Mario Adorfs Gesundheit war schon länger ein Thema. 2024 wurde ihm der Deutsche Fernsehpreis verliehen. Er konnte nicht persönlich erscheinen und wurde zugeschaltet. «Mit 94 darf man auch mal krank sein», sagte er damals.
Zürich, München und Champagne
Was wenige wissen: Der Schauspieler wurde 1930 in Zürich geboren, als unehelicher Sohn einer Deutschen und eines Italieners, wuchs aber in der Eifel auf. In den 1950er-Jahren kam er zurück in die Schweiz. Er studierte in Zürich Geisteswissenschaften und arbeitete im Schauspielhaus als Statist und Regieassistent. Einen Abschluss machte er nicht in Zürich. Er ging an die Otto-Falckenberg-Schule in München, um Schauspieler zu werden.
Er war ein breitschultriger Mann, mit beeindruckender Stimme, der als Kind Boxen gelernt hatte und sein Können später in Filmen und TV-Shows zeigte. Als Zuschauer hatte man immer das Gefühl, dass er einer war, der vor Energie platzte, auch wenn er ruhige Parts hatte oder entspannt in Talkshows auftrat.
Filmschurke des Vertrauens
Mit mehr als 200 Rollen hat der Champagne-Fan Fernseh- und Filmgeschichte geschrieben. Gauner, Unternehmer, Boxer – seine Figuren waren vielfältig. Für viele war er der Filmschurke ihres Vertrauens. Seinen Durchbruch hatte er 1957, in dem deutschen Krimi «Nachts, wenn der Teufel kam» von Robert Siodmak, in dem er dort den Serienkiller Bruno Lüdke spielte.
Ein Film, den man heute als True Crime klassifizieren würde, weil es den vermeintlichen Mörder Bruno Lüdke wirklich gab. Der Kinofilm gilt als ein Höhepunkt des deutschen Nachkriegskinos.
«Winnetou» und «Die Blechtrommel»
Geschichte schrieb Mario Adorf auch 1963 mit einer Karl-May-Verfilmung. Wieder eine Schurkenrolle, in «Winnetou I».
Santer hiess die Figur, die er 2016 in einer Neuauflage noch einmal spielen sollte. Er tötete in dem Euro-Western Winnetous Vater und Schwester. In einem Interview mit der Zeit erzählte Mario Adorf 2023, dass es immer noch Menschen gäbe, die ihm übelnehmen würden, dass er Winnetous Schwester Nscho-tschi getötet habe.
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Bild 1 von 3. Immer wieder der Bösewicht: Mario Adorf als mordender Schurke Santer in «Winnetou I». (1963). Bildquelle: IMAGO / Allstar.
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Bild 2 von 3. In «Die Blechtrommel» sehen wir Mario Adorf als pflichtbewussten deutschen Mitläufer in der NS-Zeit. Bildquelle: IMAGO / United Archives.
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Bild 3 von 3. Mario Adorf zusammen mit David Bennent, dem damals zwölfjährigen Hauptdarsteller von «Die Blechtrommel», und Günter Grass, dem Autor der Romanvorlage. Bildquelle: KEYSTONE/DPA/Konrad Giehr.
Auch unvergessen: seine Rolle als Alfred Matzerath in Volker Schlöndorffs «Die Blechtrommel», einer Verfilmung des gleichnamigen Romans von Günter Grass. Der Film gewann die Goldene Palme von Cannes und den Oscar.
Der TV-Star Adorf
Ab den 1980er-Jahren trat Mario Adorf verstärkt im Fernsehen auf. Furchterregend war er in «Via Mala» (1985), einer Verfilmung des gleichnamigen Romans des Schweizers John Knittel, die in den Bündner Alpen spielt. Selten war Mario Adorf fieser als Jonas Lauretz, ein Tyrann und Säufer, der seine Kinder verprügelt und seine Frau misshandelt.
Seine bekannteste TV-Rolle, mit der er auch bei einer jüngeren Generation berühmt wurde, war eher ein cooler Typ: der Titelheld in Dieter Wedels vierteiligem ZDF-Klassiker «Der grosse Bellheim» von 1993, eine Mischung aus Familien- und Wirtschaftsdrama, in dem er eine angeschlagene Kaufhauskette rettet.
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Bild 1 von 4. «Der grosse Bellheim»: Mario Adorf in seiner Paraderolle im TV der frühen 1990er-Jahre – an der Seite von Renan Demirkan. Bildquelle: IMAGO / teutopress.
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Bild 2 von 4. Furcheinflössend: Adorf als Tyrann Jonas Lauretz in «Via Mala» (1985). Bildquelle: IMAGO / Cola Images.
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Bild 3 von 4. Erfolgsverwöhnt: 1978 erhielt Mario Adorf seinen ersten Bambi – nur eine seiner zahlreichen Auszeichnungen. Bildquelle: KEYSTONE/DPA/Istvan Bajzat.
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Bild 4 von 4. Ob als Schnauz oder Vollbart – der Bart war Mario Adorfs Markenzeichen. Er brachte ihm in den 2000ern auch die Ehrung «Bartträger des Jahres» ein. (1977). Bildquelle: Istvan Bajzat/dpa.
Seine letzte Rolle im Fernsehen hatte er 2019 in der Komödie «Alte Bande», in der er den schlagkräftigen 80-jährigen Ganoven Boxer spielt, der aus dem Knast ausbricht.
Mario Adorf starb friedlich in seiner Pariser Wohnung. Vergessen wird er nicht so schnell. Er war 2002 Mitgründer der Nibelungen-Festspiele Worms. Ihm zu Ehren wird von der Stadt Worms seit 2018 der Mario-Adorf-Preis an Theaterschaffende vergeben.