 weiter. Darin spielte Richard Gere einen Callboy, dem ein Mord angehängt wird. In der Neuauflage spielt Jon Bernthal den Gigolo. Die Serie ist in der Schweiz auf Canal+ zu sehen. Zum Trailer.
  • Ab Mai ist bei Paramount ein Remake von «Fatal Attraction» zu sehen. Das Original von 1987 mit Michael Douglas und Glenn Close war ein Erfolg und leitete die Blütezeit der Erotikthriller ein. Zum Trailer.
  • In David Cronenbergs «Dead Ringers» von 1988 spielt Jeremy Irons zwei Zwillingsbrüder, die heimlich ihre Frauen austauschen. Ab April ist bei Amazon eine gleichnamige Serie zu sehen, mit Rachel Weisz in den Hauptrollen. Zum Trailer.
  • Der Roman «Damage» erzählt von einem Mann, der sich in die Verlobte seines Sohnes verliebt. 1992 gab es eine Verfilmung von Louis Malle mit Jeremy Irons und Juliette Binoche. Bei Netflix befindet sich mit «Obsession» eine Serienumstzung des Buches in der Mache.
  • Bei Peacock wird eine Serie entwickelt, die auf dem Film «Fear» (1996) mit Mark Wahlberg und Reese Witherspoon basiert.
  • In «Presumed Innocent» (1990) muss Harrison Ford als Staatsanwalt den Mord an seiner Geliebten untersuchen. Apple TV+ plant eine Serie mit Jake Gyllenhaal.

Warum kehrt ein Filmgenre zurück, das fast ganz von der Bildfläche verschwunden war? Weil derzeit sämtliche Popkultur neu aufgelegt wird, mit der Millennials aufgewachsen sind? Diese lassen sich mit Nostalgie bekanntlich gut abholen. Vielleicht erinnern sie sich gerne an den Reiz des Verbotenen, der diesen Filmen einst anhaftete.

Sex sells – aber wie hat er auszusehen?

Ein anderer Grund dürfte darin liegen, dass diese Filme besonders viel Potenzial für eine Überarbeitung bieten. Als Thema zieht Sex heute genauso wie vor 30 Jahren. Aber wie Sex im Film aussieht, hat sich grundlegend verändert. Als Folge von #MeToo muss neu verhandelt werden, wie Sex im Kino erzählt werden soll.

Mann in silbern glänzendem Cabrio.
Legende: Einst bretterte Richard Gere im Mercedes der Küste entlang, nun sitzt Jon Bernthal in einem frisch polierten Jaguar. Showtime

Die Erotikthriller der 1980er- und 1990er-Jahre sind geprägt vom männlichen Blick. Sie sind geschrieben, gefilmt und produziert von Männern. Das merkt man ihnen an. Nicht so sehr den Geschichten, die sich meist um sexuell selbstbestimmte Frauen drehen, was durchaus zeitgemäss ist. Sondern daran, wie diese Frauen in den Filmen bewertet werden.

Der weibliche Blick

Die sexuell selbstbestimmte Frau wird fast durchgehend als gefährlich gezeigt. Ihre Ausschweifungen werden am Ende entweder bestraft, oder sie findet zu traditionellen Werten zurück. In «Basic Instinct» etwa sprechen die von Sharon Stone und Michael Douglas gespielten Figuren am Ende darüber, Kinder zu kriegen und gemeinsam alt zu werden.

Filmszene: Rückansicht einer Frau, die fünf Männern gegenübersitzt.
Legende: Der männliche Blick dominiert: Sharon Stone (unten rechts) 1992 in «Basic Instinct». IMAGO / Everett Collection

Bei den Neuauflagen spielen Autorinnen und Regisseurinnen eine deutliche wichtigere Rolle als in den männlich geprägten Originalen. Es ist zu erwarten, dass Frauenfiguren dadurch anders bewertet werden.

Mehr Sex, weniger Moral

Einziges Indiz dafür, wie Erotikthriller heute aussehen könnten, ist die Neuauflage von «American Gigolo». Zwar ist der Film aus dem Jahr 1980 mit Richard Gere alles andere als ein typischer Erotikthriller – schliesslich steht hier für einmal ein Mann mit ausschweifendem Sexualleben unter Mordverdacht. Aber die Serie ist die einzige Neuauflage, die bereits zu sehen ist.

Happy Birthday, Sharon Stone

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Legende: Keystone / ENNIO LEANZA

Sharon Stone feiert am 10. März ihren 65. Geburtstag. Den Durchbruch als Schauspielerin schaffte sie 1992 mit der Hauptrolle in «Basic Instinct», in dem sie eine Killerin spielt, der die Männer reihenweise erliegen.

In der Folge war sie in unterschiedlichen Filmen zu sehen – in Actionfilmen wie «The Specialist» (1994), dem Western «The Quick and the Dead» (1995) oder dem Mafia-Drama «Casino» (1995) von Martin Scorsese.

Trotz dieser vielfältigen Rollen wurde sie oft als Femme fatale besetzt – zum Beispiel in «Sliver» (1993) oder der erfolglosen Fortsetzung «Basic Instinct 2» (2006).

Nach grossen Erfolgen in den 1990er-Jahren wurde es ruhiger um Sharon Stone – auch wegen Flops wie «Gloria» (1999), «Catwoman» (2004) oder der besagten Fortsetzung von «Basic Instinct».

Zuletzt feierte Sharon Stone Erfolge mit TV-Serien wie «Mosaic» (2018) und «Ratched» (2020).

Verglichen mit dem Original ist in der Serie deutlich mehr Sex zu sehen. Dieser wird vielfältiger dargestellt, meist mit Frauen als bestimmender Kraft. Davon, dass die Macherinnen und Macher als Folge von #MeToo davor zurückschrecken würden, Sex zu zeigen, ist nichts zu spüren.

Dass die Serie «American Gigolo» umständlich erzählt ist und einige Plattitüden bereithält – geschenkt. Sie ist immerhin ein Anzeichen dafür, dass die Streamingdienste nach dem #MeToo-Schock Hollywoods Freude am Sex neu entdeckt.

Radio SRF 2 Kultur, Filmpodcast: Kino im Kopf, 4.3.2023, 08:30 Uhr.

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