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Plötzlich Heimweh
Aus Sternstunde Kunst vom 21.05.2020.
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Dokfilm «Plötzlich Heimweh» Eine Chinesin hat Heimweh nach dem Appenzell

Eine rastlose chinesische Reisereporterin bleibt im Appenzell hängen. Mit dem Film «Plötzlich Heimweh» baut sie eine persönliche Brücke zwischen ihrer alten und neuen Heimat.

Mehr als 300 Stunden selbstgedrehtes Filmmaterial hat Yu Hao säuberlich in Schubladen sortiert. Aber ihr Dokumentarfilm beginnt mit einer Appenzeller Scherenschnitt-Tricksequenz: Bild für Bild wird so die Geburt und Kindheit der kleinen Yu Hao im nördlichsten China zusammengefasst.

Ein Scherenschnitt, darauf eine Frau mit Rollkoffer.
Legende: Yu Haos Leben als Scherenschnitt: Aus dem kleinen Mädchen wurde eine Reisereporterin. HAO Production

Aus dem kleinen Mädchen wurde eine Reisereporterin, erzählt Yu Hao ihre eigene Geschichte weiter. Ab 1999 arbeitete sie für verschiedene Fernsehstationen in Peking, als Fernsehreporterin brachte sie Bilder der Welt zurück nach China – unter anderem auch vom Zürcher Sechseläuten.

Verliebt in der Schweiz

2005 war Yu Hao wieder mit einem Fernsehteam in der Schweiz, als Vermittler vor Ort arbeitete Ernst Hohl, der Stifter des Hauses Appenzell in Zürich. «Wir hatten uns 2001 bereits in China kennengelernt, aber auf dieser Reise verliebten wir uns», erinnert sich Yu Hao heute.

Und auf einmal bleibt die rasende Reporterin stationär, sie entdeckt das Appenzell, vorerst mit ihrer Kamera als Schutzschild. Aus gutem Grund: «Ich lebte in einem Land, dessen Sprache ich nicht richtig sprach und wo ich nur wenig Freunde hatte.»

Aber Yu Hao lernt Deutsch, ist zunehmend fasziniert von Brauchtum und Tradition, von Menschen wie dem Bauernmaler Johann Hautle, vom Bauern Ruedi Manser oder vom 13jährigen Chläus Anderegg, der mit dem Töffli zwischen Schule und Alp hin- und herfährt.

Ein Bub und sein Vater stehen an einem Zaun.
Legende: Yu Hao ist fasziniert von Brauchtum und Tradition im Appenzellerland – und von den Menschen. Hao Productions

Heimweh nach dem Appenzell

«Heimat, so sagt man, ist dort, wo man eine Vergangenheit, eine Familie hat. Verbundenheit zu dem Ort und zu den Menschen», sagt Yu Hao.

Aber als ihre Grossmutter in China stirbt, passiert für Yu Hao der Bruch. Ausgerechent jetzt kann sie nicht an ihrer Seite sein. Bei einer späteren Reise in die alte Heimat fühlt sie sich zerrissen, bis sie merkt, dass sie zum ersten Mal im Leben Heimweh hat – nicht nach China, sondern nach dem Appenzell.

Angekommen im Leben

«Plötzlich Heimweh» von Yu Hao ist ein anregender, nachdenklicher, ausgesprochen vielseitiger Dokumentarfilm, auf jeder Ebene mit grosser Sorgfalt gestaltet.

Ein Trachtenumzug im Appenzellerland.
Legende: Fronleichnam im Appenzellerland – eine von vielen grossartigen Aufnahmen, die Yu Hao mit ihrer Kamera gemacht hat. Hao Productions

Yu Haos persönliche Überlegungen werden getragen von oft grossartigen Aufnahmen, die meist so knapp geschnitten sind, dass man nie genug bekommt von ihnen – und trotzdem strahlt der Film eine Ruhe aus. Und vermittelt das Gefühl, da sei jemand angekommen in ihrem Leben.

Radio SRF 2 Kultur, Kultur Aktualität, 21.05.2020, 17.10 Uhr;

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