Neu im Kino Die Deneuve: 60 Jahre Filmstar

Vor 60 Jahren gab Catherine Deneuve ihr Kino-Debüt. Nun spielt sie in «Sage femme» eine rätselhafte Frau, die das Leben der titelgebenden Hebamme durcheinanderbringt.

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Filmstart diese Woche: «Sage femme»

Das Leben der Hebamme Claire (Catherine Frot) ist gerade im Umbruch: Ihr Sohn ist ausgezogen und wird bald Vater, ihr Spital schliesst die Geburtenabteilung, ein Mann beginnt sich für sie zu interessieren, und dann taucht auch noch Béatrice (Catherine Deneuve) wieder auf, die sie seit ihrer Kindheit nicht mehr gesehen hat.

Lange weiss man als Zuschauer nicht, ob Béatrice Claires Mutter ist oder «nur» eine Geliebte ihres Vaters war. Klar ist einzig: Claire ist nicht gut auf sie zu sprechen.

Das zentralste Zitat

Claire tröstet Béatrice. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Einer der seltenen guten Momente zwischen Béatrice (Catherine Deneuve, links) und Claire (Catherine Frot). Ascot Elite

«Ich spüre es in meinem ganzen Körper», sagt Béatrice. «Ich muss sterben. Aber ich will leben. Ich will leben.» Da sie einen Gehirntumor hat, kann man das durchaus wörtlich nehmen. Aber man kann die Aussage auch im übertragenen Sinn verstehen: «Ich will nicht erstarren und spiessbürgerlich werden. Ich will das Leben in vollen Zügen geniessen.» Denn Béatrice verschwindet, wenn ihr Leben allzu «normal» zu werden droht.

Die Schauspielerin

Béatrice und Claire sitzen in einem Café. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Man hätte Catherine Deneuve zu ihrem 60-jährigen Kino-Jubiläum einen besseren Film gewünscht. Ascot Elite

1957 gab Catherine Deneuve mit 13 ihr Schauspieldebüt im Film «Les collégiennes». Sieben Jahre später kam ihr Durchbruch mit «Les parapluis de Cherbourg». Seither ist die gebürtige Pariserin nicht mehr aus dem französischen Kino wegzudenken.

In «Sage femme» spielt die 73-Jährige nun die alternde Unangepasste, deren Bluse mit Raubkatzen-Print sofort klarmachen soll: Das war mal eine ganz wilde Frau.

Fakten, die man wissen sollte

Hebamme Claire und Spitalpersonal bei einer Geburtsszene. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Schauspielerin Catherine Frot (Mitte) spielte die Hebamme Claire bei realen Geburten. Ascot Elite

Regisseur Martin Provost hat seine Claire-Darstellerin Catherine Frot als Hebamme bei realen Geburten gefilmt. Die Elternpaare gaben jeweils kurz vor dem Dreh ihre Einwilligung. Doch ganz ohne Tricksereien ging es nicht: Bei der letzten Geburtsszene im Film kommt das Baby sichtbar abgenabelt zur Welt.

Das Urteil

Paul und Claire bei einem Ausflug in die Natur. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Wie Paul (Olivier Gourmet) um Claire (Catherine Frot) buhlt, geht in der Haupthandlung unter. Ascot Elite

Der Film konzentriert sich so stark auf die Beziehung zwischen Claire und Béatrice, dass alle anderen Figuren inklusive Claires neuem Liebhaber Paul (Olivier Gourmet) zu Statisten verkommen. Und dass lange nicht klar gemacht wird, ob Béatrice Claires leibliche Mutter ist oder nicht, wirkt eher umständlich als geheimnisvoll. Trotzdem will man wissen, ob die beiden Frauen sich zusammenraufen. Aber wirklich spannend oder berührend ist das nicht.

Kinostart: 8. Juni 2017