Sieben neue Academy-Mitglieder Die Schweiz hat bei der Vergabe der Oscars jetzt mehr zu sagen

Gleich sieben Schweizer Filmschaffende bestimmen neu bei den Oscars mit.

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Bildlegende: Sieben Schweizer Filmschaffende haben neu bei den Oscars mitzureden. Keystone

Gestern gab die Oscar Academy über 774 neue Mitglieder bekannt, darunter auch sieben Schweizer. Die Auserkorenen wurden per Einladung berufen – sie dürfen in Zukunft bei der Vergabe der Oscars mit abstimmen.

Die Frau hinter den Stars

Unter den neuen Schweizer Oscar-Jury-Mitgliedern ist Corinna Glaus, das Schweizer Casting-Urgestein. Sie castete unter anderem die Darsteller für «Aloys» von Tobias Nölle und die Verfilmung von «Nachtzug nach Lissabon» mit Jeremy Irons.

Aus dem Team Zucchini

Ebenfalls neu in der Academy: Claude Barras, der Regisseur des Animationsfilms «Ma Vie de Courgette». Der Animationsfilm gewann den Schweizer Filmpreis und war für den Oscar nominiert.

Auch weitere Beteiligte von «Ma Vie de Courgette» bestimmen nun bei den Oscars mit: Zum einen der Produzent Michel Merkt, der auch weitere international erfolgreiche Filmen wie «Elle», «Toni Erdmann» und «Juste la Fin du Monde» produzierte. Merkt sass dieses Jahr auch in der Jury der Goldenen Palme in Cannes. Zudem gehört nun auch Max Karli zur Academy – auch er war Produzent bei «Ma Vie de Courgette».

Erst nominiert, nun in der Oscar-Jury

Der andere Film, der die Academy auf Schweizer Filmschaffende aufmerksam machte: «La Femme et le TGV» mit Jane Birkin. Der Kurzfilm war für einen Oscar nominiert. Der Regisseur Timo von Gunten zählt nun zu den geladenen Schweizern in Hollywood – ebenso wie der Produzent Giacun Caduff.

Als siebter Schweizer bestimmt neu auch Stefan Eichenberger bei den Oscars mit: Er ist Produzent von Schweizer Filmen wie «Heimatland» oder «Der Kreis» von Stefan Haupt. Auch beim Kurzfilm «Parvaneh» der Schweizer Regisseurin Talkhon Hamzavi hat er mitgewirkt: Die Geschichte über eine Geflüchtete war 2012 für einen Oscar nominiert.

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Die Academy

Die Oscar-Academy besteht aus über 5500 Mitgliedern: darunter Produzenten, Kameraleute, Schauspielerinnen, Kostüm-Designer oder Drehbuchautoren. Sie bestimmen über die Vergabe der Oscars. Voraussetzung ist, dass die Filmschaffenden zuvor selbst für einen Oscar nominiert waren.

Mehr Diversität, mehr Schweizer

774 neue Mitglieder sind eine stattliche Zahl. Insbesondere aber für Schweizer Verhältnisse sind sieben neue Stimmen in der Academy überraschend und erfreulich, sagt SRF-Filmredaktor Selim Petersen: «Das ist nur möglich, weil die Oscars ihre Politik veränderten.»

Nach der öffentlichen Empörung im Zusammenhang mit #OscarsSoWhite hatte die Akademie letztes Jahr angekündigt, mehr Frauen und Minderheiten aufzunehmen. Sowohl der Anteil von Frauen als auch von Nicht-Weissen in der Jury wurde durch die neuen Mitglieder erhöht. Sie kommen aus 57 Ländern. Von dieser neuen Diversität in der Academy profitiert nun auch die Schweiz.

Schweizer Filme auf Erfolgskurs

In den neuen Einladungen spiegeln sich laut Selim Petersen aber auch die aktuellen Erfolge von Schweizer Filmen im letzten Jahr.

Nun dürfen die Schweizer Filmschaffenden die Lorbeeren dafür ernten: «Insgesamt wird die Schweiz nun mehr zu sagen haben bei der Vergabe der Oscars».

Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Kultur-Nachrichten, 29.6.217, 16:30 Uhr.